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Sie ist die erste ihrer Art

Vertrag Unterschrift Frau Hände Füller [Quelle: Pexels.com, Autor: energepic.com]

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Erstmals rückt eine Frau in den elitärsten Zirkel der Anwaltswelt auf: Georgia Dawson führt bald die Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Ein Gespräch darüber, warum Frauen in solche Positionen noch immer die Ausnahme sind.

Es ist Georgia Dawson anzumerken, dass ihr das Thema gar nicht so wichtig ist. Man könnte sicher auch ein Gespräch mit ihr führen, ohne die Tatsache zu erwähnen, dass sie Geschichte schreibt. Aber sie schreibt Geschichte und sie weiß durchaus um die Bedeutung darum und welche Außenwirkung das hat.

Als erste Frau nämlich wird sie vom 1. Januar kommenden Jahres an die Geschicke des Hauses Freshfields Bruckhaus Deringer als Senior Partner führen. Die Partner der Sozietät, ihre Kollegen, haben sie in dieses Amt gewählt. Die Kanzlei in dieser fusionierten Form gibt es erst seit dem Jahr 2000, die Unternehmensgeschichte der britischen Kanzlei Freshfields aber beginnt bereits 1743 - und wurde stets von Männern als Senior Partner geprägt. Wie übrigens auch bei den anderen Kanzleien des sogenannten Magic Circles, wie die traditionellen und renommierten britischen Kanzleien Allen & Overy, Clifford Chance, Linklaters, Slaughter and May und eben Freshfields Bruckhaus Deringer auch genannt werden. Auch über diesen Circle hinaus dürfte es keine andere Frau in einer globalen Anwaltskanzlei so weit gebracht haben. Und weil das so ist, ist es auch im Jahr 2020 noch ein Thema, dass eine Frau den Gipfel erklimmt.

Auf dem Weg nach London

"Ich bin mir dessen natürlich bewusst", sagt Dawson im Gespräch mit der F.A.Z., das via Videokonferenz geführt wird. Dawson sitzt noch in Singapur, wird mit ihrem Aufstieg aber nach London umziehen. "Jeder Partner einer Anwaltskanzlei hat eine besondere Verantwortung. Die erste Frau an der Spitze einer Magic Circle-Kanzlei zu sein erhöht die Aufmerksamkeit und diese Verantwortung."

Warum sind Frauen noch immer so selten in diesen Führungspositionen? "Das ist eine sehr gute Frage und ich glaube, darauf gibt es keine gute Antwort", sagt die gebürtige Australierin und Mutter von drei Kindern. "Es gibt Fortschritte", sagt sie. In den vergangenen ein, zwei Jahren habe es immer mal wieder die Berufung von Frauen von großen Unternehmen oder auch großen Organisationen gegeben, aber warum dies die Ausnahme bleibt? Es sei eben auch an Frauen wie ihr, zum Fortschritt beizutragen. Das müsse im Zusammenspiel mit ihren männlichen Partnerkollegen geschehen.

Nach dem Wahlprozess um den Top-Job bei Freshfields habe es Hunderte Kontakte zu ihr unbekannten Menschen gegeben. Vor allem Frauen hätten sich gemeldet, wie sehr sie sich über ihre Berufung freuten. "Das hat also schon die Diskussion über nötige Veränderungen befeuert." Wie so oft sind es Zahlen, die Dawsons Berufung an die Spitze noch mehr Ausdruck verleihen: Gerade einmal 19 Prozent der Partner bei Freshfields sind weiblich.

Der Druck steigt

Fühlt sie einen besonderen Druck? In der Wahlphase habe sie sich nicht so sehr auf diesen Aspekt konzentriert, aber jetzt bringe das tatsächlich zusätzlichen Druck mit sich. Als Führungskraft müsse man ein Vorbild sein. Dieser Druck werde nun noch stärker. Dawson arbeitet seit fast 17 Jahren bei Freshfields und hebt hervor, dass sie selbst in dieser Zeit sehr gefördert worden sei. "Ich hatte immer das Gefühl, mein Potential voll ausschöpfen zu können. Es gab nie den Verdacht, nicht den gleichen Zugang zu den Möglichkeiten wie meine männlichen Kollegen zu haben. Ich hatte ein gutes Ökosystem der Unterstützung." Verpflichtet sie das nun, auch ihrerseits junge Kolleginnen zu fördern und bei ihrem Weg nach oben zu begleiten? "Wir haben super talentierte Frauen in unserer Kanzlei", sagt die 44 Jahre alte Frau.

Es kämen etwa gleich viele Frauen und Männer jedes Jahr in die Kanzlei - über sämtliche Geschäftsbereiche des Unternehmens hinweg. "Unsere Herausforderung ist es, die Talente auch im Unternehmen zu behalten. Wir müssen es schaffen, eine Arbeitsumfeld zu kreieren, das es allen unseren Leuten auch ermöglicht, erfolgreich zu arbeiten." Da gehöre es dann auch dazu, sich anzusehen, wie und wo man arbeiten könne. Das müsse dringend mit der nötigen Flexibilität des Arbeitgebers verbunden sein, denn die Umstände änderten sich nun mal im Verlauf des Lebens.

