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Immer auf die Füße schauen

Wo man hinschaut, erblickt man Rikschas - und Baustellen.

Wo man hinschaut, erblickt man Rikschas - und Baustellen.

Die Aufgaben: interessant, aber nicht immer einfach
 Die Abteilung Forschung und Entwicklung befasst sich mit Entwicklungsdienstleistungen für die DaimlerChrysler AG. Der Schwerpunkt meiner Aufgabenstellung lag dabei in der Unterstützung des Managements in Deutschland und Indien. Ziel meines Projektes war es, für die obere und mittlere Führungsebene der AG Informationen über den Bereich Offshore Outsourcing von Ingenieursdienstleistungen zu generieren, um so den weiteren Strategiebildungsprozess zu unterstützen. Dazu musste ich unter anderem das Projektporfolio vorstandstauglich aufbereiten, die Top 100 der weltweiten Automobilzulieferer mit Engagement in Indien analysieren und Themen für eine Technologie-Konferenz zum Thema Offshoring nach Indien vorbereiten. Außerdem durfte ich alle erarbeiteten Themen zu einer Vorstandspräsentation mit dem Titel "Chancen und Risiken beim Offshore Outsourcing von Ingenieurdienstleistungen nach Indien" zusammenführen. Die Arbeitszeit war dabei relativ flexibel. Insgesamt wird erwartet, dass man mindestens 40 Stunden pro Woche arbeitet. Formal kontrolliert wurde dies jedoch nicht. Die Kernarbeitszeit lag jedenfalls meist zwischen 9.30 Uhr und 18 Uhr.
 

Die Arbeitsatmosphäre: "spontan" planen
 Indien pflegt eine Kultur, die sehr um ein harmonisches Arbeitsklima bemüht ist. So fühlt man sich stets sehr willkommen; die Kollegen unterstützen einen gerne nach Kräften – auch wenn manches Mal dann Probleme unausgesprochen bleiben. Darüber hinaus sind die Kollegen außergewöhnlich flexibel. Sie nehmen sich schnell und bereitwillig einer neuen Aufgabe an; einen Terminkalender brauchen sie dafür nicht. So kann es durchaus einmal vorkommen, dass ein Meeting erst anderthalb Stunden später anfängt, weil etwas dazwischen kam. Auch bei Deadlines sollte man besser noch einmal nachfragen, will man sie auch wirklich einhalten und keine Überraschungen qualitativer oder inhaltlicher Art erleben, wenn der Abteilungsleiter einem dann die Deliveries mitteilt. Für einen deutschen "Planungs-Marschall" ist das natürlich eine große Umstellung.
 

Nachfragen heißt die Devise
 Ich möchte an dieser Stelle noch hinzufügen, dass die indische Kultur im Vergleich zur deutschen einen starken Hang zum Overstatement besitzt. Man sollte also nicht jedes Wort für bare Münze nehmen, da viele Kollegen sich gerne mit den Federn anderer schmücken. Hier gilt: durch geschicktes Fragen den tatsächlichen Stand der Dinge klären. Wenn zum Beispiel jemand "Team-Leiter" gewesen sein will, sollte man nachfragen, wie viel Prozent seiner Zeit er mit dem Produkt und wie viel er mit "Verwaltungstätigkeiten" beschäftigt war. Oder wie viele wöchentliche Meetings es gab, wie lang diese waren und wer dabei alles anwesend war. In jedem Fall sollte man ein "no problem" besser noch einmal mit einer Frage aus einer anderen Richtung gegenprüfen. Denn wer in Indien eingesteht, etwas nicht oder nur schwer bearbeiten zu können, verliert sein Gesicht – eine weitere wichtige Komponente des indischen Arbeitsalltags. An das Englisch der Inder muss man sich übrigens erst gewöhnen. Erstens reden sie zum Teil sehr schnell, zweitens sprechen sie viele Laute anders aus, als man das vielleicht vom Oxford-Englisch her kennt.
 

Die Stadt: auch hier ein Overstatement
 Bangalores Image als westliche, moderne IT-Hochburg oder gar Silicon Valley II, wie es viele in Indien gerne nennen, entspringt zum großen Teil dem oben angesprochenen Hang zum Overstatement – oder trifft zumindest im Jahr 2005 nicht mehr zu. Auch in den Zeitungen wird häufig beklagt, dass die Unterschiede im Stadtbild und in der Verkehrslage zu Städten wie Kolkata – der angeblich chaotischsten Stadt – erschreckend gering seien. Und Politiker anderer Städte wie Pune warnen davor, im Wachstumshype bloß nicht zu einem zweiten Bangalore zu verkommen. Es gibt hier sehr nette Bars und Clubs – diese schließen allerdings alle um 23 Uhr.
 

