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"Schlaf ist der neue Schwanzvergleich."

Schlafen Mädchen Schlaf Bett [Quelle: unsplash.com, Kinga Cichewicz]

Quelle: unsplash.com, Kinga Cichewicz

Nur Loser sind ausgeschlafen: Wir Deutschen haben ein seltsames Verhältnis zu unserem Schlaf, findet Autorin Katharina Kunzmann. Ein Interview über Schwanzduelle, Einschlafkiller und den richtigen Partner fürs Bett.

Hallo Katharina, hast du heute gut geschlafen?

Ja, das habe ich – vielen Dank. Einziger Unterschied war, dass ich heute einen Termin in der Früh hatte und mir einen Wecker stellen musste. Da ich selbstständig bin, gönne ich mir sonst immer den Luxus und schlafe, bis ich von allein wach werde.

Lange schlafen – dieser Luxus mag für manche unanständig klingen. Fängt deshalb dein Buch "Ab ins Bett!" mit dem Satz an: "Schlaf ist der neue Schwanzvergleich."

Dieser Satz ist natürlich absichtlich provokant, aber ich denke, er veranschaulicht es ganz gut. Der Unterschied beim "Schlaf-Schwanzvergleich" ist nur, dass wir nicht mit dem Längsten, sondern mit dem Kürzeren prahlen. Wer möglichst wenig Zeit mit Schlaf verplempert hat und, statt zu ruhen, viel gearbeitet hat, gewinnt das Schwanzduell. Dieses Bild zeigt ganz eindringlich, wie absurd das Ringen darum ist, wer sich leidenschaftlicher opfert.

Haben wir Deutschen im internationalen Vergleich eigentlich den kürzesten ... Schlaf?

Wir sind, je nach Untersuchung, meist im Mittelfeld. Den kürzesten haben fast immer Japaner.

Sollten wir, anstatt zu Schlafmützen zu werden, uns nicht lieber ein Beispiel an den Japanern nehmen? Wer weniger schläft, hat schließlich mehr Zeit, um produktiv zu sein.

Da muss ich dir wiedersprechen. Denn Japaner schlafen laut der amerikanischen National Sleep Foundation im Schnitt nur 6 Stunden und 22 Minuten, ein Negativ-Rekord. Vor lauter Müdigkeit können sie oft kaum die Augen offenhalten und schlafen zum Beispiel in der U-Bahn.

Schlafende Menschen in der Öffentlichkeit sind in Japan normaler als hierzulande. Und das hat zwei Gründe: Erstens weil hart und lang gearbeitet wird, und zweitens weil Schlafen in der Öffentlichkeit nicht so verpönt ist wie bei uns. Letzteres könnten wir uns durchaus von Japan abschauen – aber bitte nicht zum Preis eines "Nicht-Schlaf-Rekords".

Uns könnte also eine Extraprise Schlaf guttun?

Schlafforscher sind sich recht einig darüber, dass die Deutschen im Schnitt zu wenig schlafen und wir eine übermüdete Gesellschaft haben. Daher sage ich beherzt "Ja" zur Extraprise Schlaf.

Aber wie geht das? Müssen wir wieder lernen, richtig zu schlafen?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, vor allem nicht in ein paar Sätzen. Ich habe dazu ein ganzes Buch geschrieben. Im Kern ist es besonders wichtig, dass wir Schlaf wieder als etwas Wertvolles und Schätzenswertes begreifen müssen. Aktuell wird er von unserer Lebensweise massiv angegriffen. Damit schaden wir uns auf lange Sicht jedoch selbst. Daher sollten wir ihn wieder lieben lernen, wertschätzen und auf guten Schlaf achten.

Schlafen lieben lernen heißt auch, uns die Nachtruhe so angenehm wie möglich zu machen. Was sind die typischen Einschlafkiller und wie können wir sie überlisten?

Die größten Einschlafkiller sind aktuell die hellen Bildschirme unserer Handys und Laptops. Unsere Augen nehmen ihr Licht als blaues Licht war. Dieses blaue Licht signalisiert unserem Gehirn, dass gerade Tag ist. Entsprechend werden keine Schlafhormone gebildet, wir werden nicht müde, hängen noch länger am Smartphone – und kommen so in einen schlaflosen Teufelskreis.

Daher lauten meine Tipps: am Abend die Helligkeit der Bildschirme senken, Blau-Filter-Apps aktivieren oder sogar eine Blau-Filter-Brille aufsetzen. Später – mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen – endgültig weg mit allen Bildschirmen. Keine Mails und News mehr lesen, kein Instagram und Facebook checken, kein Netflix.

Vielleicht klinge ich jetzt wie ein Spielverderber – es fällt mir auch selbst nicht leicht, aufs Handy zu verzichten. Aber Smartphone und Laptop sind wirklich üble Gegenspieler für erholsamen Schlaf. Also beißt man für eine gute Nacht schon mal in den sauren Apfel ...

Dabei gibt es doch fürs Smartphone allerhand Schlaf-Apps.

Es gibt ganz unterschiedliche. Beispielsweise Apps, die beruhigende Geräusche abspielen oder den Nutzer durch eine Entspannungstechnik führen. Aber du meinst vermutlich Schlaf-Tracking-Apps, oder? Also Apps, die die Qualität und Quantität unseres Schlafs messen und aufzeichnen. Diese halte ich für eine spannende Spielerei. Sie geben interessante Einblicke, aber man darf sich nicht blind auf die Ergebnisse verlassen oder gar eine medizinische Therapie daraus ableiten.

Nur zum Vergleich: Eine App kostet etwa 2,99 Euro. Im Schlaflabor vermessen Ärzte den Schlaf mit Geräten, die Zehntausende Euros kosten. Da ist wahrscheinlich schnell klar, dass Apps eher eine Spielerei sind, wenn auch eine sehr interessante.

Interessant wird es auch, wenn man nicht allein, sondern miteinander schläft. Vor allem, wenn der Partner schnarcht. Hast du Tipps für Schnarcher?

Zwei Risikofaktoren, die Schnarchen begünstigen, kann man selbst beeinflussen: Übergewicht und Alkohol. Daher abnehmen und keinen Alkohol trinken. Alkohol lockert nämlich nicht nur den Geist und die Zunge, sondern auch die Muskulatur – was das Schnarchen verstärkt.

Also sind Asketen vielleicht besser im Bett. Für dein Buch bist du auf weitere interessante Aspekte über den Schlaf gestoßen. Welcher hat dich am meisten fasziniert?

Staunend, mit offenem Mund, habe ich den Erzählungen des Astronauten Reinhold Ewald gelauscht. Er hat mir erzählt, wie es ist, in der Schwerelosigkeit zu schlafen. Absolut faszinierend! Im All schnarcht laut Ewald übrigens auch keiner. Neben Asketen sind also auch Astronauten gute Bettnachbarn – allerdings nur im All. Das macht es ein wenig kompliziert.

In der Schwerelosigkeit schlummert man sicher schnell ein. Mir hat damals ein Kommilitone erzählt, er schläft in der Vorlesung schnell ein. Wann nickst du sofort ein?

Im Bus fallen mir immer gleich die Augen zu. Das leichte Ruckeln und monotone Surren des Motors scheint mich zu beruhigen.

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