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"Eine wichtige Botschaft kommt wieder."

Traumfänger Himmel [Quelle: pexels.com]

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Hast du in letzter Zeit etwas geträumt? Vielleicht steckt dahinter eine Botschaft. Expertin Gabriele Lüttmer verrät im Interview, warum du dich mit deinen Träumen beschäftigen solltest und der Satz “Ich träume nie.“ nicht stimmt.

Frau Lüttmer, haben Sie gestern Nacht etwas Spannendes geträumt?

Leider nicht. Ich hatte tatsächlich darauf gehofft, um vor diesem Interview nochmal ein interessantes und frisches Traumbild zu haben, aber mein Unbewusstes hat sich leider nicht in der Lautstärke geäußert, wie ich es gerne gehabt hätte.

Da ich mich aber schon viele Jahre mit meinen Träumen beschäftige und deshalb aufmerksam in diese Richtung bin, weiß ich morgens fast immer, dass da etwas war, auch wenn ich mich nicht erinnere.

Einige von uns haben das Gefühl, nie zu träumen. Ist das wirklich möglich oder können wir uns nur nicht mehr an unsere Träume erinnern?

Wir träumen alle jede Nacht. Belegt haben das die Schlafforschung und die Neurowissenschaften, die mit ihren bildgebenden Verfahren nachsehen konnten, was im Gehirn geschieht während wir schlafen und welche Bereiche in der Traumphase berührt werden – während des sogenannten REM-Schlafes.

Das heißt alle Menschen, die sagen “Ich träume ja nicht.“, liegen nicht ganz richtig, denn sie träumen schon, können sich aber nicht daran erinnern.

Gibt es Themen, die besonders häufig in Träumen vorkommen? Viele Menschen träumen zum Beispiel von der Arbeit. Bedeutet das, wir arbeiten zu viel?

Es ist ganz normal, dass wir auch von der Arbeit träumen, da sie in unserem Leben einen Großteil unserer Zeit einnimmt und uns beschäftigt. Das muss nicht heißen, dass jemand zu viel arbeitet. Nur, wenn es uns gar nicht mehr loslässt und immer wiederkehrt, könnte es ein Zeichen von zu viel Arbeit sein.

Was noch ganz interessant ist, dass wir uns heutzutage in unseren Träumen oft mit dem Auto fortbewegen. Früher als es die modernen Fortbewegungsmittel noch nicht gab, war das natürlich nicht der Fall. Auch solche Entwicklungen fließen in unsere Träume mit ein.

Ansonsten sind Träume etwas sehr Individuelles und hängen immer vom jeweiligen Lebensumfeld des Menschen ab, deshalb kann man keine pauschale Aussage treffen.

Gibt es Methoden, mit denen ich “trainieren“ kann, mich besser an meine Träume zu erinnern?

Ja, auf alle Fälle. Wichtig ist erstmal dafür offen zu sein. Das heißt mir vor dem Einschlafen bewusst machen, dass ich mich erinnern möchte. Gut ist es auch, wenn am Morgen kein Wecker klingelt, sodass ich in Ruhe aufwachen kann und mir die Zeit gebe, mich zu erinnern.

Wenn ich morgens merke, da war irgendwas, kann es auch helfen, sich auf die Seite, auf der ich aufgewacht bin, zurückzulegen und noch einen Moment liegen zu bleiben. Ich nenne das für mich immer “mit geschlossenen Augen innerlich den Kescher ausfahren“. 

Auch sehr schön ist, entweder mit dem Partner oder einem Mitbewohner über die Träume zu sprechen. Das kann helfen, einzelne Bruchstücke zu einem Ganzen zusammenzufassen und die Erinnerung nicht zu verlieren. Alternativ kann ich das Ganze aufschreiben.

Auf der anderen Seite gibt es Träume, an die ich mich vielleicht gar nicht erinnern möchte. Haben Sie Tipps für all jene, die regelmäßig von Albträumen geplagt werden und dadurch keinen erholsamen Schlaf finden?