In ihrem Fall habe ihr die Sozietät die Chance gegeben, ihre Rolle in Zeiten anzupassen, in denen es nötig war, der Familie mehr Zeit zu widmen, sagt sie. Es gehe auch darum die Feedbackkultur anzupassen, um Menschen auch deutlich zu machen, wo sie in ihrer Karriere und Entwicklung stehen. "Vielleicht müssen wir bei Freshfields da in Zukunft auch einige Anpassungen machen."

Frauen müssen sich mehr trauen

Wenn das gelinge, würden sich Frauen automatisch mehr trauen und sehr viel häufiger die Hand heben, wenn es um die Vergabe von Führungsaufgaben gehe. "Es geht doch darum, Menschen zu ermutigen, nach vorne zu treten." Das habe sie selbst auch in ihrer Karriere lernen müssen. "Frauen fühlen sich häufig nicht wohl dabei." Es müsse schlichtweg viel mehr Vorbilder geben, die zeigen, dass sehr viele verschieden Modelle zum Erfolg führen könnten.

Auf Dawson als neue Chefin kommen selbst viele Herausforderungen zu. Der Wettbewerb ist hoch und auch Kanzleien müssen das Thema Digitalisierung aktiv angehen. Das habe maßgeblichen Einfluss auf den Service, den man seinen Kunden biete. In Berlin unterhält Freshfields sogar ein eigenes Innovations-Labor. Dadurch habe man Gelegenheiten, digitale Lösungen für Mandanten, etwa bei großen Klageverfahren, zu entwickeln.

Ohnehin sei es wichtig, den Kontakt zu großen Tech-Unternehmen zu haben, um auf der Höhe der Zeit zu sein, aber auch um nah dran an den großen Tech-Firmen als Mandanten zu sein. Zu diesem Zweck sei - trotz der Corona-Pandemie - im Silicon Valley in Amerika ein neues Büro eröffnet worden. Die weitere Expansion nach und der Erfolg in Amerika dürfte ohnehin auf der To-do-Liste der Australierin ganz weit oben stehen. Derzeit hat die Kanzlei gut 200 Anwälte in Amerika. Der Markt gilt als lukrativ, vor allem wenn man an das sehr rentable Geschäft mit Private Equity denkt.

Dawson wird die Herausforderungen nicht allein meistern müssen. Ihr Führungsteam umfasst auch die Herren Rick van Aerssen, Alan Mason und Rafique Bachour. Sie aber steht an der Spitze, sie ist die Chefin.

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Kommentare (2)

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  1. Anonym

    Vielen Dank für deinen Kommentar und vor allem für deine Mühe und berechtigte Anmerkung. Da die Artikel-Rechte jedoch bei der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH liegen, was mittels des Copyright-Hinweises unterhalb des Artikels kenntlich gemacht wird, und wir den Beitrag im Rahmen unserer Content-Kooperation mit der FAZ übernommen haben, können wir leider keine Anpassungen vornehmen. Viele Grüße, Luzia aus der e-fellows.net-Redaktion

  2. Anonym

    "Die Kanzlei in dieser fusionierten Form gibt es erst seit dem Jahr 2000, die Unternehmensgeschichte der britischen Kanzlei Freshfields aber beginnt bereits 1743 - und wurde stets von Männern als Senior Partner geprägt. Wie übrigens auch bei den anderen Kanzleien des sogenannten Magic Circles, wie die traditionellen und renommierten britischen Kanzleien Allen & Overy, Clifford Chance, Linklaters, Slaughter and May und eben Freshfields Bruckhaus Deringer auch genannt werden. Auch über diesen Circle hinaus dürfte es keine andere Frau in einer globalen Anwaltskanzlei so weit gebracht haben." Der Artikel ist leider überaus schlecht recherchiert. Mithilfe von Google lässt sich unschwer in Erfahrung bringen, dass Goodwin Procter und Mayer Brown bereits in den 90ern weibliche Managing Partners hatten (https://abovethelaw.com/2018/11/the-first-ever-woman-to-lead-a-biglaw-firm/2/). Nun mag man einwenden, dass beide Kanzleien in Deutschland weniger relevant sind. Schwer wiegt aber, dass eine besonders prominente Person offenbar völlig vergessen wurde. Christine Lagarde stand immerhin an der Spitze von Baker McKenzie (https://www.handelsblatt.com/archiv/interview-mit-christin-lagarde-chefin-der-kanzlei-baker-und-mckenzie-leitwoelfin-mit-gefuehl/2161452.html?ticket=ST-15676926-QaYOJ5YHLDakTgenkdly-ap1). Lagarde zu vergessen, die nicht nur die erste Frau an der Spitze von Baker und vom IWF sowie in der Position der Finanzministerin war, sondern nun auch als erste Frau die Präsidentin der Europäischen Zentralbank eine besonders prominente Rolle einnimmt, ist überaus peinlich. Wenn bemängelt wird, dass es zu wenig weibliche Vorbilder gebe, sollten die existierenden Vorbilder nicht völlig erwähnungslos bleiben. So erweckt der obige Bericht leider nur den Eindruck einer als Berichterstattung getarnten Werbung...

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