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Soll ein Studium mit guten Jobaussichten mehr kosten?

ZEIT: Hätten wir noch heute Studiengebühren, wenn es dieses Modell gegeben hätte?

Wößmann: Es war der größte Fehler, bei der Einführung von Studiengebühren kein umfassendes nachgelagertes Modell vorzusehen. Stattdessen mussten die Studenten sofort zahlen und sich selbst eine Refinanzierung suchen. Ein weiterer Fehler war, nicht deutlich zu machen, wie rentabel ein Studium ist. Bildung ist eine Investition: Man erwirbt Fähigkeiten und Kompetenzen, die einen produktiver machen. Das entschädigt der Arbeitsmarkt später auch. Warum sollte der Staat jemandem etwas schenken, das dazu führt, dass der später ein Drittel mehr verdient? Heute zahlt die Arzthelferin mit ihren Steuern das Medizinstudium der Arzttochter. Das ist ungerecht!

ZEIT: Wie hoch sollten Studiengebühren sein?

Wößmann: 500 Euro pro Semester, so wie früher. Das fände ich erst mal gut. Diese Summe schreckt niemanden ab. Der entscheidende Posten beim Studium sind ohnehin nicht die Ausgaben, sondern die Opportunitätskosten, also das Einkommen, das man bekäme, wenn man nicht studiert. Im Vergleich dazu fallen 1000 Euro im Jahr nicht ins Gewicht. Sie haben aber einen enormen Effekt auf das Bildungswesen.

ZEIT: Bei derzeit 2,7 Millionen Studenten würden jährlich 2,7 Milliarden Euro ins Bildungssystem fließen.

Wößmann: Genau. Und im Jahr 2020 greift die Schuldenbremse in den Ländern. Dann können und werden Studiengebühren ein wichtiger Bestandteil der Hochschulfinanzierung sein. Die Einnahmen sollten für die Verbesserung der Lehre eingesetzt werden, auch in Form von neuen Lehrstühlen. Bei der Einführung sollten Studierendenvertreter mit am Tisch sitzen. Studierende können selbstbewusst sagen: Ich habe bezahlt, ich will eine Gegenleistung.

ZEIT: Geringe Studiengebühren könnten der Beginn einer Spirale sein, die zu immer höheren Gebühren führt. Gerhard Casper, der langjährige Stanford-Präsident, hat kürzlich in der ZEIT gefordert, dass Deutschland Studiengebühren wie England brauchte – dort betragen sie bis zu 9.000 Pfund pro Jahr, das sind über 12.000 Euro.

Wößmann: 9.000 Pfund sind zu hoch. Solche Gebühren wirken abschreckend; viele Abiturienten würden dann kein Studium mehr aufnehmen. Das gilt vor allem für die Geisteswissenschaften, in denen die Rendite eines Studiums nicht so hoch ist. Es gibt aber Studiengänge, bei denen solche Gebühren nicht abwegig wären, weil deren Absolventen später so viel mehr verdienen als andere.

ZEIT: Ein teures Studium mit guten Jobaussichten wie Medizin sollte also mehr kosten als eine Buchwissenschaft wie Romanistik?

Wößmann: In einem weitergehenden System sollte man auch die Kosten eines Studiums berücksichtigen, und die sind in Medizin und in den Naturwissenschaften viel höher als in einer Geisteswissenschaft. Aber man sollte auch die sozialen Erträge eines Berufs einbeziehen: Wenn jemand zum Beispiel Landarzt oder Physiklehrer wird, profitiert die Gesellschaft insgesamt, da sollte man geringere Gebühren zahlen.

ZEIT: Die Politik fragt Sie häufig um Rat. Haben Sie mit Politikern schon einen Plan zur Wiedereinführung von Studiengebühren entwickelt?

Wößmann: Öffentlich würde sich noch kaum ein Politiker zu Studiengebühren bekennen, zu groß ist die Angst, Wähler zu verlieren. Doch wenn ich Gespräche führe, erlebe ich bei Politikern aller Parteien große Offenheit. Die Konservativen waren schon immer für Gebühren, doch auch die linken Parteien sehen, wie ungerecht es ist, wenn das Studium verschenkt wird. Mit dem Ende des Kooperationsverbots im Hochschulbereich ist es für Bund und Länder viel einfacher geworden, ein gutes Modell einzuführen: Die Länder führen die Gebühren ein, der Bund übernimmt Finanzierung und Rückzahlung.

© ZEIT Online (Link zum Originalartikel)

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