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Survival of the meanest?

Konkurrenz, Ehrgeiz [Quelle: unsplash.com, Jon Tyson]

Quelle: unsplash.com, Jon Tyson

Was ist dran an den Geschichten von versteckten Büchern, sabotierten Hausarbeiten und noch schärferen Geschützen? Wir haben uns bei den e-fellows und anderen Studenten umgehört, wie es bei ihnen an der Uni zugeht.

"Konkurrenz" (aus dem Lateinischen, concurrere = wettstreiten) entsteht nach einer Definition von Robert Ricklefs immer dann, wenn ein Individuum eine begrenzt verfügbare Ressource nutzt und die Verfügbarkeit dieser Ressource dabei für ein anderes Individuum verringert wird. Obwohl Ricklefs als Ökologe vor allem Flora und Fauna im Blick hat, lässt sich dieser Ansatz auch auf den Lebensraum Universität übertragen. Die Aufmerksamkeit des Dozenten, die Arbeitsplätze in der Bibliothek, das teure Nachschlagewerk im Präsenzbestand – oder die Zahl derer, die sich zu den besten fünf Prozent eines Jahrgangs zählen dürfen: alles limitiert.

Und so versucht der ein oder andere Zeitgenosse, mit kleineren oder größeren Hinterhältigkeiten, seine Mitstudenten auszustechen. In einer Umfrage in der e-fellows.net community (n = 292) geben 78 Prozent der Teilnehmer an, dass Konkurrenz unter Kommilitonen für sie an der Uni kein Thema ist. Etwas mehr als jeder Fünfte wurde mit Konkurrenzdenken im Studium allerdings schon einmal konfrontiert.

Eine repräsentative Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) brachte vor einigen Jahren ähnliche Ergebnisse: Fast 70 Prozent der knapp 8.000 Befragten hatten persönlich keine oder wenig Schwierigkeiten mit Konkurrenz. 17 Prozent gaben dagegen an, mit der Konkurrenzsituation an der Uni Probleme zu haben.

Schlangengrube BWL- und Jurastudium?

Doch wie genau sieht es aus, wenn fiese Kommilitonen zur Höchstform auflaufen? In unserer Umfrage plauderten – ob zufällig oder nicht – vor allem Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler zur Konkurrenzfrage aus dem Nähkästchen.

"In meinem dualen Management-Studiengang an einer privaten FH wird man auf die Arbeit im öffentlichen Dienst vorbereitet. Eigentlich verstand sich unser kleiner Jahrgang ganz gut. Doch eine Studentin versuchte immer wieder, ihren Kommilitonen eins auszuwischen. Und das am Ende mit großem 'Erfolg': Als kurz vor Weihnachten in einer Veranstaltung die Anwesenheitsliste herumging, entdeckte A., dass bei S. unterschrieben war – obwohl S. nicht da war. A., die sich schon des Öfteren über die in ihren Augen nicht ausreichende Motivation unseres Jahrgangs beschwert hatte, gab der Studiengangsbetreuung einen Hinweis. Und erreichte damit, dass S. kein – bei entsprechenden Noten zugesichertes – Job-Angebot bekam. Außerdem muss S. nun 15.000 Euro Studiengebühren zurückbezahlen, die ansonsten vom Arbeitgeber übernommen worden wären. Klar, am Ende hat S. einen großen Fehler begangen. Sie bestreitet allerdings bis heute, dass sie jemanden aufgefordert hatte, für sie zu unterschreiben. Und wer auch immer in ihrem Namen unterschrieben hat, hat das bis heute nicht zugegeben. In jedem Fall hat mich die Bosheit von A. wirklich entsetzt. Wie man so bewusst jemanden ans Messer liefern kann, der einem nichts getan hat, ist mir komplett schleierhaft."
(Anonym BS)

"Ich habe definitiv extremes Konkurrenzverhalten in BWL erlebt. Zum Beispiel, dass notenrelevante Informationen und Tipps hinsichtlich einer Präsentation oder Gruppenarbeit bewusst nicht an (eigentlich befreundete) Kommilitonen weitergegeben wurden, obwohl man sich darüber unterhalten hatte."
(Anonym B)

"Ich habe während meiner Lehrstuhltätigkeit an einer großen juristischen Fakultät die Plagiatsgespräche geführt – sodass ich genau genommen nicht über meine Kommilitonen spreche, sondern über die Studenten, die gerade dort studieren. Während meiner Arbeit habe ich alles erlebt: Man hat sich an Außenseiter rangeschmissen, um deren Hausarbeit zu klauen, es wurden USB-Sticks in der Mittagspause aus dem Laptop gezogen und Hausarbeiten kopiert und vom Stick gelöscht und Cloud-Zugänge weitergegeben, um anderen den Zugriff auf die Hausarbeit zu ermöglichen. Versteckte Bücherstapel mit den gängigen Kommentaren und Lehrbüchern finde ich regelmäßig in dem Regal, in dem sich die relativ exotische Literatur befindet, die ich für meine Diss benötige. Rausgerissene Seiten aus Büchern kenne ich noch aus eigenen Studienzeiten. Noch schlimmer ist für mich aber das ganze Gelästere und Gemobbe, das ich so nebenbei mitbekomme, oder wenn ich selbst in der Bib sitze. Alles sehr schade."
(Anonym I)

"Aus meinem Jurastudium kann ich neben den schon genannten Gemeinheiten noch folgende Praktiken ergänzen: 'Fake-Korrekturleser', die die Arbeit weiterverkaufen, statt sie durchzulesen. Und das Streuen falscher Infos an 'Freunde'." (Anonym X)

"Ebenfalls Jura: Hausarbeitszeit. In der Bib gab es ein Fallbuch, welches dem Hausarbeitsfall fast 1:1 entsprach. Die Seiten, die die Lösung enthalten, wurden rausgerissen und Kopien davon für ziemlich großes Geld verkauft. Sowas habe ich aber auch nur bei deutschen Studenten erlebt. Im Ausland gab es eher eine Kultur des Helfens und Unterstützens."
(Anonym HX)

Kein Wunder also, wenn sich manch ein Abiturient vor Beginn des Studiums fragt, worauf er sich an der Uni zum Beispiel im Jurastudium gefasst machen muss. In der e-fellows.net community wollte ein angehender Ersti wissen: Sind die Jura-Kommilitonen wirklich so schlimm? Im Vergleich zur allgemeinen Umfrage zeigt sich hier tatsächlich ein leicht anderes Bild. Nur 33 Prozent der Teilnehmer unter den Juristen (n = 104) geben an, an der Uni kein unfaires Verhalten beobachtet zu haben. Knapp die Hälfte berichtet von vereinzelten unangenehmen Erlebnissen. Jeder fünfte Befragte findet, dass sich die Kommilitonen oft unfair verhalten.

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