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Asses­sor­kurs ja oder nein?

Buch, lernen, Brille, Fleiß, lesen [Quelle: unsplash.com, Autor: Myriam Zilles]

Quelle: unsplash.com, Myriam Zilles

Was das Repetitorium vorm Ersten Examen ist, ist der Assessorkurs vor dem Zweiten. Doch lohnt sich der Vorbereitungskurs? Und muss man dafür immer viel Geld hinblättern? Und welche Alternativen gibt es? Sabine Olschner hat sich umgehört.

Die allermeisten Jurastudierenden besuchen zur Vorbereitung auf ihr Erstes Staatsexamen ein Repetitorium, nur wenige bereiten sich auf eigene Faust vor. Dabei geht es nicht nur darum, alles Wichtige für die Prüfungen zu wiederholen, sondern vor allem um das Schreiben von Klausuren – Übung macht bekanntlich den Meister. Was das Repetitorium für das Erste Examen ist, ist der sogenannte Assessorkurs für das Zweite. Doch welche Unterschiede gibt es und wie wichtig ist der Assessorkurs?

"Das Erste Staatsexamen ist eher wissenschaftlich geprägt. Man beschäftigt sich damit, was Rechtsprechung und Literatur sagen", erklärt Christian Sommer, Geschäftsführer des juristischen Repetitoriums Alpmann Schmidt. "Das Zweite Staatsexamen nennt sich nicht umsonst 'Praktikerexamen'. Man bearbeitet Akten oder Aktenauszüge aus Sicht eines Richters oder Staatsanwalts. Diese Sichtweise muss man erst einmal lernen." Zwar wiederholen die Assessorkurse von Alpmann Schmidt auch Inhalte aus dem Studium, aber es geht weniger um materielles Recht, die Klausuren sind prozesslastiger. "Während im Repetitorium geübt wird, die Klausuren im Gutachtenstil zu schreiben, müssen Referendare umdenken und nun lernen, im Urteilsstil zu schreiben", sagt Sommer. "Diese Umstellung fällt vielen schwer."

Ein weiterer Unterschied zwischen der Vorbereitung auf die zwei Examina ist die Zeit, die die angehenden Prüflinge zur Verfügung haben. Während sie sich während des Studiums mehrere Monate intensiv und ausschließlich auf die Prüfungen vorbereiten können, stehen im Referendariat viele andere Verpflichtungen an: Die Arbeit in den einzelnen Stationen, der Besuch von Arbeitsgemeinschaften, ggf. ein Nebenjob zur Aufbesserung der Haushaltskasse und vieles mehr. Da bleibt kaum Zeit für den Besuch eines Assessorkurses, auch wenn dieser weniger Stunden in Anspruch nimmt als ein Repetitorium. In vielen Bundesländern schließt die Anwaltsstation des Referendariats praktisch nahtlos an die Prüfungen an.

"Ein Assessorkurs ist eine Anleitung zum Lernen, aber keine Lernzeit"

Das Zeitproblem war ein Grund für Dr. Anton Nußbaum, auf einen Assessorkurs zu verzichten. "Da es in der Nähe meines Einsatzortes als Referendar keine Angebote gab, hätte ich auch noch zu den Veranstaltungen fahren müssen – Zeit, die mir zum Lernen verloren gegangen wäre", sagt der heutige Anwalt bei Lutz Abel. Außerdem gibt er zu bedenken: "Ein Repetitorium oder ein Assessorkurs ist eine Anleitung zum Lernen, aber keine Lernzeit. Die muss man zusätzlich einplanen."

Leichter ist es sicherlich geworden, seitdem Repetitoren ihre Kurse online anbieten. "Vor der Pandemie war die Akzeptanz von Online-Angeboten gering, die meisten besuchten die Kurse in den Abendstunden", sagt Sommer. "Doch seit Corona bieten wir unsere Kurse alle online oder als Hybrid-Veranstaltungen mit Livestream und Aufzeichnungen an, das kommt gut an."

