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Mit Ginkgo gegen den Kater

Wein, Weinprobe [Quelle: unsplash.com, Kelsey Knight]

Quelle: unsplash.com, Kelsey Knight

Auch ohne geöffnete Kneipen kann es am Abend ab und zu ein Gläschen zu viel gewesen sein. Ein Cocktail aus Naturprodukten soll Nachwirkungen des Alkoholkonsums lindern – kann das funktionieren?

Zechen in engen Kneipen ist zwar gerade nicht angesagt. Doch in Biergärten und auf Restaurantterrassen wird viel dafür getan, die lockdownbedingten Umsatzverluste der Alkoholikahersteller zu mildern. Jenen Wirtschaftsförderern, die es dabei übertreiben, kann vielleicht ein Rezept von Patrick Schmitt helfen. Der Mainzer Biologie-Absolvent hat eine Pflanzenmischung entwickelt, die die häufigsten Katersymptome erträglicher machen soll.

Zusammen mit Bernhard Lieb, Professor am Institut für Molekulare Biologie der Uni Mainz, wies Schmitt in einer Studie nach, dass eine Mischung aus Pflanzenextrakten, Vitaminen und Mineralien die Nachwirkungen des Alkoholkonsums am nächsten Tag lindert. So fallen der Untersuchung zufolge Kopfschmerzen, Übelkeit, Apathie und Ruhelosigkeit signifikant schwächer aus, wenn das Pflanzenpräparat vor und nach dem Alkoholgenuss eingenommen wurde. Um herauszufinden, welche Pflanzen einen Effekt haben könnten, hat Schmitt etwa 600 Veröffentlichungen aus Fachzeitschriften analysiert. Er beschäftigte sich mit den Prozessen, die einen Alkoholkater verursachen. Dann befasste er sich mit der Frage, welche Stoffe diese Vorgänge beeinflussen können und in welchen Pflanzenextrakten sie enthalten sind. Obwohl bisherige Studien mit Naturprodukten keine statistisch signifikanten Ergebnisse lieferten, konnte der Forscher in der Literatur mehrere vielversprechende Pflanzen ausmachen: Ginkgo, Silberweide, Ingwer, Acerolakirsche und Kaktusfeige.

"Das sind alles bekannte Arzneipflanzen oder eben auch Fruchtextrakte – eine kunterbunte, wilde Mischung", sagt Robert Fürst, Professor für Pharmazeutische Biologie an der Universität Frankfurt. Für die allgemeine Wirksamkeit der ersten drei Pflanzen gebe es bereits wissenschaftliche Belege, die sich allerdings nicht auf Hangover-Symptome beziehen. Außerdem beschränke sich die Evidenz auf Dosierungen "im Arzneimittelbereich". Die im Ginkgo enthaltenen Ginkgolide neutralisieren beispielsweise die beim Alkoholabbau entstehenden freien Sauerstoffradikale und wirken somit antioxidativ. Für Ingwer konnte die Forschung eine positive Wirkung gegen Übelkeit belegen – allerdings nur gegen Reiseübelkeit. "Weidenrinde wirkt in der richtigen Konzentration eingesetzt gegen Schmerzen. Daraus darf man aber keinesfalls schließen, dass der Stoff in diesem Lebensmittel in einer ausreichenden Menge enthalten wäre, damit es gegen die Schmerzen wirkt", stellt Fürst klar.

Vitamine beeindrucken den Kater nicht

Für Kaktusfeige und Acerolakirsche gibt es aktuell lediglich Hinweise aus der Grundlagenforschung, dass auch sie gegen einen Kater wirken. Acerolakirschen enthielten flavonoide Verbindungen, die unter anderem entzündungshemmende und antioxidative Effekte hätten, so Schmitt. Bei Kaktusfeigen sei die Wirkungsart dagegen noch gar nicht bekannt. "Man kann die Wirkung der einzelnen Stoffe mit der Studie nicht genau festmachen." Schließlich seien sie nur gemeinsam getestet worden, eine Einzelprüfung stehe noch aus.

Auf die Idee zu der Studie hatte Schmitt das Mainzer Start-up Founderholics gebracht, das einen pflanzlichen "Anti-Kater-Drink" vertreiben wollte. "Wenn man damit werben möchte, muss das fundiert sei", sagt der Molekularbiologe. Also stellte er nach aktuellem Stand der Forschung eine Rezeptur zusammen, die von Founderholics mittlerweile als "Anti Hangover Drink" vertrieben wird. "Ich finde es löblich, dass ein Nahrungsergänzungsmittel mit einer klinischen Studie eine gewisse Rationalität bekommen soll", sagt der Frankfurter Pharmazeut Fürst dazu.

Die 214 Probanden der Studie wurden zu Kontrollzwecken in drei Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmer der ersten Gruppe erhielten das Präparat aus Pflanzenextrakten, Vitaminen und Mineralien; die zweite Gruppe erhielt ebenfalls die Vitamine-Mineralien-Mischung, allerdings ohne die pflanzlichen Zusätze, und die Kontrollgruppe bekam eine Glukoselösung. "Durch die Aufschlüsselung lässt sich mit großer Sicherheit sagen, dass Störungen des Elektrolyt- und Vitaminhaushalts nicht die Ursachen für die Katersymptome sind", erklärt Patrick Schmitt. "Überraschenderweise konnte ich feststellen, dass einige Pflanzeninhaltsstoffe, vermutlich Polyphenole, einen Einfluss haben." Zu diesen Substanzen, die auch eine antioxidative Wirkung haben, gehören Farb- und Geschmacksstoffe. Klassische Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralien zeigten dagegen keinen Effekt auf die Schwere des Katers.

"Bezüglich einiger weniger Symptome schaffen es diese Pflanzenextrakte, einen irgendwie positiven Effekt zu haben", sagt Fürst. "Mehr kann man aus dieser Studie aber wirklich nicht rausinterpretieren." Wie dieser positive Effekt im Einzelfall aussieht, muss wohl der Selbstversuch zeigen.

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