Partner von:

Aus zwei mach' eins

Mittlerweile ist es gut vier Monate her, dass ich bei McKinsey als Beraterin angefangen habe. Bereits mein allererster Tag wurde mit einem absoluten Highlight gekrönt: einem Dinner zuhause bei dem damals gerade frisch ernannten deutschen Office-Manager Frank Mattern. Ich saß auch noch direkt neben ihm an einer langen Tafel von "Rookies", so nennen wir bei McKinsey die Neulinge. Ich war sozusagen mittendrin, als Frank Mattern uns seine Ideen und Ziele für die Zukunft des deutschen Büros mitteilte. Ein Start, der nicht besser hätte sein können!
 
 Es folgten mehrere Trainings von denen vor allem das BCR – das steht für "Basic Consulting Readiness" – einen weiteren Höhepunkt darstellte. Wir waren dafür eine Woche am Tegernsee und haben dort in internationalen Teams - etwa die Hälfte der Teilnehmer kam aus dem Ausland - eine Fallstudie aus der Konsumgüterindustrie bearbeitet: von der Problemdefinition, über eine strukturierte Problemlösung, diverse Interviewtechniken, das Storylining und die Chart-Erstellung bis hin zur finalen Präsentation bei einem fiktiven Klienten. Abends standen dann vor allem das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund. Schon hier zeigte sich, dass McKinsey in der Tat "One Global Firm" ist und voll von interessanten Persönlichkeiten. Ich freue mich bereits jetzt darauf, den einen oder anderen Kollegen auf einer Studie oder einem der nächsten Trainings wiederzusehen.
 
 Dann ging es auf die erste Studie, die sich industrieübergreifend mit dem Thema Innovation befasste. Wie hängt das Innovationsmanagement eines Unternehmens mit dessen Erfolg zusammen? Welche Elemente des Innovationsprozesses spielen dabei die größte Rolle? Welche Best Practices gibt es in den verschiedenen Industrien? Ein spannendes und zeitloses Thema, bei dem ich viel mit Experten telefoniert, Klienten-Workshops vorbereitet und an einem Artikel für eine große Tageszeitung geschrieben habe. Seit Mai bin ich auf meiner aktuellen Studie, von der ich euch in den nächsten Wochen ein bisschen berichten werde. Der Klient ist ein Unternehmen aus dem High-Tech-Bereich. Es handelt sich dabei um ein Post-Merger-Integrationsprojekt. Das ist die Zusammenführung zweier ehemals eigenständiger Firmen zu einem gemeinsamen Ganzen.
 

Montag, 28. Mai 2007
 Pfingstmontag.
 

Dienstag, 29. Mai 2007
 Meine Hauptaufgabe heute liegt darin, den morgigen "Jour Fixe" des Klienten vorzubereiten. Dieses Meeting findet alle zwei Wochen statt und ist die zentrale Austauschplattform des Integrationsteams. Hier geben sie Status-Updates aus den verschiedenen Bereichen und Regionen, vertiefen aktuelle Themen und bringen eventuelle Probleme zur Sprache. Abgabetermin, bis zu dem die Teilnehmer ihren Input an mich liefern sollen, ist 12 Uhr mittags. Bis dahin habe ich genau einen von etwa zehn Beiträgen erhalten. Also hake ich telefonisch und per E-Mail nach. Abends bekomme ich dann das letzte noch fehlende Dokument, vervollständige die Präsentation und schicke sie an Fabian, meinen Projektleiter, der das Gesamtdokument dann an die Teilnehmer versendet.
 

Mittwoch, 30. Mai 2007
 Wir haben jeden Tag um neun Uhr ein Teammeeting mit dem Klienten. Dabei sprechen wir über aktuelle Entwicklungen und darüber, was jeweils für den Tag ansteht. Da nicht immer alle der fünf bis sieben Teilnehmer am selben Ort sind, findet dieses Meeting in Form eines Conference Calls statt. Dabei wählt sich jeder über eine bestimmte Telefonnummer in das virtuelle Meeting ein. Nur in den seltensten Fällen sitzen wir dafür alle zusammen in einem Raum.
 Heute sollen Florian, Senior Associate in meinem Team, und ich für Steve (Name geändert), unseren Hauptansprechpartner auf Klientenseite, eine Präsentation zusammenzustellen. Florian wird sie am Nachmittag bei einem Workshop vortragen. Seinen Vorgaben folgend überlegen wir uns also, welche Folien wir zu den einzelnen Themen zeigen würden: Einige existieren bereits aus bestehenden Präsentationen und müssen deshalb nur aktualisiert werden, andere erstellen wir neu. Der Tag verläuft etwas hektisch, da nicht besonders viel Zeit für diese Aufgabe bleibt und wir ja auch noch eine Abstimmungsschleife mit dem Klienten drehen müssen. Aber mit vereinten Kräften können wir Steve rechtzeitig seine Präsentation übergeben.
 

Donnerstag, 31. Mai 2007
 Steve war mit der Präsentation zufrieden, so etwas hört man doch sehr gerne als Start in den Tag. Ab heute werde ich mich verstärkt einem für mich neuen Thema widmen. Es geht darum, den Integrationsfortschritt mit Hilfe so genannter Key Performance Indicators (KPI's) zu überprüfen. Diese betrieblichen Kennzahlen wurden für die verschiedensten funktionalen Bereiche des Unternehmens wie Finance, Sales oder IT definiert. Unser Team misst sie regelmäßig und vergleicht sie mit den jeweiligen Zielwerten. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass das Projekt entsprechend des Zeitplans voranschreitet, Verzögerungen in bestimmten Bereichen frühzeitig erkannt und behoben werden können.
 Sibylle (Name geändert) ist die Projektleiterin für dieses Thema auf Klientenseite. Mit ihr werde ich in den nächsten Wochen sehr eng zusammenarbeiten. Nach einem längeren Meeting mit ihr, in dem sie mir einen ersten Überblick über die einzelnen Indikatoren gibt und mir erklärt, was wir konkret in den nächsten Tagen zu tun haben, nutze ich den Rest des Tages, um mich in die Unterlagen einzulesen, die ich von ihr zum besseren Verständnis bekommen habe. Ein sehr komplexes Projekt wie mir scheint, aber es klingt bereits jetzt sehr spannend. Ich mag Zahlen.
 

Freitag, 1. Juni 2007
 Freitag ist Office-Day. Während wir von Montag bis Donnerstag in der Regel beim Klienten arbeiten, trennt sich das Team Donnerstagabend am Flughafen und jeder arbeitet am Freitag von seinem Home Office aus. In meinem Fall ist das München, meine Teamkollegen sind in Frankfurt und Düsseldorf zuhause. Das Schöne am Office-Friday ist, dass man sich beispielsweise mit Kollegen zum Mittagessen verabreden kann, die man unter der Woche nie sieht, weil auch sie für andere Klienten arbeiten. Diesen Austausch finde ich sehr wichtig, insbesondere weil man immer auch neue Kollegen kennen lernt, mit denen man vielleicht bald einmal zusammen auf einer Studie arbeitet.
 Nach administrativen Tätigkeiten wie meiner Reisekostenabrechnung für den letzten Monat widme ich mich wieder den Unterlagen, die ich von Sibylle bekommen habe. Da sind gestern noch einige Fragen offen geblieben. Später haben wir beide noch einen längeren Telefontermin, in dem wir etwas tiefer in einige Themen einsteigen und Sibylle mir meine Fragen beantwortet. Soweit ist nun alles klar und ich bin schon gespannt auf Montag wenn wir uns dann so richtig in die Zahlen stürzen.

nach oben

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.