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Diese Tipps können deine Hausarbeiten retten

Hand, Laptop, Notizbuch, Stift, Schreiben [Quelle: pexels.com, Autor: Karolina Grabowska]

Quelle: pexels.com, Karolina Grabowska

Das Semester hat gerade angefangen. Dieser Guide hilft dir dabei, dich rechtzeitig zu organisieren, Fehler zu finden und Plagiate zu vermeiden.

Schön schreiben, richtig zitieren – und wie gebe ich bei Word noch mal die Seitenzahl an? Diese Tipps können deine Hausarbeit retten. Fünf Expertinnen und Experten, darunter ein Word-Master, eine Zeitmanagerin und der Chef des ZEIT-Korrektorats, beantworten die dringendsten Fragen zum wissenschaftlichen Arbeiten.

Wie komme ich gut durch? 

Ein realistisches Zeitbudget hilft gegen Perfektionismus. Deshalb solltest du dir ganz am Anfang die Frage stellen: Wie lange will ich brauchen, um die Hausarbeit zu schreiben? Wenn die Hausarbeit nicht ganz so wichtig ist, reichen vielleicht 30 Stunden. Für eine Zehnseitenhausarbeit kann man locker 100 Stunden investieren; das ist aber oft unnötig.

Hast du die Zeit festgelegt, kannst du rückwärtsrechnen, von der Deadline bis zum Tag X, an dem du anfängst. Dabei solltest du alles beachten, dass du nicht nur Zeit für Recherche und Schreiben einplanst, sondern auch für Barabende mit Freunden oder den Nebenjob. Und du solltest einen Puffer einplanen: Ich empfehle 50 Prozent der Arbeitszeit. Es gibt lauter Sachen, die passieren können: Der Drucker spinnt, das Internet geht nicht, die U-Bahn fällt aus. 

Um produktiv zu arbeiten, hilft es, möglichst konkret die Aufgaben im Kalender einzutragen. Nicht reinschreiben: Hausarbeit für Soziologie anfangen. Sondern: Habermas-Text lesen, in die Bib fahren, Literatur fürs erste Kapitel suchen. Man fängt gut an, wenn man weiß, was zu tun ist. Schreib dir am Abend die Aufgaben für den nächsten Morgen auf ein Post-it. Aber nicht für jeden funktioniert das. Kreative Chaot:innen zum Beispiel können oft Dinge gut auf den letzten Drücker erledigen. Das sind Menschen, die nicht produktiv sind, weil sie es sich in den Kalender eingetragen haben. Sobald kreative Chaot:innen ihr Hausarbeitsthema haben, sollten sie aber zumindest mal eine Stunde Texte anlesen und Bücher aus der Bib bestellen, weil es die vielleicht später nicht mehr gibt.

Wenn du kurz vor der Abgabe noch gar nichts auf Papier hast, heißt es: Weniger ist mehr. Was soll die Kernaussage der Hausarbeit sein? Was muss meine Hausarbeit erfüllen, damit sie durchgewunken wird? Versuche, einen roten Faden und einen guten Lesefluss reinzubringen. Die wissenschaftlichen Standards müssen eingehalten werden. Das ist das Minimum, auch wenn du nur noch eine Nacht Zeit hast.

Wie zitiere ich nochmal richtig?

Wenn man mit Copy and Paste etwas für die Hausarbeit übernimmt, ohne es anzugeben, ist das natürlich ein Plagiat. Das heißt: Note 6, durchgefallen – ganz egal, ob beabsichtigt oder aus Versehen plagiiert wurde. Denn auch wenn man nur schlampig arbeitet und vergisst, Verweise zu machen, gilt das als ein Täuschungsversuch. Deshalb: beim Lesen von Texten gleich Notizen machen. Und immer dazuschreiben, was man woher hat.

Studierende müssen überlegen: Was braucht die Dozentin, um Fakten, Behauptungen und Literaturverweise in der Hausarbeit nachprüfen zu können? Dazu gehört: Name, Titel, Veröffentlichungsjahr und Veröffentlichungsort. Abhängig von der Art der Literatur müssen weitere Angaben gemacht werden. Bei einem Artikel aus einem Wissenschaftsmagazin braucht man den Namen der Zeitschrift und die Ausgabe. Wenn etwas im Netz veröffentlicht wurde, muss zusätzlich die URL angegeben werden – doch auch Autor, Titel und Website, das vergessen Studierende oft.

