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Berkeley – you cannot not love i

Law, Scrabble [Quelle: pexels.com, Autor: CQF-Avocat]

Quelle: pexels.com, CQF-Avocat

Wie kann man ein ganzes Studienjahr im Ausland in ein paar Abschnitten zusammenfassen? "War gut" wäre wohl die Kurzfassung. Die Langfassung dürfte sich über ein paar Tage hinziehen – zu viel ist passiert, zu viele Eindrücke und Freundschaften sind entstanden und, auch das gehört dazu, zu viele Stunden wurden am Schreibtisch und in Vorlesungen verbracht

Im akademischen Jahr 2018/19 habe ich mein LL.M.-Studium an der UC Berkeley School of Law absolviert – zwischen Promotion und Referendariat. Die Erlebnisse dieses Jahres sind viel zu vielfältig für einen kurzen Bericht, sodass ich nur drei Aspekte besonders herausgreifen möchte, die hoffentlich verdeutlichen, warum ein Studium im Ausland die beste Entscheidung ist. Gleichzeitig möchte ich aber auch die Nachteile nicht verschweigen, die zu einer informierten Entscheidung dazugehören müssen.

Das Studium

Da ist zunächst das Studium. Der LL.M. wird von vielen gerne mit einem Pause- oder Partyjahr gleichgesetzt. Allerdings kann ich nun aus Erfahrung sagen, dass dies zumindest an den großen U.S.-Universitäten nicht der Fall ist. Meines Erachtens wäre es auch Verschwendung gewesen, um die halbe Welt zu fliegen, nur um noch einmal Ersti zu sein.

Im Gegenteil: Das Studium dieses völlig anderen Rechtssystems hätte spannender nicht sein können. Die Unterschiede zum deutschen Recht sind wirklich fundamental, und bei vielen von uns aus Kontinentaleuropa war das Kopfschütteln in den ersten Wochen und Monaten groß. Irgendwann haben aber auch wir begriffen, dass andere Systeme auf ihre ganz eigene Art sehr funktionstüchtig sind, ja sogar die weitaus dynamischere U.S.-Wirtschaft ganz erheblich stützen. Studierenden und Berufstätigen eröffnet dieses System ganz andere Möglichkeiten und verlangt ganz andere Kompetenzen, die selbstverständlich auch das Studium geprägt haben. Ich kann nur jeder Juristin und jedem Juristen empfehlen, den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand zu wagen und so auch im Ergebnis das Verständnis des eigenen Rechts zu schärfen.

Die Kommilitoninnen und Kommilitonen

Zweitens ist es absolut beeindruckend, was für ein Talent die Universitäten darin haben, interessante Persönlichkeiten auszuwählen. In jedem Gespräch mit meinen neuen Kommilitoninnen und Kommilitonen musste ich immer wieder den Schock überwinden, welch faszinierende Biographien und Persönlichkeiten an diesem Ort versammelt wurden. Nachdem die ersten gemeinsamen Kaltgetränke getrunken waren, entstanden zahlreiche Freundschaften mit Menschen aus aller Welt. Die verschiedenen Hintergründe, sowohl persönlicher als auch kultureller Art, machten die gemeinsamen Stunden spannend, abwechslungsreich, kurzweilig und erinnerungswürdig – sowohl in akademischer als auch in persönlicher Hinsicht.

Ich denke, nirgendwo sonst ergibt sich diese Möglichkeit der Vielfalt, gepaart mit der an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit, Freundschaften fürs Leben mit Menschen aus aller Welt zu schließen. Über die Spring Break waren wir z.B. als 16 Freundinnen und Freunde aus 13 Nationen von 4 Kontinenten im Urlaub, und für unsere regelmäßigen Skype-Treffen müssen wir stets vier bis fünf Zeitzonen koordinieren.

Das Land

Drittens denken wir, wir würden Amerika und die Amerikaner kennen. Wir schauen amerikanische Filme und Serien, hören amerikanische Musik, und die meisten von uns haben früher Mickey Mouse gelesen. Tatsache ist aber, dass "die Amerikaner" sich in sehr vielem von uns unterscheiden. Dieses Land ist deutlich heterogener und besteht mitnichten nur aus Trump-Supportern. Ich habe selten so viele intelligente, engagierte und offenherzige Menschen an einem Ort getroffen.

Es lohnt sich, sich in die Law School zu integrieren und einzubringen – die Türen werden auch für die Internationals stets offen sein. Gleichzeitig kommen auch viele Aspekte zu Tage, die den Nimbus vom angeblich großartigsten Land der Erde ein wenig entzaubern. Natürlich ist ein einziges Studienjahr dafür viel zu kurz, aber dieser Einblick hilft, gewisse Dinge zu verstehen, einzuordnen und zu relativieren.

Die Unterschiede in kultureller, gesellschaftlicher und beruflicher Hinsicht sind fundamentaler, als ich für möglich gehalten hätte. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile, und eine Bewertung, welches das bessere ist, verbietet sich. Ich kann aber nur jedem raten, sich beide Seiten vorbehaltlos anzuschauen. Die Erweiterung des persönlichen Horizonts ist garantiert.

It's all about the money

Ein vierter Aspekt lässt sich aber beim besten Willen nicht wegargumentieren: Ein Studienaufenthalt in den USA ist unfassbar kostspielig. Allein für die Bewerbung müssen schon gut 2.000 Euro eingeplant werden, und es dämmert einem, dass jeder einzelne Schritt richtig teuer werden wird – mit vielen vorher unbekannten Gebühren. Die Campus Fee von 700 Dollar war anscheinend noch nicht in den Semestergebühren von 30.000 Dollar enthalten, und dass die Krankenversicherung in Höhe von 2.400 Dollar eine Pflichtversicherung ist, war vorher auch nicht allen bewusst.

Wer glaubt, die Mieten in München oder Berlin wären an der Schmerzgrenze, hat noch nie versucht, in der Bay Area ein Zimmer oder auch nur ein Bett zu finden. Zwischen all den Hochglanzprospekten darf man nie vergessen, dass internationale Studierende für die Universitäten auch eine hervorragende Einnahmequelle sind, die sie nutzen.

Das hat das Potenzial, schlechte Laune zu bereiten. Bereue ich es, den LL.M. trotzdem gemacht zu haben? Auf gar keinen Fall. Was ich bekommen habe, ist deutlich wertvoller als Geld. Man sollte sich nur darauf einstellen, dass es das vermutlich teuerste Jahr des bisherigen Lebens werden wird.

Das Fazit

Ich habe eines der intensivsten Jahre meines Lebens erlebt. Netflix konnte getrost gekündigt werden, dafür war ohnehin keine Zeit. Jede Sekunde war entweder mit einem unfassbar spannenden Studium oder der Zeit mit guten Freunden, Ausflügen, Reisen und anderen Aktivitäten gefüllt. Niemand aus meinem Jahrgang hat bereut, die Strapazen und alle Höhen und Tiefen auf sich zu nehmen. Gerade in Zeiten des erstarkenden Nationalismus ist es umso wichtiger, andere Länder und andere Systeme mit eigenen Augen zu erleben. Der Aufwand wird belohnt werden: Mit neuen Freunden, neuen Einblicken und nicht zuletzt mit einer neuen Perspektive auf das eigene Recht.

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