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Mit der Zahnbürste mitten ins Herz

Brüderlich geteilt

"Als meine Schulfreunde A., M., F. und V. mich vor dem ersten Semester fragten, ob ich mit ihnen eine WG gründen möchte, zeigte ich ihnen den Vogel: So charakterlich verschieden wie diese vier waren, würde das nicht lange gutgehen – und ganz sicher würde ich nicht ihre Putzfrau spielen. Stattdessen mietete ich mir ein kleines Apartment, in dem ich abends meine Ruhe hatte und niemandem hinterherräumen musste. In der WG schaute ich natürlich trotzdem regelmäßig vorbei: Bei all den neuen Eindrücken, die man als Ersti sammelt, war es schon ganz nett, jemanden zum Reden zu haben, der einen schon seit Urzeiten kannte. Und weil der Weg von der Party aufs WG-Sofa kürzer war als zu mir nach Hause, verbrachte ich dort auch des Öfteren meine Nächte. Nachdem ich einige Male nach spontanen Übernachtungen morgens ohne Zähneputzen aus dem Haus gehen musste, deponierte ich schließlich sogar eine eigene Zahnbürste im WG-Bad.

Zahnbürsten [Quelle: pixabay.com, PDPics]

Ein paar Tage später, nachdem ich wieder eine Nacht in der WG geschlafen hatte, traf ich morgens im Bad auf M. – der meine Zahnbürste im Mund hatte. Angewidert stellte ich ihn zur Rede; er verteidigte sich damit, dass die Zahnbürste schließlich in seinem Zahnputzbecher gestanden hätte. Ich hatte sie dort sicher nicht platziert (tatsächlich hatte ich sie in den Waschbeckenunterschrank gelegt), hatte aber auch keine Lust auf Diskussionen und so entsorgten wir sie einfach. Doch damit war die Sache nicht erledigt: Als wir später zu fünft zusammensaßen, brachte M. die Zahnbürstenepisode zur Sprache – eigentlich um seine Mitbewohner damit zu belustigen, wie sehr ich mich echauffiert hatte. Womit er nicht gerechnet hatte, war der entrüstete Ausruf von A.: "Das war MEINE Zahnbürste!" Und F.: "Ihr meint schon die grüne Zahnbürste, oder?" – "Nein, die blaue!" – "Aber das war meine?!" Tatsächlich stellte sich heraus, dass JEDER der vier WG-Bewohner meine Zahnbürste für seine eigene gehalten und sich damit die Zähne geputzt hatte. Für meine Entscheidung, nicht in diese WG zu ziehen, konnte ich mir nach dieser Aktion nur auf die Schulter klopfen. Meine Kumpels benutzen seither übrigens ein festgelegtes Farbcodierungssystem, denn bei aller Freundschaft: Eine gemeinsame Zahnbürste ist dann doch zu intim."

Der Amerikanische Traum

"Amerikanische Soldaten hatte ich auch schon immer als trinkfreudig eingeschätzt. Was aber bei unserer WG-Party im letzten Winter vor sich ging, übertraf dann doch meine Erwartungen.

Meine Mitbewohnerin hat seit jeher ein Faible für amerikanische Männer und freute sich daher sehr, als ihr damaliger Freund fünf Army-Kollegen mitbrachte. Einer davon, den alle halb freundschaftlich, halb spöttisch "Tool" nannten, tat sich schnell als besonders emsiger Schluckspecht hervor. Im Gegensatz zu seinen anderen Army-Kollegen legte er keinen besonders großen Wert auf das Kennenlernen der anderen Gäste, sondern machte nach kurzer Inspektion der Räumlichkeiten die Bar als seinen Lieblingsplatz in unserer WG aus.

Während der Alkoholpegel bei der Allgemeinheit langsam, aber stetig anstieg, schien uns "Tool" stets einen Schritt voraus zu sein. Bereits nach einer Stunde hatte er ein bemerkenswertes Level erreicht, das jeden Darsteller der "Kenn-Dein-Limit"-Kampagne neben ihm als spießigen Alkohol-Verweigerer erscheinen hätte lassen.

Bitte nicht pinkeln [Quelle: pixabay.com, patsasha]

Kurz darauf erzählte "Tool" plötzlich stark lallend eine ziemlich verstörende Geschichte aus seiner Zeit in Afghanistan, mit der er die ausgelassene Stimmung etwas trübte. Nur um kurze Zeit später wieder das Thema zu wechseln und sein Glück bei der anwesenden Damenwelt zu versuchen. Als dies dann doch recht kläglich scheiterte, beschloss "Tool", dass Alkohol ein unkomplizierterer Zeitvertreib war, und schüttete weiter wahlweise Cuba Libre oder Jägermeister in sich hinein.

An einem gewissen Punkt musste er sich erleichtern und steuerte die Toilette an. Aber statt ganz altmodisch in das Badezimmer hineinzugehen, erschien es ihm einleuchtender, zwei unnötige Schritte einzusparen. So öffnete er seine Hose einfach vor dem Toiletteneingang. Fatalerweise hatte niemand in dieser Sekunde "Tool" im Blick, sodass er zufrieden grinsend anfing, auf den WG-Flur zu urinieren und die Hälfte der Schuhpaare – überwiegend der anwesenden Mädels – zu bewässern. Als sein kleiner Pinkel-Coup auffiel, war die Empörung groß. Nachdem er einen lautstarken Anschiss von seinen Army-Kollegen erhalten hatte, der vermutlich sogar zu seinem umnachteten Gehirn durchdringen musste, wurde er von versammelter Mannschaft beobachtet, wie er mit gröbster Motorik versuchte, seine Hinterlassenschaft wegzuputzen.

Anschließend dezimierte sich die Party-Gesellschaft um die amerikanischen Gäste, die leicht säuerlich den verwunderten "Tool" heimbrachten. Er konnte nicht verstehen, warum seine lustige Einlage auf so wenig Gegenliebe gestoßen war.

Zur nächsten WG-Party wurde "Tool" nicht mehr eingeladen."

WG fürs Herz
Pärchen [Quelle: pixabay.com, 597388]

"Als mir mein Mitbewohner verkündete, dass er für zehn Monate nach Kolumbien geht und deswegen einen Zwischenmieter für sein Zimmer sucht, war ich wenig begeistert. Ich hatte keine Lust, irgendwelche fremden Leute in meiner Bude zu haben, von denen man nie weiß, wie man mit ihnen zurechtkommt. Als mein WG-Genosse mir dann verkündete, dass er schon Ersatz gefunden hat, "ein Kumpel eines Kumpels", schienen sich meine schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen: Mein neuer Mittbewohner war ein Chaot ohne gleichen, hatte noch nie etwas von einem Putzplan gehört – wahrscheinlich, weil seine Musik alles übertönte – und hatte die Gabe, mich innerhalb weniger Minuten auf 180 bringen.

Wer ein Fan von RomComs ist, wird ahnen, was nun folgt: Nach ein paar Flaschen Wein führte eins zum anderen und plötzlich fand ich Mr X gar nicht mehr so nervig … Als schließlich mein ursprünglicher Mitbewohner aus dem Ausland wiedergekommen ist, habe ich ihm dann die frohe Botschaft verkündet, dass ich aus unserer WG ausziehen und mit Mr X zusammenzuziehen werde."

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