Diese Angaben zur Literatur müssen im Literaturverzeichnis stehen, am Ende der Arbeit. Im Text selbst kann man auf zwei Arten zitieren: Durch Klammern hinter den Behauptungen und Zitaten; oder durch Fußnoten. Für die Belege im Text braucht man den Namen der Autorin und das Erscheinungsjahr. Wenn man direkt zitiert oder einen bestimmten Gedanken aus einem Text übernimmt, muss man auch die Seitenzahl der Literatur angeben. Lange direkte Zitate kann man durch Einrücken eines Absatzes hervorheben.

Programme wie Endnote, Citavi oder Zotero helfen, das Literaturverzeichnis zu erstellen. Dort lassen sich die Angaben zur Literatur speichern und als Verzeichnis zusammenfassen. Ich rate: Fangen Sie früh damit an, sich in ein Programm einzuarbeiten. Am Anfang des Studiums hat man dazu mehr Zeit als am Ende – und richtiges Zitieren ist in der Abschlussarbeit dann nur noch Routine.

Wie schreibe ich schön? 

Eine Hausarbeit muss nicht furchtbar kompliziert klingen. Ich finde: Man kann sich trauen, schön zu schreiben. Das macht mehr Spaß beim Lesen und zeigt, dass sich jemand mit Sprache auseinandergesetzt hat und Lust auf das Thema hatte.

Vor allem bei der Einleitung würde ich raten: Mut zum Außergewöhnlichen. Die ersten Seiten sollten ordentlich Schwung reinbringen. Kürzlich habe ich eine wissenschaftliche Arbeit gelesen, in der die Autorin in der Einleitung auch mal "Ich" gesagt hat. Manche Dozierende mögen das nicht. Wenn es aber okay ist, würde ich das mal ausprobieren. Man könnte zum Beispiel schreiben, welche Quelle einen fasziniert und zu der Hausarbeit getrieben hat. Ich finde auch, dass Studierenden sich trauen sollten, eine offensive These am Anfang rauszuhauen.

Was ich vermeiden würde: zu viele Fachwörter und lange, verschlungene Sätze. Auch der Nominalstil, also viele Nomen, wenig Verben, klingt schnell langweilig. Was jeden Text verbessert: kürzen. Man findet immer Sätze, bei denen man merkt, dass sie raus können. Und lies gerne zwischendurch auch mal einen Roman, dann verlierst du die Lust an der Sprache nicht. Für alle Texte gilt: lesen, lesen, lesen – und dann schreiben.

Trotzdem fallen einem sprachliche Aspekte in der Hausarbeit oft nicht selbst auf. Mein Nonplusultrarat: Binde jemanden ein, den du nicht allzu gut kennst und der nicht mit dir studiert. Gute Freundinnen oder Kommilitonen sind vielleicht zu gnädig bei der Korrektur. Du brauchst jemanden, der einigermaßen objektiv an die Sache rangeht. Demjenigen fällt auf, wenn sich etwas wiederholt, Sätze ausufern, Wortungetüme den Lesefluss stören. Für mich als Lektor ist ein zweiter Blick immer wichtig. Und wenn du die Zeit hast: Lass das ganze Teil mal ein, zwei Wochen nach dem Schreiben liegen. So siehst du klarer, wo es noch hakt.

Wie bringe ich meine Hausarbeit in Form? 

Bevor es losgeht: Erkunde dich am Fachbereich, ob es Vorlagen oder Infos zu den Formalien gibt, denn das ist von Uni zu Uni unterschiedlich. Das gilt auch für die Angaben auf dem Deckblatt. Was immer drauf muss: der Name, die Matrikelnummer, Titel der Arbeit. Das Deckblatt sollte einfach gestaltet sein, ohne Kasperleien mit unterschiedlichen Farben.

Auch die Schriftart muss einheitlich in der Arbeit bleiben: Arial in Größe 12 gilt als der Standard. Die Schriftart Garamond hat super Leseeigenschaften und spart viel Platz. Wenn die Arbeit besonders lang aussehen soll, kann man Verdana benutzen. Der Zeilenabstand sollte zwischen eins bis 1,5 betragen; der optimale Seitenrand von 2,5 Zentimetern ist bei Word bereits vorgegeben.

