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Sieben neue Geschichten, die dir nur in einer WG passieren

WG, Zimmer, Raum [Quelle: unsplash.com, Autor: Stephen Di Donato]

Quelle: unsplash.com, Stephen Di Donato

30 Prozent der deutschen Studenten durchleben freiwillig oder unfreiwillig die Höhen und Tiefen des WG-Alltags. Was bleibt, sind Erinnerungen an skurrile, unappetitliche, furchterregende und doch l(i)ebenswerte Momente, die nur in Wohngemeinschaften möglich sind. Sieben Glanzpunkte hat die Redaktion von e-fellows.net zusammengetragen.

Nach mir die Sintflut!

Als die Fassade unserer Wohnung neu gestrichen wurde, blockierte ein Baugerüst unsere Zimmerfenster und wir konnten diese nicht komplett öffnen. Wir haben natürlich trotzdem versucht, regelmäßig zu lüften, und die Fenster einfach gekippt.
Eines Tages jedoch kam einer meiner Mitbewohner auf mich zu und meinte: "Hey, irgendwie riecht's hier total muffig!" Wir schauten nach, öffneten alle Türen, und siehe da: Im Zimmer meiner Mitbewohnerin war eine Wand komplett grün vor Schimmel – sie hatte uns nie etwas gesagt. Offensichtlich meinte sie, wenn Lüften nicht mehr so einfach möglich sei, sei es auch nicht mehr nötig.

Heimchen am Herd

Dass mein Mitbewohner allerlei Reptilien und Amphibien in Terrarien hielt, bereitete mir beim Einzug Bauchschmerzen. Dass mir kein blutrünstiges Schuppenmonster, sondern dessen Beute zum Verhängnis werden würden, hätte ich hingegen nicht gedacht. Eines Tages aber versäumte mein Mitbewohner es, die Plastikschale richtig zu schließen, in der er seine Heimchen hielt – lebendige große Fliegen, mit denen er seine Haustiere fütterte. Über Nacht brach eine Insektenplage biblischen Ausmaßes über uns herein.

Es erübrigt sich, zu sagen, dass eine konzertierte Fliegenklatschenaktion höchstens die Terrarienbewohner belustigte, die Heimchen aber völlig unbeeindruckt ließ. Wir mussten zur Ultima Ratio greifen: Wir ließen Rolf frei, das Chamäleon. Drei Tage lang hatte Rolf den Spaß seines Lebens und fraß sich durch die Wohnung. Am vierten Tag aber erblasste der Gute. Darmverschluss, diagnostizierte wenig später der Tierarzt. Wir wissen bis heute nicht, wie viel der Kammerjäger gekostet hätte – aber sehr viel teurer als Rolfs Behandlung hätte es nicht werden können.

Glühend heiße Mitbewohner

Interkulturelles Zusammenleben schlug mir nicht nur auf die Nerven, sondern auch auf die Ohren – zumindest ab dem Tag, an dem unser Vermieter die Rauchmelderpflicht umsetzte.

Da war einmal Li aus Taiwan, der sehr gerne sehr gut kochte, aber vermutlich – ich kann es nicht beurteilen – auf original taiwanesische Art zu Werke ging. Das funktionierte so: Man heize die leere Herdplatte auf höchster Stufe so lange vor, bis Küchenfliegen beim Überflug in der Luft verglühen. Dann stelle man eine handelsübliche Pfanne auf die Platte und warte, bis diese leer vor sich hin zu qualmen beginnt. Anschließend gebe man das Gargut hinein, entkomme mit einem Hechtsprung Fettspritzern, Dunst- und Qualmschwaden und suche umgehend Hilfe zum Ausschalten des in drei Sekunden verlässlich losschrillenden Feuermelders.

Außerdem war da noch Robert aus Florida, der ausschließlich von TK-Bistro-Baguette lebte, seine einseitige Ernährung aber durch raue Mengen an Whiskey und Zigaretten diversifizierte. Gesundheitsbewusst war er trotzdem, zumindest was Erkältungen und deren Vermeidung anging. Den deutschen Winter, also für ihn die Monate September bis Mai, fürchtete er wie der Teufel das Weihwasser. Auf dem Balkon rauchen? Gesundheitlich nicht zu verantworten. Immer wieder qualmte Robert gemütlich in der Küche und berief sich darauf, Google sage, ein Rauchmelder schlage nicht bei Zigarettenqualm an. Den regelmäßig eintretenden empirischen Gegenbeweis ignorierte er.

Tausche Sex gegen Fernseher

Es gab einmal eine Zeit, da waren Fernseher noch teuer. Ich lebte als armer Student in einem Wohnheim. Eines Tages schleppte mein Zimmernachbar, ein Palästinenser im Auslandsjahr, ein neues Fernsehgerät an: eine teure Marke, riesengroß, und dazu noch mit passendem Receiver, um auch ausländische Kanäle zu empfangen.

