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Stell dir vor es gibt Rankings und keiner macht mit

Ranking (Quelle: freeimages.com, Autor: cobrasoft)

Quelle: freeimages.com, cobrasoft

Hochschul-Rankings wollen aufzeigen, welche Unis die besten sind. Doch wieviel Objektivität steckt in ihnen? Es gibt Kritik an den Vergleichen – schmücken sich die Elite-Schmieden mit falschen Federn? Manche Forscher rufen gar zum Boykott der Rankings auf. Ein Überblick über die Entwicklung der Hochschul-Ranglisten und die Kritik an ihnen.

Die Tendenz, sich mit anderen messen zu wollen, ist Teil der menschlichen Natur. Ob in der Schule, beim Sport oder in Wettbewerben: Wo Menschen miteinander konkurrieren, wird bewertet und verglichen. Auch Universitäten sind davon betroffen. In immer mehr Rankings mit jährlich wechselnden Methoden treten die Hochschulen gegeneinander an. Doch das war nicht immer so: In der jahrhundertealten Geschichte der Hochschulbildung sind die offiziellen Vergleiche ein junges Phänomen – und sorgen für hitzige Debatten.

Männer der Wissenschaft

Die modernen Rankings gehen zurück auf James McKeen Cattell, einen amerikanischen Psychologen. 1906 läutete er mit American Men of Science das Zeitalter der Wissenschafts-Vergleiche ein. Doch anders als die heutigen Rankings  legte er seinen Fokus auf einzelne Wissenschaftler, nicht auf Hochschulen. In der ersten Ausgabe waren knapp 4.100 Personen aufgeführt, größtenteils aus den Naturwissenschaften; seither ist alle paar Jahre eine aktualisierte Version des Rankings erschienen.

Nach 1960 begann die nächste Phase der Ranking-Geschichte, und nationale Uni-Rankings wurden populär. Mit dem Erscheinen der U.S. News and World Report Best College Rankings standen erstmals auch die Interessen von Bachelor-Studenten im Fokus. Zahlreiche weitere nationale Ranglisten sind seither entstanden – auch in Deutschland.

Die Internationalisierung der Hochschul-Rankings

2003 machte das Academic Ranking of World Universities (ARWU) auch globale Uni-Vergleiche populär. Ursprünglich wurde das forschungslastige Ranking im Auftrag der chinesischen Regierung entwickelt, um die Position chinesischer Hochschulen in der weltweiten Forschungs-Landschaft einordnen zu können. Doch die Hochschul-Rangliste stieß auf enorme mediale Aufmerksamkeit –  davon waren die Autoren selbst am meisten überrascht.

Mittlerweile gibt es drei große Uni-Vergleiche. Neben dem ARWU-Ranking sind vor allem die QS World University Rankings (QS) und das Times Higher Education Thompson Reuters World University Ranking (THE) international anerkannt. Doch deutschen Unis liegen die internationalen Vergleiche nicht – sie belegen in allen drei Ranglisten schlechte Plätze. Im ARWU Ranking und im QS Ranking ist die TU München mit Platz 53 die beste deutsche Hochschule. In der Tabelle der Times ist mit der Ludwig-Maximilians-Universität München auf Platz 48 zumindest eine deutsche Uni unter den Top-50 vertreten.

Elite? Nein, danke!

Woran liegt das schlechte Abschneiden der Wissenschaftsnation Deutschland bei den Rankings? Es gibt viele Gründe. Zum Beispiel die Ranking-Methoden. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) kritisiert, dass Publikationen im Web of Science, einer Zitationsdatenbank, besonders hoch gewichtet werden – dadurch werden englischsprachige Hochschulen mit Fokus auf Naturwissenschaften bevorzugt. Auch wird kritisiert, dass die Leistungen von Forschungsinstituten wie der Frauenhofer Gesellschaft oder dem Max-Planck-Institut in vielen Rankings nicht den Hochschulen zugerechnet werden.

Diskussionen zum Thema "Rankings"

Der Elite-Gedanke spielt ebenfalls eine Rolle. Während es in den USA und im Vereinigten Königreich mit der Ivy League und der Russell Group Vereinigungen von "Elite"-Universitäten gibt, waren elitäre Bestrebungen in Deutschland lange Zeit verpönt. Erst mit Einführung der Exzellenzinitiative zeichnete sich hier langsam eine Wende ab. Die nationalen Vergleiche haben den Konkurrenzkampf zwischen den Hochschulen zumindest etwas angefacht -  es gab zwischenzeitlich zahlreiche nationale Rankings von diversen Medien, vom Spiegel über den Focus bis zur FAZ. Am bekanntesten ist jedoch das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), welches mehr als 30 Fächer separat betrachtet.