Hat ein Mensch aufgrund eines traumatischen Erlebnisses wiederholt Albträume oder generell ein kontinuierliches Albtraumerleben, das das Lebensgefühl und den Alltag beeinträchtigen, würde ich ihm raten, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Gehen wir aber von “normalen“ Albträumen aus, würde ich mich dem angstauslösenden Bild stellen, da dahinter eine konstruktive Botschaft stecken kann. Das heißt: Ich rufe mir das Gefühl in Erinnerung und versuche herauszufinden, ob ich dieses in bestimmten Situationen habe. Ich kann darüber auch mit einer vertrauten Person sprechen.

In der Traumarbeit gibt es auch eine Reihe guter Fragenkataloge. Ich kann nur empfehlen, sich immer fragend anzunähern. Ich habe selbst ein Merkblatt mit Fragen zum Traumgeschehen entworfen, die man sich selbst stellen kann.

Es soll sogenannte Klarträume geben, bei denen ich mir bewusst bin, dass ich träume. Kann ich lernen, meine Träume zu steuern?

Die Momente, in denen ich mir bewusst bin, dass ich träume sind tatsächlich selten. Es gibt aber mittlerweile viele Ratgeber und Kurse, um die Klartraumtechnik oder das sogenannte luzide Träumen zu lernen. Die Idee dabei ist, den Traum in eine bestimmte Richtung zu lenken. Ein wesentliches Element dieser Technik ist, sich im Laufe des Tages in unterschiedlichen Situationen immer wieder zu fragen: “Schlafe ich oder wache ich?“ Dadurch soll die Frage so sehr verinnerlicht werden, dass ich sie mir auch im Traum stelle.

Da ich einen anderen Ansatz verfolge, habe ich diese Methode selbst nicht ausprobiert. Ich glaube daran, dass es Wertvolles gibt, das uns unser Unbewusstes offenbaren will, wobei es gut ist, wenn es nicht von vorneherein zensiert ist. Unser Verstand glaubt ja gerne zu wissen, wie es richtig ist, aber das ist oft gar nicht so.

Ich habe gelesen, dass wir im Urlaub und bei Erholung intensiver träumen – eine Zeit, in der wenig im Alltag passiert. Woran liegt das?

Urlaub ist eine Zeit, die wir nicht getaktet erleben wie unseren Alltag. Dabei können Themen und Gefühle auftauchen, die wir sonst eher zurückdrängen. Das Erleben hat mehr Zeit und Raum.

Auch Dinge, die uns Freude machen wie ein Buch lesen oder in der Natur unterwegs sein, können unsere Träume anregen. Das ist ein klassisches Phänomen, dass Wochenenden und Urlaub Traumzeit sind.

Wir befinden uns wegen Corona in einer außergewöhnlichen Situation. Auf der einen Seite haben wir viel mehr Zeit, zur Ruhe zu kommen, andererseits leiden viele Menschen unter zusätzlichem Stress und Sorgen. Das dürfte sowohl viele positive als auch negative Träume hervorrufen?

Ich glaube, dass wir im Moment ein stark von Angst geprägtes Klima haben. Da kann ich mir gut vorstellen, dass sich das auf das Traumerleben auswirkt. Ist mir aber selbst bewusst beziehungsweise gestehe ich mir diese Angst ein, kann ich bestimmen, wie ich damit umgehe, und es ploppt nicht ganz plötzlich auf.

Vor einigen Wochen habe ich selbst vom Social Distancing geträumt. Ich finde es erstaunlich, wie schnell dieses Thema in meinen Träumen aufgetaucht ist. So einen Traum kann man als Gradmesser verstehen, wie sehr den Einzelnen ein aktuelles Thema beschäftigt.

Ich merke selbst, dass oft Figuren aus Filmen und Serien oder Bilder, die ich in Sozialen Medien gesehen habe, in meinen Träumen auftauchen. Beeinflusst unser zunehmender Medienkonsum unsere Träume?

