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Wenn nicht nur dein Wissen geprüft wird

Quelle: unsplash.com, Ayo Ogunseinde

Der Albtraum jedes Studenten: Während einer Prüfung verhältst du dich vor lauter Nervosität einfach nur peinlich oder es passiert etwas völlig Überraschendes. Wir haben Geschichten gesammelt, bei denen das Super-Fail eingetreten ist. Die Betroffenen bleiben lieber anonym – das wirst du sicher verstehen, wenn du diese Prüfungserlebnisse liest.

Besuch von Tante Rosa

Ich habe mein Abitur – die Matura – in Polen geschrieben: In meinem Heimatland ist es Tradition, dass sich die Schüler dafür besonders schick anziehen. An meinem ersten Prüfungstag hatte ich eine Klausur in Polnisch. Ich bin um 9 Uhr morgens in meinem besten Outfit erschienen: ein Blazer und dazu ein beiger knielanger Rock. 

Schon in der Früh hatte ich furchtbare Bauchschmerzen: Ist sicher der Prüfungsstress, dachte ich. Während der Polnischklausur sind die Schmerzen aber nicht verschwunden. Im Gegenteil: Plötzlich habe ich auch noch angefangen zu schwitzen.

Während der Prüfung habe ich gemerkt, dass ich auf der Sitzfläche meines Stuhls herumrutsche. Komisch ... So stark habe ich nun auch wieder nicht geschwitzt. Ich gucke nach unten: Auf der Sitzfläche breitet sich eine kleine Pfütze aus, auf meinem schönen Rock ist ein roter Fleck. Ich habe meine Tage!

Die Klausur hat noch ungefähr eineinhalb Stunden gedauert. Ich hätte meinen Aufsatz früher abgeben können. Stattdessen habe ich gewartet, bis die anderen 150 Schüler den Prüfungssaal verlassen haben. Gebracht hat das nichts. An meiner Schule haben genug Leute gemerkt, was passiert ist.     

Mein Abi habe ich übrigens bestanden. Was ich an dem Tag eigentlich geschrieben habe, weiß ich allerdings bis heute nicht.   

Datenanalyse meets Diarrhö

Statistik war nie meine Stärke. Gelinde gesagt. Alle Nachhilfelehrer versagten, ich schleppte mich trotzdem zur Klausur. Ein Blick auf den Fragebogen reichte für Herzrasen und Schnappatmung. Dann die Wahnsinnsidee, in ein oder zwei Unklarheiten nochmal beim Dozenten nachzuhaken. Aber wenn Ahnungslosigkeit auf Atemnot trifft, ist es um meine Artikulationsfähigkeit meist schlecht bestellt.

Was ich genau fragte oder fragen wollte, weiß ich nicht mehr. Die Antwort des Dozenten aber werde ich nie vergessen. "Ja, ich habe auch manchmal Durchfall." Und ja, sein Mikrofon war an.

Fake it ‘til you make it. Not.

Bei der Vorbereitung auf mein Geschichtskolloquium hatte ich etwas gepokert und manche Themenbereiche einfach nicht gelernt. Die Strategie schien zunächst aufzugehen: Auf die meisten Fragen konnte ich gut antworten.

Doch dann kam die letzte Frage zu einem Gebiet, auf das ich mich überhaupt nicht vorbereitet hatte. Ich versuchte, meine grauen Zellen zu animieren – vergebens. Letztendlich beschloss ich, es einfach mal mit der "fake it ‘til you make it"-Methode zu versuchen. Also begann ich, voller Inbrunst mit irgendwelchen Daten und Fakten um mich zu werfen.

Das Resultat: Ein Lachkrampf meiner beiden Prüfer. Ihr Kommentar: "Das ist das komplette Gegenteil von dem, was wir Sie gefragt haben!" Meine Lehrer lachten mich aus. Während meiner Abiprüfung. Geht’s noch peinlicher?

Ich würde ja gerne sagen: Lektion gelernt. Dann müsste ich allerdings eine mündliche Prüfung ein paar Jahre später verschweigen, zu einem Buch, das ich nie gelesen hatte …

Ich bin so klug – K-L-U-K!

Eine Klausur in Sprachwissenschaft, genauer gesagt: Altspanisch. Ich sollte erläutern, wie sich die Rechtschreibung im Spanischen über die Jahrhunderte geändert hat.

In der Prüfung war ich entspannt. Die Woche zuvor hatte ich den Stoff durchgepaukt. In der Klausur habe mit meinem Expertenwissen geglänzt.

Das einzige Problem: Ich bin ein echter Klugscheißer, das muss ich zugeben. Das Wort "Rechtschreibung" in meiner Klausur zu verwenden, war mir einfach zu billig. Stattdessen habe ich immer ganz schlaumeiermäßig "Orthografie" geschrieben. Als ich die Klausur zurückbekommen habe, habe ich die Korrekturen des Dozenten gesehen: Ich habe das Wort "Orthografie" ungefähr zehnmal falsch geschrieben ...

So ein Feler passiert mir heute nicht mehr! 

Nachhallender Nieser

Es war eine Statistik-Prüfung im Wintersemester. Die Klausur war berüchtigt für ihre hohe Durchfallquote, also hatte ich das ganze Semester wie ein Verrückter darauf gelernt.

Eine Woche davor erwischte mich die alljährliche Erkältung.

Ausgerüstet mit Nasenspray, Aspirin und einer Container-Ladung Taschentücher schleppte ich mich am Prüfungstag zur Uni. Unter keinen Umständen wollte ich die Klausur nachschreiben.

Schon den ganzen Morgen über musste ich ständig niesen und schnäuzen – was während der Klausur natürlich nicht besser wurde. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sehr ich meine Kommilitonen und die Prüfer damit genervt habe.

Mitten in der Klausur bahnte sich ein gewaltiger Nieser an, den ich gerade noch verhalten konnte. Das darauffolgende Geräusch leider nicht.

Ein mächtiger Furz knatterte durch die Prüfungsstille des Hörsaals.

Ich hörte das laute Lachen von allen Studenten um mich herum. Ob mich auch alle angestarrt haben, weiß ich nicht, denn meinen Blick habe ich von da an starr auf das Blatt vor mir gerichtet.

Die Prüfung habe ich nicht bestanden. Ich wäre also besser zu Hause geblieben und hätte mir so die schlimmste Peinlichkeit meines Studiums ersparen können.

Der Druck war zu groß

Ich habe immer übles Lampenfieber, wenn ich eine Präsentation halten muss. In meinem Studiengang Kommunikationsdesign musste ich ein Referat zum Thema "Bauhaus" halten. Drei Wochen lang habe ich meinen Vortrag von vorne bis hinten geprobt.

Kurz vor der Präsentation war ich trotzdem mega angespannt. Ich habe versucht, meine Nervosität mit zwei großen Tassen Kaffee und einem halben Liter Wasser runterzuspülen. Der Druck auf meiner Blase war unerträglich, doch die einzige Toilette an meiner Uni war kaputt.

Während des Vortags ist es dann passiert: Ich habe mich versprochen – und das auch noch bei dem einfachen Wort "Bauhaus"! In meiner Panik habe ich nur noch gemerkt, wie sich auf meiner Hose ein feuchter Fleck ausbreitet.

Hinten im Auditorium ist leichtes Gelächter ausgebrochen, die Dozentin hat meinen Vortrag unterbrochen. Der Rest des Tages ist aus meinem Gedächtnis gelöscht.   

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