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Für wen zahlt sich ein MBA aus?

Quelle: unsplash.com, Razvan Chisu

Zehntausende Euro, ein Jahr in Vollzeit oder länger in Teilzeit – das ist nötig für einen Master of Business Administration (MBA). Die Macher sind überzeugt von ihren Konzepten. Lohnt der Aufwand in Deutschland?

Drei Jahre Bachelor, dann zwei Jahre einen Master und anschließend der Berufseinstieg: So sieht die Musterkarriere für viele Studierende in Deutschland aus. Immer beliebter werden aber auch MBAs, nicht konsekutive Master-Programme in Management und BWL. Die Programme dauern ein bis zwei Jahre, können in Voll- oder in Teilzeit absolviert werden und richten sich vor allem an junge Menschen, die schon Berufserfahrung mitbringen.

Studieren kann man MBA-Programme vornehmlich an privaten Hochschulen, der Kostenfaktor beläuft sich auf mehrere zehntausend Euro - nach oben gibt es kein Limit. Die Investition lohnt sich bei manchen Programmen durchaus, davon ist Christine Menges, Leiterin des MBA-Karrierecenters der WHU Otto Beisheim School of Management in Düsseldorf, überzeugt. Ein Argument dafür ist die Gehaltssteigerung: Drei Jahre nach dem MBA hätten die Absolventen der WHU ihr Gehalt fast verdoppelt. Dafür müssen Studierende allerdings in Vorleistung tief in die Taschen greifen: 40 000 Euro kostet das einjährige MBA-Programm an der WHU. "Mittel- und langfristig zahlt sich das aus", sagt Menges.

Um zu entscheiden, ob sich ein MBA lohnt, ist es wichtig zu wissen, was die Programme ausmacht. Im Gegensatz zu einem klassischen Master sind sie eher generalistisch aufgestellt und wollen breitgefächertes Wissen in Betriebswirtschaftslehre vermitteln. Außerdem sind die Programme nicht konsekutiv - sie setzen also keine Grundlagen in Management oder einen Bachelor in BWL voraus. "Die Programme helfen dabei, sogenannte T-Kräfte auszubilden", erklärt Menges. Die senkrechte Linie des Ts steht dabei für Fachwissen. Das haben die Studierenden im Idealfall schon in einem anderen vorangehenden Studium erlangt. Die horizontale Linie soll dabei breitgefächerte Managementfähigkeiten darstellen. Also das, was in einem MBA vermittelt wird.

Diverse Gruppen und wertvolle Kontakte

Nicht nur das Programm ist anders als beim klassischen Master, sondern auch die Studierenden. "Die Gruppen sind viel diverser", sagt Martin Fassnacht, akademischer Direktor des MBA-Programms an der WHU. Studierende sind deutlich älter, an der WHU haben sie im Schnitt schon sechs Jahre Berufserfahrung, kommen aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Unternehmen. Von dieser Diversität profitierten die Studierenden stark.

Ursprünglich kommen MBAs aus den Vereinigten Staaten, in Deutschland sind sie noch immer die Ausnahme. Deutsche Arbeitgeber sind daher auch eher zögerlich. "In den anderen europäischen Ländern sind MBAs schon deutlich etablierter", erklärt Fassnacht. "Personaler sind sich hier häufig nicht richtig bewusst, was das ist. Das ist definitiv noch ausbaubar", ergänzt Kollegin Menges. Langsam könne sie aber auch beobachten, dass die Programme bekannter würden. Fassnacht erklärt sich die Zurückhaltung damit, dass viele deutsche Unternehmen sehr auf Tradition setzten und noch immer dem Diplom hinterhertrauerten.

Ob ein teurer MBA sinnvoll ist, hängt für Thomas Graf, Experte für MBAs und Gründer der Website MBA-Compass, erst einmal von den persönlichen Zielen ab. Nicht zu jedem Profil passe ein MBA. Bevor man sich dafür entscheide, sollte man überlegen, was die Motivation für ein weiteres Studium ist. Laut Graf gibt es verschiedene Situationen, in denen die persönlichen Ziele für einen MBA sprechen: wenn man sich deshalb erhoffe, auf der Karriereleiter aufzusteigen, wenn man in einer neuen Führungsrolle neue Kompetenzen benötigt, oder wenn man das eigene Profil für neue Tätigkeiten erweitern möchte. Bei großen Unternehmensberatungen sei ein MBA oder eine Promotion oft Voraussetzung dafür, weiter aufzusteigen. Zusätzlich könnten Gründerinnen und Gründer häufig vom Netzwerk profitieren, das ein MBA durch die enge Zusammenarbeit mit wirtschaftlichen Akteuren mit sich bringe.