Nobelpreis im ersten Semester

Doch Kritik an den Hochschul-Vergleichen kommt nicht nur aus Deutschland. Was sind die Gründe dafür? Zum einen die Auswahl der Ranking-Kriterien. Beispielsweise werden Nobelpreise in vielen Rankings berücksichtigt. Dies mag teilweise relevant sein; aber sagt die Anzahl der Alumni einer Universität, die Jahrzehnte später – für ihre Forschungsarbeit an einer anderen Hochschule – einen Nobelpreis erhalten haben, etwas über die Ursprungs-Hochschule aus? Deshalb wird kritisiert, dass die Hochschule, an der Nobelpreisträger ihren ersten akademischen Abschluss gemacht haben, von der Preisverleihung im Ranking profitiert: Denn niemand bekommt einen Nobelpreis für exzellente Klausuren im ersten Semester.

Zwar bekommt die Hochschule, an der ein Nobelpreisträger zum Zeitpunkt der Verleihung lehrt, ebenfalls Punkte im Ranking. Aber auch diese Methode ist nicht frei von Kritik. Ein Beispiel: Zwischen 1997 und 2006 wurden 22 Personen mit einem Nobelpreis im Bereich Medizin/Physiologie ausgezeichnet. Doch eine Analyse kam zu einem erschreckenden Ergebnis: In nur sieben Fällen wurde der Preis der richtigen Universität zugeordnet. In den restlichen 15 Fällen erledigten die Forscher die Arbeit, für die sie ausgezeichnet wurden, an einer anderen Hochschule als der, an der sie zur Zeit der Verleihung tätig waren. Im ARWU-Ranking wurde der Preis jedoch der Hochschule, an der die Wissenschaftler zum Zeitpunkt der Vergabe gearbeitet haben, zugeordnet.

Sind denn die Reputations-Befragungen, eines der Fundamente der meisten Rankings, sinnvoller? Wenn Akademiker nach ihrer Einschätzung gefragt werden, welche Hochschulen sie für die besten halten, gibt es zwei Probleme. Erstens ist diese Einschätzung nicht zwangsläufig objektiv. Zweitens wird oft angemerkt, dass durch die Rankings eine sich selbsterfüllende Prophezeiung entsteht: Entweder sind die Hochschulrankings bedeutungslos, dann bräuchte man sie nicht. Oder aber sie sind es nicht – dann ist zu erwarten, dass sie die Einschätzung der Akademiker beeinflussen. Im Ergebnis werden gerade die Unis besonders gut eingeschätzt, die laut Rankings besonders gut sind.

Außerdem ist es schwerer, ganze Unis zu bewerten, als lediglich die einzelnen Fächer an einer Uni. Naturwissenschaften sind in den meisten Rankings am stärksten gewichtet. Aber nicht jede Uni, die in den MINT-Fächern besondere Stärken hat, bildet deswegen auch gute Juristen aus. Im Gegenzug schneiden Hochschulen ohne Naturwissenschaften besonders schlecht ab. Ein bekanntes Beispiel ist die London School of Economics, die sich auf Sozialwissenschaften beschränkt, und, obwohl sie darin zu den besten Unis der Welt gehört, keine Spitzen-Plätze in generellen Hochschul-Vergleichen belegt.

Ein weiteres Problem: Wer die Gewichtung der Ranking-Kriterien nur leicht variiert, verändert dadurch die ganze Ranking-Tabelle. Bereits 1977 kritisierte das National Opinion Research Institute, dass die Gewichtung der Kriterien im U.S. News and World Report mehr oder weniger willkürlich ist. Seither muss sich praktisch jedes Ranking derselben Kritik aussetzen.

Stell dir vor es gibt Rankings und keiner macht mit

Nicht immer belassen es die Kritiker dabei, auf die Schwächen der Rankings hinzuweisen. 300 Wissenschaftler haben sich 2012 dazu entschieden, das Handelsblatt-Ranking BWL zu boykottieren. Als Gründe nannten sie unter anderem methodische Mängel und falsche Anreize.

Doch helfen solche Boykott-Aktionen wirklich? Trotz aller berechtigten Kritik können Rankings eine nützliche Funktion übernehmen. Wer vor einer Studien-Entscheidung steht, kann sich an den Rankings zunächst einmal orientieren: Bei geschätzten 17.000 Hochschulen weltweit ist solch eine Vorauswahl sicherlich hilfreich.

 

Außerdem gibt es den Trend, dass immer mehr Uni-Vergleiche auch einzelne Fächer - und nicht nur ganze Hochschulen - berücksichtigen. In einigen Rankings, zum Beispiel im CHE Hochschulranking, kann man selbst auswählen, welche Kriterien einem wichtig sind. So gibt es nicht mehr nur generelle Rankings, sondern auch individuelle. Wer Wert auf eine große Bibliothek und kleine Klassen legt, kann die Hochschulen danach sortieren.

Schließlich sollte man trotz aller Kritik bedenken: Rankings erfüllen einen wichtigen Zweck – und sie sind gefragt. Der erste große internationale Vergleich, das Academic Ranking of World Universities, gelangte praktisch von alleine zu weltweiter Aufmerksamkeit. Dass sich Hochschulen voneinander unterscheiden, ist unbestritten. Dass es legitim ist, diese Unterschiede in irgendeiner Form zu messen, ist ein gutes Anliegen. Nur die Kriterien, nach denen man gehen sollte – darüber lässt sich streiten.

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