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"Burn-out ist keine Krankheit"

Stressfaktor Arbeitseinstellung [Quelle: Fotolia]

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Sie sind Experten für Stress – aber auch für die Marotten von Managern. Die Psychiaterin Susanne Krömer und der Internist Curt Diehm von der Max-Grundig-Klinik sprachen mit Christian Rickens über Fitnesswahn, Schlaflosigkeit und als "Erschöpfung" getarnte Depressionen.

Körper und Psyche lassen sich nicht trennen: Gemäß dieser Maxime wollen der Internist Curt Diehm und die Psychiaterin Susanne Krömer, beide Spezialisten für die Behandlung von Führungskräften, das Gespräch über neue Erkenntnisse in der Stressforschung gerne gemeinsam führen. Dabei sparen sie auch ihren eigenen Umgang mit Stress nicht aus. Krömer entspannt ganz klassisch beim Yoga. Diehm hält sich mit Rasenmähen fit – und hat Freude an schönen Autos. Sein Traumwagen wäre eigentlich ein Bentley, aber mit dem will er dann doch nicht im Hof der Klinik parken.

Frau Doktor Krömer, Herr Professor Diehm ...

Diehm: Entschuldigung, darf ich Ihnen zunächst eine Frage stellen? Haben Sie letzte Nacht durchgeschlafen?

Ja, danke der Nachfrage.

Diehm: Dann haben Sie schon einmal eine ganz wichtige Voraussetzung erfüllt, um nicht stressbedingt zu erkranken. Meine Nächte sehen in der Regel aus wie die vieler Manager: Die schlafen abends vor Erschöpfung rasch ein, dann muss man nachts um zwei, halb drei auf die Toilette, und dann stellt sich die bange Frage: Schaffe ich es, wieder einzuschlafen? Mir gelingt das nicht ohne Weiteres, und damit bin ich nicht allein. Ich hatte letzte Woche einen Bundesrichter hier, der über seine Schlafstörungen klagte. Wissen Sie, was der gemacht hat? Der hat nachts Malbücher ausgemalt. Den Einschlaftipp hatte er im "Stern" gelesen.

Und was machen Sie?

Diehm: Ich höre mir im Bett auf Youtube Übungen zum autogenen Training an. Die richtige Menge Schlaf ist wichtig. Rund sieben Stunden sollten es sein. Weniger ist auf Dauer gesundheitsschädlich. Aber auch wer regelmäßig mehr als sieben Stunden schläft, verkürzt seine Lebenserwartung.

Ist das Schlafbedürfnis nicht auch eine Typfrage? Gerade Topmanager prahlen ja gerne damit, wie wenig Schlaf sie benötigen und wie früh sie aufstehen.

Diehm: Das ist in den allermeisten Fällen ein Mythos. Das Schlafbedürfnis verringert sich zwar mit dem Lebensalter etwas, und auch die Reaktionen auf vorübergehenden Schlafmangel mögen unterschiedlich sein. Aber das ändert nichts daran: Rund sieben Stunden sind das gesundheitliche Optimum.

Frau Doktor Krömer, welcher Mythos zum Thema Stress begegnet Ihnen bei der Behandlung von Managern am häufigsten?

Krömer: Das sind zwei Mythen, die sehr eng zusammenhängen: "Stress gibt es gar nicht" und "Stress hat nichts mit mir zu tun". Viele Manager kommen mit körperlichen Beschwerden zu uns, und wir müssen ihnen dann sagen, dass ihre körperlichen Beschwerden stressbedingte Ursachen haben.

Diehm: Die schlagen zum Beispiel bei mir als Internisten mit Herzbeschwerden auf, und ich merke im Gespräch: Da stimmt etwas nicht, und ich ziehe dann Frau Krömer hinzu.

Herr Professor Diehm, wie hat sich der typische Stresspatient in den über 40 Jahren Ihrer Berufspraxis verändert?

Diehm: Vor 40 Jahren galt der stressbedingte Herzinfarkt als typische Managerkrankheit – und geradezu als Statussymbol, als Nachweis der eigenen Leistungsfähigkeit. So richtig gestimmt hat das eigentlich nie. Manager sind sehr lösungsorientiert, wenn die ein körperliches gesundheitliches Problem haben, gehen sie es an, versuchen zum Beispiel, ihren Blutdruck und damit ihr Infarktrisiko zu senken. Heute wissen wir: Herzinfarkt und Schlaganfall sind eher typische Erkrankungen der niedrigeren sozialen Schichten. Was aber in den vergangenen Jahrzehnten enorm zugenommen hat, sind die schon erwähnten stressbedingten somatischen Diagnosen, also die körperlichen Beschwerden, deren Ursache eigentlich in der Psyche liegt.

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