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Ausland International Global Weltkugel [Quelle: Unsplash.com, Autor: Ben White]

Quelle: Unsplash.com, Ben White

Was bringt ein Auslandssemester? Wie organisiert man es? Und woher soll das Geld dafür kommen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Muss ich ins Ausland?

Schon im ersten Semester reden die Kommilitonen ständig davon, wann und wo sie ihr Auslandssemester machen wollen. Musst du deshalb auch weg? Nein. Denn wenn du nur gehst, weil es alle machen, und dann ständig an zu Hause denkst, vergeudest du deine Zeit. Als Daheimbleiber wärst du übrigens keine Ausnahme. Eine Studie zeigt, dass nur eine große Minderheit (knapp 40 Prozent) im Lauf des Studiums ins Ausland geht. Stress dich also nicht. Aber bedenke auch, was dir ein Auslandsaufenthalt bringen könnte: Eine Sprache von Einheimischen lernen, auf einer Party Leute aus zehn verschiedenen Ländern kennenlernen, nach dem Kurs noch schnell an den Strand gehen oder nach einem Studientag an der nördlichsten Uni der Welt in Tromsø die Polarlichter sehen – das alles geht im Auslandssemester. Deshalb: Trau dich ruhig!

Wer hilft mir dabei?

Die Unis bieten verschiedene Programme an. Am besten fragst du einfach im International Office deiner Hochschule nach, mit welchen Auslands-Unis sie kooperiert. Das bekannteste Programm ist Erasmus+: Jede Hochschule hat mehrere Erasmus-Plätze an Partner-Unis im Ausland, die sie an ihre Studenten vergibt. Bekannt ist Erasmus+ vor allem für den Austausch innerhalb der EU, es gibt teilweise aber auch die Möglichkeit, an Partner-Unis in anderen Regionen zu gehen. Was gefordert wird, kann je nach Hochschule ein wenig variieren. Typischerweise musst du deine bisherigen Studienleistungen nachweisen, einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben einreichen und belegen, dass du die nötigen Sprachkenntnisse besitzt. Weitere Förderprogramme findest du über die Website des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Du kannst dir deinen Aufenthalt auch komplett selbst organisieren, aber die Finanzierung und die Anrechnung der Lehrveranstaltungen im Ausland sind dann schwieriger.

Wird das komplett finanziert?

Je nach Programm gibt es unterschiedlich viel Geld, der Normalfall ist jedoch keine komplette Finanzierung, sondern ein Zuschuss. Erasmus+ etwa unterstützt dich je nach Zielland mit bis zu 500 Euro im Monat, außerdem werden den Teilnehmern Studiengebühren im Ausland erlassen. Übrigens: Auch wenn du in Deutschland kein Bafög bekommst, hast du eine Chance auf Auslands-Bafög. Das darfst du mit dem Deutschlandstipendium und Erasmus+ kombinieren.

Was wird anerkannt?

Bevor du an die Uni im Ausland gehst, solltest du an deiner Heimat-Uni ein sogenanntes Learning Agreement abschließen. In dieser Vereinbarung listet man auf, welche Vorlesungen und Kurse man an der Gast-Uni belegen will. Am besten fragst du bei deiner Uni im Ausland nach dem Lehrveranstaltungsverzeichnis und suchst dir deine Kurse aus. Dein Professor an der Heimat-Uni muss das Learning Agreement unterschreiben. Es soll sicherstellen, dass dir die Leistungspunkte nach deiner Rückkehr für dein Studium in Deutschland angerechnet werden. Je nach Studiengang können die Lehrveranstaltungen im Ausland als freie Wahlfächer oder für bestimmte Studienmodule angerechnet werden.

Verliere ich Zeit?

Meistens ja. Zumindest, wenn in deinem Studium kein Semester speziell für Auslandsaufenthalte vorgesehen ist. Denn es klappt nur selten, dass du durch deine Kurse im Ausland ein komplettes Semester zu Hause ersetzen und im Anschluss nahtlos weitermachen kannst. Das ist aber kein Grund, um auf ein Auslandssemester zu verzichten. Schließlich machst du im Ausland Erfahrungen, die viel wichtiger sind als ein Abschluss in der Regelstudienzeit: Du lernst interessante Professoren und Inhalte kennen, die für dein weiteres Studium wichtig sein können. Du entwickelst dich persönlich weiter, lernst eine Sprache besser sprechen und triffst viele Leute.

Auch als Bafög-Empfänger musst du dir den Auslandstrip nicht versagen: Zwar wird dein Bafög in Deutschland nur während der Regelstudienzeit gezahlt, aber das Auslandssemester wird dabei nicht gezählt. (Anders ist es allerdings, wenn das Auslandssemester in der Studienordnung deines Studienganges vorgeschrieben ist. In diesem Fall hast du aber ohnehin keinen Zeitverlust durch den Auslandsaufenthalt.)