Das ist nichts Ungewöhnliches, da Filme auch bewegte Bilder sind und oftmals aus einer Fantasie oder einem Traumbild entstehen und somit wieder auf derselben Ebene zu verorten sind.

Ein Beispiel, das mir einfällt, ist der Film Avatar. Als der Film damals lief, haben mir viele Klienten erzählt, dass sie davon geträumt haben. Genauso gibt es das mit Literatur, zum Beispiel Pippi Langstrumpf – ein starkes Symbol für ein freies inneres Kind.

Was hat es mit wiederkehrenden Träumen auf sich? Bedeutet das, es gibt einen ungelösten Konflikt im Leben?

Wahrheiten, die wir uns nicht eingestehen wollen, tauchen oft in unseren Träumen auf. Es muss aber nicht unbedingt ein Konflikt sein. Ein wiederkehrender Traum kann auch bedeuten, dass es ein noch nicht bewusstes Thema, eine wartende Entwicklungsmöglichkeit oder eine ungelebte Freiheit gibt.

Ganz passend ist hier das Beispiel von einer Frau, die immer wieder geträumt hat, dass sie auf dem Weg zur Arbeit mit der U-Bahn an der richtigen Haltestelle vorbeigefahren ist. Es stellte sich heraus, dass sie in ihrem Job unzufrieden war und es Zeit für etwas Neues war.

Traumdeutung ist auch interpretationsabhängig. Träume ich beispielsweise vom Tod, kann das mehrere Bedeutungen haben. Wie sehr kann ich mich auf eine Traumanalyse verlassen? Schließlich treffen wir manchmal große Entscheidung aufgrund unserer Träume.

Wir werden mit unseren Träumen nie eine Eindeutigkeit haben, die der Verstand gerne hätte. Der Tod ist dabei ein ganz spannendes Beispiel. Das kann nämlich auch einfach das Ende einer Beziehung bedeuten, ohne, dass dafür eine Person sterben muss. Es gibt ganz wunderbare Symbolbücher mit Anregungen, aber ich muss selbst herausfinden, was das für mich individuell bedeutet.

Viele sind mit dem Begriff Deutung sehr zurückhaltend und sprechen eher von Traumarbeit, was eine eigene Auseinandersetzung mit dem Traum bedeutet. Es ist eine Möglichkeit, mir selber näher zu kommen, gerade wenn es um Entscheidungen geht. Ich kann mich dabei begleiten oder unterstützen lassen. Dieses Evidenzgefühl, dass etwas stimmt, kann ich aber nur selbst beantworten.

Kann ich selbst lernen, meine Träume zu deuten oder brauche ich dafür immer professionelle Beratung?

Wenn ich merke, ich komme nicht weiter, kann ich mir Unterstützung holen. Die Traumarbeit fängt aber bereits an, wenn ich mich damit beschäftige oder mit jemandem darüber rede. Selbst Menschen, die nicht so geübt sind, aber offen zuhören und das ganze aus einer Distanz heraus betrachten, können gute Hinweise geben oder die richtigen Fragen stellen.

Auch ein kreativer Umgang kann helfen. Ich habe in meinen Gruppen zum Beispiel schon mit Ton gearbeitet oder wir haben Szenen nachgespielt.

Zu guter Letzt: Muss wirklich jeder Traum eine Bedeutung haben? Manche Träume können wirklich sehr abstrus sein. Ist es da nicht besser, den Traum einfach Traum sein zu lassen?

Die Freiheit habe ich immer. Wenn ich unruhig schlafe und wirr träume, kann ich das auch einfach loslassen. Und wenn ich das nicht kann, steckt vielleicht doch mehr dahinter. Wenn es eine wichtige Botschaft ist, dann kommt sie wieder.

Ein schönes Zitat habe ich noch zum Schluss. Leider weiß ich nicht mehr genau, wo ich es gelesen habe, aber ich finde es sehr passend: “Träume sind wie die Geliebte. Wenn du sie nicht berührst und dir Zeit für sie nimmst, dann verschwinden sie.“

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