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Das Verstehen fördern

Das Verstehen, nicht das Auswendiglernen fördern

Der Bericht des KOA spricht sich des Weiteren für eine Reduzierung des Prüfungsstoffs in der ersten Juristischen Prüfung und im zweiten Staatsexamen aus. In der Diskussion wird man zwar jedem Fachvertreter, der für den ungeschmälerten Erhalt seines Fachs eintritt, leicht Befangenheit vorwerfen können. Wenig überzeugend ist in dem Zusammenhang allerdings auch der Hinweis auf die hohe praktische Bedeutung des eigenen Fachs. Den Gedanken konsequent zu Ende gedacht, müsste man wohl in das Zentrum der juristischen Ausbildung das Straßenverkehrsrecht und den Bußgeldkatalog stellen – denn kaum ein anderes Rechtsgebiet kommt in der Praxis so häufig vor.

Richtig scheint vielmehr, bei der Funktion der Rechtsdogmatik anzusetzen, also der systematischen Aufbereitung des Rechtsstoffs für die Fallbearbeitung durch einen Dialog von Wissenschaft und Praxis. Ziel der Rechtsdogmatik ist es, den Studierenden in die Lage zu versetzen, auch eine ihm unbekannte Rechtsfrage einer wissenschaftlich fundierten Lösung zuzuführen.

Erstens: Zwar erfolgt die Vermittlung des rechtsdogmatischen Verständnisses in dafür besonders geeigneten ausgewählten Rechtsgebieten, wie etwa dem Pfand- und Hypothekenrecht. Aufgabe des Studiums ist es aber auch, eine bestimmte Breite als Orientierungswissen zu vermitteln. Schon heute trägt das Deutsche Richtergesetz (DRiG) dem Rechnung, indem es die Vermittlung der philosophischen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen in den drei Hauptdisziplinen fordert. Dies lässt sich auf die Fachdisziplinen ausdehnen.

Um ein Beispiel zu nennen: Man muss keine Details zum kollektiven Arbeitsrecht prüfen, aber ein Grundverständnis, ob der Tarifvertrag Ausdruck delegierter Rechtsetzungskompetenz oder kollektiv wahrgenommener Privatautonomie ist, muss zur juristischen Allgemeinbildung gehören. Auch lässt sich kaum die Bundesverfassungsgerichtsentscheidung zum Mitbestimmungsgesetz von 1979 vermitteln, ohne gleichzeitig ein Grundverständnis von Unternehmensmitbestimmung und betrieblicher Mitbestimmung vorauszusetzen. Ob ein Fall ein rechtliches Problem ist, ergibt sich nur aus einer Gesamtschau der Rechtsordnungen. Daher ist ein bestimmtes breites Orientierungswissen unabweislich. Hierzu gehört aber auch, dass neue Formen von Überblicksvorlesungen entwickelt werden, in denen das Orientierungswissen vermittelt wird.

Eine Reduzierung des Stoffs kann und sollte nicht nur durch Streichung bestimmter Themengebiete erfolgen, sondern auch durch einen Verzicht auf Detailkenntnisse und durch die Qualität und den Mut der Korrektoren, auch Lösungen als richtig zu akzeptieren, die eigenständig ohne Detailkenntnisse der Rechtsprechung entwickelt wurden und von der Lösungsskizze abweichen.

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