Weniger kostspielige Alternative: Gezielt Klausuren kaufen

Ein weiterer Grund, warum sich Nußbaum gegen einen Assessorkurs entschieden hat: "Ich hatte schon für das Erste Examen viele Probeklausuren geschrieben und daher das Gefühl, dass ich darin bereits fit bin." Das Landgericht und das Oberlandesgericht, an denen er eingesetzt war, boten ihren Referendarinnen und Referendaren zudem drei- bis viermal im Monat an, Probeklausuren zu schreiben und sie kostenfrei korrigieren zu lassen. Außerdem kaufte sich Nußbaum einzelne Klausuren bei den Kaiserseminaren, ebenfalls ein Assessorkursanbieter für Referendare, die er ebenfalls korrigiert zurückbekam. "Das geht auch ohne einen kompletten Assessorkurs buchen zu müssen", lautet sein Tipp.

Manche haben zudem Glück und bekommen Assessorkursangebote vom Ausbilder zur Verfügung gestellt. Vor allem große Kanzleien zahlen ihren Referendaren die Fortbildungskurse, so etwa die Noerr: "Alle unsere Referendare können die Kaiserseminare besuchen, die an mehreren unserer Standorte in der Regel als Blockseminare abgehalten werden", sagt Partner Dr. Tibor Fedke. "Das Angebot ist freiwillig. Manche verzichten, weil es zeitlich nicht mit ihren Arbeitsgemeinschaftsterminen passt oder die Fahrt zu einem Veranstaltungsort zu weit ist." Die meisten Referendarinnen und Referendare wüssten das Vorbereitungsangebot allerdings zu schätzen, so Fedke. Vor allem die Online-Kurse in den vergangenen Corona-Jahren seien rege genutzt worden.

Neben dem bezahlten Assessorkurs hält Noerr für angehende Volljuristen weitere interne Fortbildungen bereit – "als Vorbereitung nicht nur auf die Prüfung, sondern vor allem auf den Anwaltsberuf", sagt Fedke, zum Beispiel Aktenvortragstraining, Dos und Don’ts von Schriftsätzen oder der Ablauf von M&A-Verfahren.

Für Referendare kann es also interessant sein, sich bei der Wahl der Ausbildungsstationen über solche Angebote vorab zu informieren.

"Klausuren darauf ausrichten, worauf Richter und Staatsanwälte Wert legen"

Auch Nußbaum war für die Zeit seiner Dissertation als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei einer Großkanzlei tätig, die ihren Referendaren den Zugang zu Kaiserseminaren ermöglichte. "Die Meinungen darüber waren geteilt", so sein Eindruck. Nußbaums Tipp für alle, die es wie er ebenfalls ohne Vorbereitungskurs schaffen wollen: "Wer in der Praxis gut aufpasst und sich im Referendariat aktiv einbringt, merkt, worauf Richter und Staatsanwälte Wert legen, und kann seine Klausuren darauf ausrichten."

Seine Betreuer übten mit den Prüflingen auch Aktenvorträge, was Nußbaum für sehr hilfreich hielt. Grundsätzlich abraten will er von Assessorkursen nicht: "Es gibt sicherlich Leute, denen ein solcher Kurs hilft, den psychischen Druck zu nehmen, den das Zweite Staatsexamen verursachen kann." Nußbaum persönlich war beim zweiten Mal weit weniger aufgeregt als vor seiner Ersten Staatsprüfung. "Mein Erstes Examen war gut gelaufen, daher konnte ich die mentale Sicherheit in die Vorbereitung für das Zweite Examen mitnehmen." Er ist der Ansicht, dass man es mit einem soliden Ergebnis aus der Ersten Staatsprüfung gut schaffen kann, sich selbstständig auf das Zweite Examen vorzubereiten. "Braucht man hingegen einen Lernplan für diszipliniertes Dranbleiben oder will gezielt Inhalte nochmal auffrischen, hilft ein Assessorkurs sicherlich. Letztlich muss jeder individuell entscheiden, ob er oder sie einen solchen Kurs benötigt oder nicht."

© LTO. Weitere Artikel zum Thema bietet die Rubrik "Jurastudium" von Legal Tribune ONLINE

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