Im Idealfall bringt ein MBA nach Ansicht von Graf drei Vorteile: Kompetenz, Netzwerk und Reputation. "Verschiedene Programme bringen das aber in unterschiedlicher Ausprägung, und nicht für jeden MBA-Studenten sind alle drei Vorteile relevant." Für Fassnacht kommen zu diesen Vorteilen noch Inspiration und Führungskompetenz hinzu.

Gerade in Zeiten der Corona-Krise hält Christine Menges einen MBA für sinnvoll: "Eine solche Weiterbildung hilft dabei, gestärkt aus der Krise zu kommen." Persönliche Weiterentwicklung und Anpassungsfähigkeit würden jetzt noch wichtiger als zuvor, um den immer komplexer werdenden Problemen zu begegnen. Fassnacht betont zudem die praktische Ausrichtung: Integrierte Unternehmensbesuche würden gelernte Inhalte direkt in der Praxis zeigen. "Ein MBA baut auch Kreativität und emotionale Intelligenz aus", sagt Menges.

Die Studierenden lernen im MBA zusammen in kleinen Gruppen und werden dabei von der Hochschule begleitet: "So eine enge Karriereberatung wie im WHU-MBA-Programm gibt es an Universitäten eher selten", sagt sie. Ein MBA sei vor allem dann interessant, wenn man im Ausland arbeiten wolle, denn internationale Arbeitgeber schätzten den Abschluss sehr.

Thomas Graf sieht allerdings auch, dass ein MBA-Programm zum Menschen passen muss: Wer keine Notwendigkeit sieht, ein Netzwerk auszubauen oder den Namen von großen Schulen nicht braucht, sondern vor allem sein Wissen erweitern wolle, sei unter Umständen in einem Master of Science besser aufgehoben. Fassnacht ergänzt, dass ein MBA auch für Menschen, die vor allem wissenschaftlich arbeiten wollten, vielleicht nicht die richtige Wahl sei.

Lieber generalistisch oder lieber mit Schwerpunkt?

Wenn man überzeugt ist, dass ein MBA das Richtige ist, dann steht man noch immer vor einer recht unübersichtlichen Auswahl an Angeboten. "Nicht jedes Programm bietet dieselbe Qualität", betont Fassnacht. "Viel entscheidender ist oft, wo man einen MBA gemacht hat." Für einen MBA sei die Reputation der Hochschule deutlich wichtiger als bei klassischen Studiengängen in Deutschland. Fassnacht rät, sich Orientierung durch Rankings zu verschaffen.

Thomas Graf hingegen betont die Wichtigkeit von internationalen Akkreditierungen. AMBA, EQUIS und AACSB - das sind die Gütesiegel, die international vertrauenswürdig sind. Um diese zu bekommen, spielt zum Beispiel eine Rolle, ob die Programme zu hundert Prozent auf Englisch angeboten werden oder wie praxisnah sie ausgerichtet sind. Abschlüsse von unbekannteren Hochschulen würden von einigen Unternehmen nicht anerkannt.

Ein wichtiger Aspekt für die Auswahl des MBAs ist, ob man dafür ins Ausland gehen will oder in Deutschland bleibt. So sind die Vereinigten Staaten beliebt, die Kosten für die Ausbildung aber um ein Vielfaches höher. Gleichzeitig muss man auf Internationalität auch in Deutschland nicht verzichten. Schließlich haben die meisten Programme einen hohen Anteil internationaler Studierender. Eine Frage, die sich beim Start eines MBAs immer stellt, ist die Finanzierung. Einige Unternehmen übernehmen die Kosten voll oder zum Teil, andere stellen dafür bezahlt frei. Da ein MBA ein weiterführendes Studium ist, kann man - sofern man selbst zahlen muss - die Kosten steuerlich absetzen.

Auch wenn MBAs weitgefächerte Kenntnisse vermitteln sollen, gibt es inzwischen auch Programme mit Schwerpunkten, zum Beispiel im Gesundheits- oder Logistikmanagement. "Am Anfang habe ich diese spezialisierten MBA-Programme kritisch gesehen", meint Graf, schließlich liege die Idee von MBAs eben nicht in Spezialisierung.

Inzwischen sieht er das aber positiver. Die Programme würden ebenfalls breitgefächertes Managementwissen vermitteln, sich aber im fortgeschrittenen Studium auf einen Fachbereich konzentrieren. Das könne zum Beispiel für eine Ärztin sinnvoll ein, die sich für das Gesundheitsmanagement qualifizieren will. Statt sich wie beim allgemeinen MBA vor allem mit Fallstudien von IT-Konzernen zu beschäftigen, bietet ein spezialisierter MBA in Healthcare Management das von ihr benötigte Wissen.

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