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Bankenaufseher in turbulenten Zeiten

Fassade der Deutschen Bundesbank [Quelle: Pixabay.com, Autor: ericspaete]

Quelle: Pixabay.com, ericspaete

Als Jurist in der Bankenaufsicht arbeiten: Diesen Weg hat Dr. Tobias Volk gewählt. Hier berichtet er, warum er sich für das Trainee-Programm der Deutschen Bundesbank entschieden hat und wie sein Einstieg aussah.

Als ich meinen beruflichen Werdegang vor vier Jahren als Trainee in der Zentrale der Deutschen Bundesbank begann, war die Bankenwelt noch in Ordnung. Heute sieht die Welt völlig anders aus, und die kollabierenden Finanzmärkte benötigen deutlich mehr Aufmerksamkeit von seiten der Aufsicht, als dies im Zuge der Deregulierung der letzten Jahre jemals denkbar erschien.

Die Entscheidung zwischen BaFin und Deutscher Bundesbank

Will man als Absolvent der Rechtswissenschaft in die Banken- und Finanzaufsicht einsteigen, hat man die Wahl zwischen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Bundesbank. Während die BaFin ihren Sitz in Bonn und Frankfurt am Main hat, ist die Bundesbank auch in der Fläche vertreten. Neben ihrem Hauptsitz in Frankfurt am Main unterhält sie neun Hauptverwaltungen im Bundesgebiet. In Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Leipzig, Mainz, München und Stuttgart findet die laufende Überwachung der Institute vor Ort statt. Außerdem sind an jedem Standort Prüferteams stationiert, die von der BaFin angeordnete bankgeschäftliche Prüfungen in den Instituten durchführen. Während die Bundesbank für die Feststellung der Tatsachen und eine erste Beurteilung der Sachverhalte zuständig ist, obliegt es der BaFin, Tatbestände rechtlich zu würdigen und daraus aufsichtsrechtliche Maßnahmen abzuleiten. Für "klassische" Juristen kommt deshalb eher der Jobeinstieg bei der BaFin in Frage – gute Kenntnisse im Europarecht, Verwaltungsrecht und im Bankaufsichtsrecht sind klar von Vorteil. Die Bundesbank ist eher für die Juristen von Interesse, die eine starke Affinität zu wirtschaftlichen Themen haben und darüber hinaus nicht vor konzeptioneller Grundsatzarbeit zurückschrecken.

Einstieg als Trainee bei der Deutschen Bundesbank

Im Oktober 2005 startete ich mit vier Mitstreitern im ersten Durchlauf des Trainee-Programms der Deutschen Bundesbank. Als Ergänzung zum Direkteinstieg und dem Bundesbank-Referendariat wurde dieser dritte Einstiegsweg zu diesem Zeitpunkt gerade neu eingeführt. Während ein Direkteinstieg für Absolventen in Frage kommt, die sich in einer ausgeschriebenen Stelle exakt wiederfinden, ist das Bundesbank-Referendariat als 21-monatiges generalistisches Einstiegsprogramm konzipiert. Das Trainee-Programm soll die Lücke zwischen beiden Polen schließen. Es ist flexibel in der Dauer (sechs bis zwölf Monate) und in der konkreten Ausgestaltung. Während man im Bundesbank-Referendariat verpflichtend Stationen in einer Filiale, einer Hauptverwaltung und der Zentrale absolvieren muss, genießt man als Trainee deutlich mehr Freiheit. Ich habe mich für das Trainee-Programm entschieden, weil es mir in einem überschaubaren Zeitraum einen Einstieg in den endgültigen Job eröffnete und zugleich die Möglichkeit zum Netzwerken bot – das Beste aus den beiden Welten, Direkteinstieg und Bundesbank-Referendariat.

Der Arbeitsalltag in der Festanstellung

Nach sieben Monaten Trainee-Programm ergab sich für mich die Möglichkeit, auf eine feste Stelle zu wechseln. Seitdem beschäftige ich mich auf meiner Position mit einem breiten Spektrum von Aufgaben. Neben Grundsatztätigkeiten zur Säule 2 von Basel II, also der Formulierung von Anforderungen an das Risikomanagement von Kreditinstituten, nehme ich an bankgeschäftlichen Prüfungen teil, bereite nationale und internationale Sitzungen meines Abteilungsleiters vor, führe Gespräche mit Bankvorständen und vertrete die Positionen Deutschlands in internationalen Arbeitsgruppen und auf Konferenzen. Die Tätigkeit ist enorm abwechslungsreich und deutlich stärker selbst beeinflussbar, als ich mir das beim Einstieg in den Öffentlichen Dienst jemals hätte vorstellen können. Dazu kommen Arbeitszeitregelungen, die eine wirkliche Work-Life-Balance zulassen. Zwar arbeite ich normalerweise deutlich mehr als die arbeitsvertraglich vorgeschriebenen 39 Stunden pro Woche – ich habe aber im Gegenzug die Möglichkeit, auch mal einen Gleitzeittag zu nehmen, an dem ich mein Gleitzeitguthaben zurückführen kann. In der Bundesbank sind das, anders als bei anderen Arbeitgebern, die ich kennengelernt habe, keine Lippenbekenntnisse, sondern es ist völlig normaler Alltag. Auch Teilzeit und Telearbeit werden nicht nur angeboten, sondern auch unkompliziert bewilligt. Als ich im letzten Jahr meine Dissertation in einen druckreifen Zustand bringen wollte, habe ich mit Unterstützung meiner Vorgesetzten meine Arbeitszeit für ein halbes Jahr auf 60 Prozent reduziert.

Tipps zum Einstieg

Der Einstieg bei der Bundesbank fällt Absolventen mit Praxiserfahrung im Bereich Banking sicher deutlich leichter als jenen ohne derartige Vorkenntnisse. Während meines Studiums habe ich zahlreiche Praktika in Banken absolviert, neben meiner Promotion habe ich im Bereich Mergers & Acquisitions (M&A) gearbeitet. Diese Praxiserfahrung hat mir den Einstieg in die Bankenaufsicht enorm erleichtert. Als Angestellter im höheren Dienst ist man sehr schnell in der Situation, mit Spezialisten aus Kreditinstituten und Verbänden zu diskutieren. Die Vielschichtigkeit einiger Themen erschließt sich dabei oft erst bei Kenntnis der zugrunde liegenden bankbetrieblichen Prozesse. Eine Banklehre oder relevante Praktika sind deshalb unbedingt empfehlenswert.

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