Shopping-Kultur: Preis gegen Qualität
 Auch kann man hier alle bekannten westlichen Produkte kaufen: Das Spektrum reicht von L'Oreal und o.b. über Hugo Boss und Levi's bis zu Pizza Hut. Doch die Preise für ausländische Importe sind meist mit bis zu 100% Luxussteuer belastet. Allerdings ziehen selbst Inder westliche Produkte den indischen Fabrikaten vor – wenn sie es sich leisten können. Der Ausverkauf liegen gebliebener Exportwaren erfreut sich stets höchster Beliebtheit, denn alle drei Monate ein indisches Hemd für umgerechnet zehn Euro zu kaufen oder weniger häufig eines westlicher Qualität für den doppelten Preis, rechnet sich schnell. Da scheuen beim Autokauf einige auch nicht die teuren Preise: eine C-Klasse kostet in Indien genauso viel wie eine S-Klasse im Westen – bei deutlich geringerem Durchschnittseinkommen (ein Polizist oder Lehrer verdient umgerechnet 70 Euro im Monat). Apropos Preise: In den letzten Jahren sind diese in Bangalore in exorbitante Höhen geschossen. So zahlt man mittlerweile für das günstigste Hotelzimmer auf gutem europäischem Drei-Sterne-Niveau beispielsweise etwa 40 Euro, sonst muss man eher mit einem Preis von 80 Euro aufwärts rechnen. Business-Hotels verlangen bis zu 400 Euro und mehr pro Nacht.
 

Guter Ausgangspunkt für Expeditionen
 Die Infrastruktur Bangalores ist stark überlastet: Stromausfälle sind immer noch an der Tagesordnung, und auch bei Überlandfahrten erreicht man nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h. Wer durch die Stadt spaziert, der sollte stets auf seine Füße achten, da er sonst Gefahr läuft, zu stolpern oder in das nächste Loch zu fallen. Auf derartige Probleme stößt man in vielen anderen indischen Städten deutlich seltener. Die klimatischen Verhältnisse sind mit 15 Grad im Winter und 35 Grad im Sommer bei relativ trockener Luft (zumindest im Vergleich zum Rest des Landes) für Europäer recht angenehm. Dafür wird die Stadt ihrem Beinamen "Stadt der Gärten" im Vergleich zu europäischen Metropolen nicht wirklich gerecht. Außerdem machen die hohe Luftverschmutzung und Lärmbelastung die Stadt für Europäer zu einem anstrengenden Unterfangen: So dröhnt es mit durchschnittlich 85 Dezibel selbst in einer Seitenstraße, und den "Feinstaub" kann man sehen. Bangalore eignet sich aber gut für Reisen an die Küste nach Goa oder in die West Ghats nach Kerala. Auch Mysore ist ein absolutes Pflichtziel. Während Letzteres mit dem Auto gut zu erreichen ist, empfiehlt sich für alles in über 150 Kilometer Entfernung das Flugzeug oder die Bahn, denn die Straßen Karnatakas sind in deutlich schlechterem Zustand als in den ehemaligen portugiesischen Kolonien Goa und Kerala.
 

Zum Visum
 Ein Visum kann man auch kurzfristig bei den indischen Konsulaten in Deutschland beantragen. Hat man dort alle notwendigen Unterlagen dabei, kann man es sogar morgens in Auftrag geben und abends abholen. Sonst besteht die Möglichkeit, sich das Visum auch innerhalb von sieben Tagen per Post zusenden zu lassen. Nimmt man ein Visum für mehr als 180 Tage, so genießt man in Indien dieselben Vergünstigungen wie waschechte indische Staatsbürger. Denn Ausländer zahlen ansonsten an touristischen Orten, bei Flügen und vielem mehr nämlich Dollarpreise, die bis zum Dreifachen des Wertes in Rupien betragen. Allerdings muss man sich dann innerhalb der ersten 14 Tage auch polizeilich registrieren, wofür man ein paar Stunden einkalkulieren sollte.

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