Womit ein Drittel aller Studierenden Probleme hat: die richtigen Seitenzahlen einfügen. Du kannst sie unter dem Register Einfügen in die Kopf- oder Fußzeile einbauen. Dann zählt Word ab Seite 1. Allerdings werden dann auch das Deckblatt und Inhaltsverzeichnis mitgezählt. Ich empfehle, ab der ersten Textseite, also der Einleitung, mit Seite 1 zu beginnen. Dafür muss man am Ende der vorherigen Seiten einen sogenannten Abschnittswechsel einbauen. Unter dem Register Layout auf Umbrüche gehen und dann Abschnittsumbruch nächste Seite wählen. Hat man das bei den Seiten getan, klickt man auf Seitenzahlen formatieren. Wichtig: Das Häkchen bei Fortsetzen vom vorherigen Abschnitt rausnehmen. Dann werden Deckblatt und Inhaltsverzeichnis nicht mitgezählt.

Das Inhaltsverzeichnis erstellt sich aus den Überschriften der Hausarbeit. Dafür musst du die Überschriften nummerieren. Unter dem Register Start kann man auf Liste mit mehreren Ebenen klicken und aus der Listenbibliothek den Eintrag Überschrift wählen. Überschrift markieren, Liste anklicken, fertig. Im Bereich Formatvorlagen ganz rechts im Register Start kannst du das Design ändern. Hast du die Überschriften am Anfang aktiviert, kannst du ein automatisches Inhaltsverzeichnis unter dem Register Referenzen einbauen – und die Arbeit nimmt Form an.

Wie vermeide ich Fehler? 

Es gibt Fehler, die immer wieder vorkommen. Der weitverbreitetste: fehlende Bindestriche. Eine Zusammensetzung aus zwei oder mehreren Nomen schreibt man entweder als ein Wort oder mit Bindestrich. Das gilt auch für Anglizismen wie Gender-Pay-Gap oder Cloudcomputing. Wenn man sich bei einem Wort nicht sicher ist, sollte man den Rechtschreibduden benutzen. Den gibt es kostenlos online. "Dasselbe" schreibt man zusammen, "zu viel" getrennt.

Was auch häufig passiert, ist die falsche Verwendung des Konjunktivs 2 in der indirekten Rede. Dafür haben wir den Konjunktiv 1. Zum Beispiel: Sie sagte, sie habe (nicht: hätte) keinen Hunger. Auch bei der Kommasetzung passieren oft Fehler. Ich würde sagen: Mach tendenziell lieber eins zu viel als eins zu wenig und lies dir im Zweifel den Satz laut vor. Meistens ist dort, wo die Sprechpause ist, ein Komma nicht falsch. Mein Tipp bei Fragen, die über die reine Rechtschreibung hinausgehen: Der Duden Nummer 9: Sprachliche Zweifelsfälle: Das Wörterbuch für richtiges und gutes Deutsch. Wer keine 28 Euro übrig hat, kann die Grammatikseiten von leo.org benutzen.

Ansonsten hilft nur die genaue Kontrolle. Die Suche nach Fehlern im Text sollte getrennt von der inhaltlichen Korrektur gemacht werden, sonst übersieht man garantiert etwas. Was mir zum Beispiel auch mal durchrutscht: wenn "mir" statt "mit" geschrieben wurde. Das sieht ähnlich aus und man tippt es schnell falsch, weil die Buchstaben r und t nebeneinanderliegen. Wenn ich Artikel für die ZEIT nach Fehlern durchsuche, zoome ich sie mir groß auf meinen 27-Zoll-Bildschirm. Die meisten Kolleginnen aus dem Korrektorat drucken sich die Texte aus und gehen langsam mit dem Finger oder einem Stift Zeile für Zeile entlang. Für Hausarbeiten würde ich das auch empfehlen. Gib die Arbeit außerdem anderen zum Lesen; vier oder sechs Augen sehen mehr. Man selbst übersieht immer wieder denselben Fehler. Ein anderer guckt einmal drauf und findet ihn sofort.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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