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"Man muss sich nur trauen"

Start-up, Arbeitsgruppe, Diskussion [Quelle: pexels.com]

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Zusätzlicher Zeitdruck, Stress im Gründer-Team oder mit der Finanzierung: Während des Studiums ein Start-up aufzuziehen, ist nicht ohne. Aber viele Jungunternehmer schwärmen trotzdem davon.

Für Carlo Hanuszkiewicz fing alles in seiner Heimküche beim Experimentieren mit dem Schneebesen an. Während des Bachelors tüftelte er nebenbei an einer Zahnpasta-Rezeptur mit Kokosnuss-Öl. "Es ist kein Hexenwerk, wenn man sich genauer damit beschäftigt", sagt der Jungunternehmer. Als Inspiration dienten ihm vor allem vegane Lifestyle-Blogs. Während eines Auslandssemesters in den Vereinigten Staaten stellte der Student fest, dass Gründen genau das Richtige für ihn ist. Es fehlte nur noch eine interessante Geschäftsidee. "Ich war schon ein bisschen in der Food-Ecke und bin dann im Zuge meiner Recherche auf die Vorteile von Kokosöl gestoßen", sagt er. Kokosöl sei antibakteriell und mache die Zähne weißer – trotzdem gebe es bisher keine Zahnpasta damit. Nach den ersten Tests in der Küche holte er zwei Businesspartner dazu, und im Februar gründeten sie zusammen die Firma Niyok. Jetzt stehen sie kurz davor, ihre Zahnpasta auf den Markt zu bringen.

Hanuszkiewicz gehört zu den wenigen Studierenden, die neben dem Studium ein eigenes Unternehmen aufbauen. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten ist es in Deutschland noch relativ ungewöhnlich, neben dem Studium zu gründen. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom werden nur 11 Prozent aller deutschen Start-ups von Studierenden aufgebaut. Auch direkt nach dem Studium sammelt ein Großteil der Absolventen erst Erfahrung in einem etablierten Unternehmen. Nur 12 Prozent aller Start-ups wurden direkt nach dem Abschluss gegründet. Dabei kann die Gründung während des Studiums viele Vorteile haben. "Studierende können viel mehr ausprobieren", sagt Gunda Opitz, Vorsitzende von "Unternehmertum", dem Gründerservice der TU München. Im Gegensatz zu Alumni und Wissenschaftlern, die womöglich eine Familie und einen höheren Lebensstandard hätten, seien Studierende ungebunden. Und was ihnen an Erfahrung fehle, könnten sie durch Motivation oft wettmachen. "Da kann man eigentlich nicht viel verlieren, nur sehr viel gewinnen – vor allem an Erfahrung", so Opitz.

Während des Studiums entstehen viele gute Ideen. Was man im Hörsaal lernt, kann man oft im eigenen Unternehmen anwenden. "Das ist auch eine Art von Technologie- oder Wissenstransfer", sagt Opitz. So war es auch beim Start-up Visseiro. Mitgründer Pirmin Kelbel hat Elektrotechnik mit dem Fokus Medizintechnik an der RWTH Aachen studiert. Während des Masters bastelte er mit einem Kommilitonen an einer Technologie, die den Herzschlag und andere Vitalparameter von Patienten aufnimmt und zum Beispiel in Sitzmöbel integriert werden kann. "In dem Bereich wird schon geforscht, aber es wird bis jetzt noch nicht angewendet", sagt Kelbel. Teilweise konnte er die Forschungserkenntnisse in seiner Masterarbeit verwenden. Spätestens in den nächsten zehn Monaten soll Visseiro die ersten Verkäufe tätigen.

"Es ist wie ein richtiger Job"

Studium und Gründung zu vereinen ist trotzdem eine große Herausforderung. Jungen Unternehmern fehlt es während des Studiums vor allem an Zeit. Julia Baumbauch studiert Mathematik an der TU Berlin und baut gleichzeitig mit drei anderen Studierenden Lawio auf – ein Start-up, das per Algorithmus Mietminderungen durchsetzt. "Wir arbeiten schon Vollzeit daran, es ist wie ein richtiger Job", sagt sie. Sie schreibt nebenbei ihre Masterarbeit, dafür ist dann nur abends Zeit. Bisher sei das zu schaffen, sagt sie. Zeiteinteilung spielt eine große Rolle, denn wenn es richtig losgeht, leidet unter Umständen das Studium.

"Es gab einen Moment, wo wir überlegt haben, unsere Masterarbeit aufzugeben", sagt Dario Seipold von der Firma My Drams, die Whisky-Proben verkauft. Parallel zur Masterarbeit entwickelte er mit zwei Kommilitonen das Geschäftskonzept und startete den Verkauf online und auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. "Während des Weihnachtsmarkts musste die Masterarbeit erst mal warten", sagt Seipold. Wöchentliche Treffen und pausenlose Kommunikation über verschiedene Online-Plattformen vereinfachten die Koordination. Den Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen hat Seipold mittlerweile in der Tasche und kann sich auf den Whisky-Verkauf konzentrieren.

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