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Gut geplant ist halb gefunden

Kathedrale von Brasilia

Kathedrale von Brasilia

Wer gelernt hat, sich in deutschen Bibliotheken zurecht zu finden, muss sich im Ausland wieder umgewöhnen. Wer zum Beispiel als Jurist zur Forschung nach Brasilien fährt, kann mitunter Erstaunliches erleben. e-fellow Christian berichtet aus eigener Erfahrung

Während meines Forschungsaufenthaltes hatte ich sehr gute Kontakte zu Wissenschaftlern des brasilianischen Senats und zur Leitung einiger Bibliotheken. So hatte ich einen privilegierten Zugang zu den Bibliotheken des Senats (Senado), der Abgeordnetenkammer (Câmara dos deputados) und des Bundesgerichtshofs (Supremo Tribunal da Justiça - STJ). Dort waren die Forschungsbedingungen für Juristen ausgesprochen gut. Die Ausstattung dieser Bibliotheken mit aktuellen Monographien, Kommentaren und Zeitschriften ist sehr umfassend. Und das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit in Brasilien.
 

Ein offizielles Schreiben im Koffer
 Wer allerdings einen ähnlich privilegierten Zugang und freundlichen Empfang in Brasilia erleben möchte wie ich, der sollte unbedingt ein offizielles Schreiben seines Doktorvaters oder Magisterarbeitsbetreuers in Portugiesisch vorweisen. Das sollte mit einer Bitte an die Direktion um freien Zugang zu den Bibliotheken versehen sein. Außerdem sollte man frühzeitig Kontakt zur Direktion und zu vor Ort tätigen Wissenschaftlern aufnehmen. Die offiziellen Öffnungszeiten der Bibliotheken des "Senado", der "Câmara dos deputados" und des "STJ" sind nämlich begrenzt. Und unbekannte, ausländische Wissenschaftler oder Doktoranden haben es mitunter schwer, freien Zugang zu allen Bereichen zu erhalten. Gebühren für jede kopierte Seite können ungeahnte Kosten verursachen.
 

Der gewohnte Gang zum Copy-Shop
 Die Bibliotheken des "Senado", der "Câmara dos deputados" und des "STJ" sind Präsenzbibliotheken. Bücher sind also zum Großteil immer vorhanden und nicht verliehen, was ein bedeutender Unterschied zu allen mir bekannten brasilianischen Universitätsbibliotheken ist. Ihre Ausstattung mit aktueller Literatur ist häufig schlecht und die wenigen guten Bücher sind oft ausgeliehen. Deshalb kaufen sich Studenten die Lehrbücher für die Vorlesung oft selber. Oder die Dozenten hinterlegen bei den auf jedem Campus zahlreichen Kopierläden eine Mappe mit den Aufsätzen und Buchkapiteln, die die Studenten für ein Seminar brauchen. Unter solchen Bedingungen ist eine ernsthafte Forschung deshalb kaum möglich. Studenten, die nur wenige Wochen im Land sind, laufen Gefahr, in dieser Zeit auf die wichtigsten und aktuellsten Bücher nicht zugreifen zu können. Studenten sollten sich deshalb eine Bibliothek als Forschungsstätte wählen, die wie die in Brasilia bedeutsame Präsenzbestände hat.
 

Ungewohnt: Schnelle Datenbanken!
 In Brasilia verfügen die Bibilotheken über eine elektronische Datenbank, die in dieser Perfektion in Deutschland nur selten vorkommt. Hier sind nicht nur alle Bücher abrufbar, sondern jeder Aufsatz und jedes Buchkapitel sind registriert und nach ihrem Inhalt katalogisiert. Mit Hilfe einer Schlagwortsuche kann man deshalb zu jedem Thema in Sekundenschnelle eine Vielzahl von Literaturquellen aufspüren.
 

Sehr ungewohnt: Gute Hilfe beim Suchen!
 Bei jeder Literaturrecherche hilft einem ein sehr gut geschultes und ausgesprochen freundliches Bibliothekspersonal. In der Bibliothek des STJ gibt es außerdem einen speziellen Informationsdienst, bei dem qualifizierte Juristen auf Anfrage eine individuelle Recherche erstellen. Sie suchen alle einschlägigen Gerichtsurteile zu einer gewünschten Fragestellung und legen die Ergebnisse ausgedruckt vor. Das erleichtert den Einstieg in die Recherche.
 

Recherche beginnt mit Vorrecherche
 Ich kann nur empfehlen, bei einer geplanten Literaturrecherche zu Fragen des brasilianischen Rechts einen ausgedehnten Zwischenstopp in Brasilia einzulegen. Auch im Bereich von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften dürften die Bestände der genannten Bibliotheken zufrieden stellend sein. Das sollte man aber vorher über den Online-Katalog der jeweiligen Bibliotheken vor Abreise nach Brasilien überprüfen. Die Bibliotheken in Brasilia liegen alle nahe beieinander. In anderen Städten, wie der Millionenmetrople São Paulo, sollte man längere Anfahrtswege in die Planung mit einkalkulieren.
 
 Bei Schwierigkeiten oder Rückfragen können sich interessierte Studenten und Wissenschaftler gerne an mich wenden.

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