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Diese Anti-Stress-Programme helfen gegen ungesunden Lifestyle

Sport, Natur, Joggen, Laufen, Frau, Wald [Quelle: unsplash.com, Autor: Emma Simpson]

Quelle: unsplash.com, Emma Simpson

Lange Tage in der Bib, wenig Sport und viel Leistungsdruck: Studenten leben oft ungesund. Einige Unis wollen jetzt mit Hängematten und Trimm-Dich-Pfaden gegensteuern.

In Prüfungsphasen sitzt Jessica Kammerer bis zu zehn Stunden am Tag in der Bibliothek, und das wochenlang. Sie studiert Psychologie an der Freien Universität Berlin. Vor dem Studium hat sie jahrelang als Tänzerin gearbeitet. Als sie anfing zu studieren, fand sie auf einmal gar keine Zeit mehr für Sport. "Das war eine starke Umstellung. Ich war es nicht gewohnt, so lange zu sitzen", erzählt sie. Schnell merkte sie, wie der Bewegungsmangel ihrem Körper und ihrer Psyche schadete. "Ich hatte Nackenschmerzen, war ständig erschöpft und permanent überfordert." Inzwischen schafft sie es wieder, mindestens drei Stunden in der Woche zu tanzen. "So komme ich mit dem Stress besser klar", sagt sie.

Studierende sind meist zwischen 20 und 30 und stammen oft aus Akademikerfamilien, die vergleichsweise gesund leben. Darum nahmen Experten lange an, sie seien überwiegend gesund. Dann zeigten Studien, dass sie sogar schlechter in Form sind als Nicht-Studierende im gleichen Alter – zum Beispiel treiben sie weniger Sport. Dafür schaden sie ihrer eigenen Gesundheit häufiger: Studierende trinken mehr Alkohol, konsumieren mehr illegale Drogen und nehmen häufiger Schmerzmittel. Außerdem leiden viele Hochschüler an psychischen Beschwerden.

In der bundesweiten Studie der Techniker-Krankenkasse "Gesundheit Studierender in Deutschland 2017" gaben 25 Prozent der Studierenden an, gestresst zu sein. 25 Prozent leiden unter starker Erschöpfung, einer Vorstufe zum Burnout. Die ersten Hochschulen haben daraus Konsequenzen gezogen: Neben dem betrieblichen Gesundheitsmanagement für Mitarbeiter haben Universitäten vor rund vier Jahren damit begonnen, ein studentisches Gesundheitsmanagement auf die Beine zu stellen.

Projekt "Healthy Campus"

Zu den Vorreitern gehört die Technische Universität Kaiserslautern. Beim Gesundheitsprogramm "CampusPlus" lernen Studierende zum Beispiel Entspannungstechniken beim "Yoga gegen Prüfungsstress". Weil auch Sport hilft, abzuschalten und gesund zu bleiben, bietet die Uni neben Hochschulsportkursen weitere Angebote wie einen Open-Air-Fitnessparcours. Dafür wurden auf dem Campus mehrere Trimm-Dich-Pfade aufgestellt, sodass Studierende auf dem Weg von einem zum nächsten Hörsaal trainieren können. Die Uni verleiht außerdem kostenlos Mountainbikes. Damit sollen die Studierenden in der Mittagspause durch den nahe gelegenen Wald touren. Wer es ruhiger mag, kann bei gutem Wetter Hängematten oder Picknickdecken ausleihen.

Damit eine Hochschule so ein umfangreiches Programm auf die Beine stellen kann, braucht sie offizielle Unterstützung, sagt Ute Sonntag, Psychologin und Koordinatorin des Arbeitskreises Gesundheitsfördernde Hochschulen. "Die Hochschulleitung muss dahinterstehen und Geld bereitstellen", sagt sie. Oft beteiligen sich Krankenkassen und Verbände an Projekten, indem sie die Hochschulen finanziell unterstützen, sie beraten oder schulen. Je nach Budget beauftragt die Hochschule einen Koordinator oder ein ganzes Team mit dem Gesundheitsmanagement.

Wichtig ist vor allem, dass Studierende überall einbezogen sind und mitentscheiden dürfen, erläutert Expertin Sonntag. "Ohne Studierende geht es nicht. Sie wissen selbst am besten, was sie brauchen und wollen." An einigen Hochschulen bestehen die Teams fürs Gesundheitsmanagement fast nur aus Studierenden.

Anna, die ihren vollen Namen lieber für sich behalten möchte, arbeitet als studentische Hilfskraft im Projekt "Healthy Campus" der Freien Universität Berlin mit. Sie organisiert Projekte mit und erlebt sie gleichzeitig aus der Perspektive einer Studierenden. Beim "Pausenexpress" kommt zum Beispiel jede Woche ein Trainer in ihre Vorlesung und turnt fünf Minuten lang Dehn- und Lockerungsübungen vor. Kopf rotieren, Füße berühren, erst die eine Hand nach oben strecken, dann die andere: Die Studierenden im Hörsaal machen die Übungen nach. "Wenn man sonst keinen Sport macht, reichen diese fünf Minuten in der Woche natürlich nicht", sagt sie. "Aber als Pause in der Vorlesung ist es ganz gut." Eine Evaluation wird am Ende des Semesters zeigen, was die Studierenden von dem Projekt halten und ob die Hochschule es verlängert.

"Gerade Erstsemester müssen mit vielen Belastungen klarkommen"

Befragungen gehören an vielen Unis zum studentischen Gesundheitsmanagement dazu. "Die Gesundheitsbeauftragten arbeiten bestenfalls nach einem Vier-Phasen-Modell, das sich auch beim betrieblichen Gesundheitsmanagement bewährt hat", erklärt Expertin Ute Sonntag. Das Modell heißt "Public Health Action Cycle". Die erste Phase besteht aus einer Umfrage der Uni, bei der sich Studierende selbst in Kategorien wie Stress, Bewegung, Ernährung oder Suchtverhalten einordnen sollen. So kann die Hochschule in der zweiten Phase analysieren, welche Bedürfnisse ihre Studierenden in Sachen Gesundheit haben. In der dritten Phase starten die Koordinatoren geeignete Aktionen – und am Ende bewertet die Hochschule, ob diese Aktionen etwas gebracht haben.

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