Und wenn im Ausland alles doof ist?

Es ist ganz normal, dass es Phasen gibt, wo nicht alles nach Plan läuft, man Sehnsucht nach zu Hause hat, oder es einem im Alltag zu schaffen macht, dass Dinge in anderen Ländern anders funktionieren. Aber wenn du solche Situationen selbst bewältigst, machst du einen gewaltigen Schritt nach vorn. Du wirst offener und flexibler, weißt beim nächsten Mal, wie du damit umgehst, wenn du dich zum Beispiel in einer fremden Sprache zu einem scheinbar unauffindbaren Seminarraum durchfragen oder Konflikte in einer internationalen WG ansprechen musst.

Die Ortsgruppe des European Student Network hilft dabei, schnell andere Studenten kennenzulernen. Natürlich kann es auch mal passieren, dass es Ärger mit der Gast-Uni gibt, dass zum Beispiel ständig Kurse ausfallen, die in deinem Learning Agreement vorgesehen sind. In einem solchen Fall kannst du dich an das dortige International Office wenden.  

Wenn das nicht hilft, kannst du deinen Erasmus-Koordinator an der Heimat-Universität um Unterstützung bitten. Und wenn du dich einfach mal auskotzen oder einfach nur mit jemand Vertrautem reden willst: Die beste Freundin zu Hause ist immer nur einen Skype-Anruf entfernt.

Nutzt ein Auslandssemester später bei der Bewerbung?

Auch wenn man das manchmal hört: Man braucht nicht zwingend Auslandserfahrung im Lebenslauf, um Arbeitgeber von sich zu überzeugen: Laut der JobTrends Studie 2017 vom Kölner Staufenbiel Institut ist es nur knapp 40 Prozent der befragten Personaler wichtig oder sehr wichtig, dass Bewerber Auslandserfahrung mitbringen. Wichtiger sind ihnen Englischkenntnisse und Praktika. Nützlich bei der Jobsuche ist die Auslandserfahrung trotzdem. Denn Unternehmen suchen in der Regel selbstständige, offene und neugierige Bewerber, die Probleme lösen und gut kommunizieren können. Personalchefs verlangen nahezu immer, dass man nicht nur behauptet, solche Eigenschaften zu haben, sondern sie auch belegen kann. Wenn du dich schon mal allein im Ausland organisiert hast, fällt dir dazu in aller Regel etwas ein. Für alle, die später einmal in internationalen Unternehmen arbeiten wollen, ist Auslandserfahrung ohnehin nützlich. Eine Alternative zum Auslandssemester sind übrigens Auslandspraktika. Auch diese werden vom Erasmus+-Programm gefördert, weitere Fördermöglichkeiten findest du über den DAAD.

Welche Erfahrungen haben andere gemacht?

Ein Erasmus-Semester verändert vieles – zumindest laut der Europäischen Kommission, die die langfristigen Wirkungen 2014 untersuchen ließ. Demnach hat jeder vierte Erasmus-Student seinen Lebenspartner während des Auslandsaufenthaltes kennengelernt. Die Studie zeigt auch, dass ehemalige Erasmus-Studenten später öfter im Ausland arbeiten als ihre einst daheimgebliebenen Kommilitonen. Wenn du wissen willst, was andere Studenten während ihres Erasmus-Semesters erlebt haben, kannst du im International Office deiner Heimat-Uni nach Erfahrungsberichten fragen. Einen solchen Bericht muss jeder Erasmus-Student nach seiner Rückkehr abgeben. Dort schreiben die Stipendiaten meistens offen über ihre Wohnungssuche, die Finanzierung, das Sozialleben und das Uni-System im Zielland.

Und wenn ich im Bachelor noch nicht weggehen will?

Dann kannst du dir die Welt nach Hause holen: Viele Universitäten suchen Erasmus-Buddys für ausländische Studenten, die für ein Semester nach Deutschland kommen. Du kannst dich auch im lokalen ESN-Team engagieren, Partys und Ausflüge mitorganisieren und dabei viele internationale Kommilitonen kennenlernen. Wenn du dich nicht gleich für ein Semester oder sogar ein ganzes Jahr über die Grenzen traust, aber schon mal austesten willst, wie du im Ausland klarkommst, kannst du auch erst mal einen Sommer-Sprachkurs in einem anderen Land machen. Dafür gibt es auch Stipendien, oft weisen die Unis über den E-Mail-Verteiler darauf hin. 

Oder du fragst im International Office danach. Wenn du das Gefühl hast, du musst im Bachelorstudium erst mal an deiner Uni in Deutschland ankommen und dir dafür die nötige Zeit nehmen, hast du deine Auslandschancen nicht automatisch vertan. Schließlich kannst du im Masterstudium immer noch die Welt erkunden.

© ZEIT Campus (Zur Originalversion des Artikels)

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