Verdutzt fragte ich ihn, wo er das Geld für diese teure Technik denn herhabe. Mein Mitbewohner druckste ein wenig herum und erzählte mir dann von seinem Nebenjob: Abends beglücke er im Adamskostüm ältere Damen, die einen solchen Service am "freien Markt", wie er das nannte, nicht mehr erhalten würden. Auf mein völlig verblüfftes Gesicht hin meinte er, es sei doch ein guter Dienst am Menschen. Trotzdem war ich froh, dass er seinen Geschäften nicht bei uns im dünnwandigen Wohnheim nachging.

Die spinnen, die Spinnen!

In meiner allerersten WG lebte ein Biologiedoktorand – ein sehr sympathischer Kerl, der grundsätzlich erst nach 12 Uhr aus den Federn gekrochen kam und eine nicht zu leugnende Vorliebe für Spinnen hegte. Er hatte Glück, denn wir lebten im Erdgeschoss, sodass seine achtbeinigen Freunde keinen weiten Weg zu uns hatten. Jedes Mal, wenn bei uns wieder eine Spinne über die Wand huschte und wir schon unsere Pantoffel zückten, sprang er auf und rief: "Neeeein! Die dürft ihr nicht umbringen! Die ist ganz selten, die steht unter Naturschutz!" Dann stürmte er zu seinem Computer, googelte den Namen der Spinne und erklärte uns ausführlich, was genau diese Spinne von ihren Artgenossen unterschied. Nach der Minivorlesung war in der Regel von der Spinne nichts mehr zu sehen. Mein Mitbewohner freute sich über den neuen WG-Genossen, während wir nächtliche Mordpläne schmiedeten. Sehr zum Leidwesen der Spinnen nämlich sprang der Funke bei uns nie so richtig über.

Das Tier in dir

Mein erster Mitbewohner 2001 war ein Hipster, noch bevor man in Berlin auch nur das Wort dafür kannte: ein kleiner, schmächtiger Typ mit Musketierbärtchen, glasigem Blick und leiser Stimme. Seine Langzeitfreundin war genauso lahm wie er: Jeden Abend saßen sie zusammen in unserer Küche und sahen sich Bildbände von antiken Tapeten an. Nach einem Semester aber schien ihr nach einem echten Tapetenwechsel zumute zu sein – jedenfalls begann sie eine Beziehung mit einem Nachbarn von uns, einem dreißigjährigen Nepalesen. Als die Sache aufflog, erlebte ich meinen tiefenentspannten Tapetenfreund zum allerersten Mal in so etwas wie Aufregung. Mehr als mich überraschte die Gefühlswallung aber wohl ihn selbst. Jedenfalls steigerte er sich so in seine Wut hinein, dass er nach zwei Stunden – nun völlig in Rage – all unser Geschirr an die Wand schmiss. Stille Wasser gründen tief: An diesen Spruch glaube ich seit jener Nacht.

Hier piept’s doch!

Anders als erwartet waren das lauteste an Spanien weder rauschende Flamenco-Abende noch eine lärmige Tapas-Bar vor der Haustür, sondern mein gefiederter Mitbewohner. Richtig gehört! In meiner WG in Almería lebte ich nämlich zusammen mit zwei anderen deutschen Mädels – und Alex, dem tierlieben Spanier. Er adoptierte gern alle möglichen Pflegefälle und brachte sie bei seiner Mutter unter. Eines Tages aber beschloss er, einen zerzausten Baby-Wellensittich bei uns aufzuziehen. Unsere Meinung war nicht gefragt – und so kamen wir zu unserem WG-Haustier.

In den ersten Tagen zeigte Alex großen Elan, seinen Piepmatz mit einer Spritze aus der Apotheke aufzupäppeln. Nach ein paar Wochen aber schlich sich der alte Schlendrian wieder ein und Alex schlief bis vier Uhr nachmittags, während sich sein gefiederter Freund vor Hunger die Seele aus dem Leib schrie. Das Tier füttern durfte nämlich nur mein Mitbewohner persönlich. Hinzu kamen die Flecken, die der Sittich bei seinen Ausflügen hinterließ und die Alex "nicht auffielen". Wie gut wir es trotz Tretminen und Tinnitus mit dem Vogel getroffen hatten, wurde mir erst klar, als wir schon nicht mehr zusammenwohnten. Da erfuhr ich nämlich, dass Alex seine tierische Familie erweitert hatte – um ein Stinktier. Auf die Frage, ob dies denn seiner neuen Mitbewohnerin nichts ausmache, meinte er nur, er habe sie nicht gefragt. Aber sie sei Peruanerin, und Stinktiere kämen ja bekanntlich aus Peru.

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Schon 2017 haben wir sechs verrückte WG-Anekdoten gesammelt. Hier geht’s zu Teil 1 unserer Geschichten, die dir nur in einer WG passieren.

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