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"Praktikanten wollen etwas bewegen"

Deutsche Bank [Quelle: Flickr, Klefer.]

Quelle: Flickr, Klefer.

Die Leiterin der Absolventenprogramme bei der Deutschen Bank über Zukunftschancen und den Konkurrenzkampf mit Tech-Unternehmen.

Faye Woodhead kümmert sich seit 14 Jahren um den Nachwuchs bei der Deutschen Bank und hat vor ein paar Jahren die Praktikantenprogramme modernisiert. Wer eine Karriere in der Finanzwelt machen will, für den ist das "Internship" immer noch die einfachste Einstiegsmöglichkeit. Einst waren die Jobs bei Studenten wegen des hohen Arbeitspensums berüchtigt. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Frau Woodhead, die Deutsche Bank hat erhebliche Stellenkürzungen und Restrukturierungen bekanntgegeben. Zudem eilt ihr der Ruf voraus, veraltete IT-Systeme zu verwenden. Gehen Praktikanten da nicht lieber zur Konkurrenz?

Es wäre albern zu behaupten, dass sich die Leute nicht damit beschäftigen. Aber wir investieren weiter in junge Talente, auch wenn wir sehr offen da- rüber sprechen, Stellen abzubauen. Gleichzeitig haben wir ja auch betont, dass wir weiter investieren wollen, wo es nötig ist. Das wird im Technologiebereich und in unserer Nachwuchsförderung sein.

Wie finden Sie heute gute Praktikanten?

Wir haben in den letzten zwei bis drei Jahren eine neue Herangehensweise gewählt. Wir suchen andere Profile, im Technologiebereich zum Beispiel, aber auch im klassischen Bankengeschäft. Zudem sind für uns Leute sehr wichtig, die vorher keinen Hintergrund oder kein Interesse an der Finanzbranche hatten. Früher sagte unsere Branche: "Wir sind fantastisch. Komm und arbeite für uns!" Heute haben wir das komplett auf den Kopf gestellt und sagen: "Du bist fantastisch. Wir brauchen dich für unseren zukünftigen Erfolg." Eine große Anzahl unserer Events und Aktivitäten findet dabei online statt.

Wie sprechen Sie Studentinnen und Studenten online an?

Wir haben unsere Social-Media-Kampagne ausgebaut und in den letzten drei oder vier Jahren enorme Fortschritte erzielt. Heute sind wir sehr aktiv. Wir posten mehr als 20 Mal pro Woche auf Facebook, Twitter oder LinkedIn. Zudem haben wir erst vor Kurzem einen Instagram-Kanal eröffnet. Erst in diesem Jahr haben wir einen interaktiven Film herausgebracht. Außerdem wird jeder, der eine Bewerbung bei uns einreicht, zu einem Test eingeladen, der ermittelt, wie gut er oder sie zu unseren Werten und Überzeugungen passt. Wir suchen nicht nur nach brillanten Akademikern, wir suchen nach Menschen, die zu unserem Auftreten und unserer Kultur passen.

Ist es heute schwerer, gute Praktikanten einzustellen als noch vor ein paar Jahren?

Ja, es wird definitiv schwerer, und dafür gibt es mehrere Gründe. Manche können wir beeinflussen, andere nicht. Wir konkurrieren nicht mehr nur mit anderen Finanzinstituten, sondern auch mit Start-ups, Fintechs und großen Technologieunternehmen. Es geht Praktikanten heute nicht nur um die Größe des Unternehmens, sondern um die Möglichkeiten, im Praktikum etwas zu bewegen.

Wie haben sich die Praktika in den letzten Jahren verändert?

Einer der Hauptgründe für ein Praktikum bei der Deutschen Bank ist, dass wir am Ende unseren Praktikanten einen Vollzeitjob anbieten wollen. Das hat sich nicht geändert. Manche Konzerne stellen eine große Praktikantenklasse ein und übernehmen am Ende trotzdem nur die Hälfte. Wir versuchen, die Klassen auf einer sinnvollen Größe zu halten. Dadurch hat jeder, der ein Praktikum bei uns absolviert, die Chance auf eine Übernahme. Das macht uns attraktiv. Es nehmen auch viel mehr Abteilungen der Bank an dem Praktikantenprogramm teil. In der Vergangenheit waren es eher die traditionellen Abteilungen wie Investmentbanking, Handel und Personalentwicklung, die Praktika angeboten haben. Aber jetzt haben wir zum Beispiel auch eine Nachfrage nach Programmierern. Die Technologieanforderung hat sich in den letzten fünf, sechs Jahren vervierfacht. Außerdem suchen wir Leute, die in der Compliance oder mit Finanzregulierung arbeiten.

Wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus?

Wir stellen sicher, dass der Arbeitsalltag unserer Praktikanten gesund und nachhaltig ist. Manchmal wollen sie sich selbst beweisen, um einen Vollzeitjob zu bekommen. Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass die Balance zwischen wie hart und wann sie arbeiten gehalten wird. Das ist eine wichtige Veränderung gegenüber den letzten Jahren.

Wie viele Praktikanten bekommen anschließend einen Job bei der Deutschen Bank?

Unser Ziel ist es, dass 70 bis 80 Prozent unserer Praktikanten ein Vollzeit-Jobangebot erhalten. Bei den anderen stimmen oft beide Seiten überein, dass eine Stelle nichts für sie wäre.

Wie viele Praktikanten haben Sie?

Ich möchte keine Zahlen nennen, aber ich kann Ihnen sagen, dass unsere jetzige Praktikantenklasse in den USA um 16 Prozent größer ist als die des letzten Jahres. Um Ihnen eine Richtgröße zu geben: Die Zahl der Absolventen, die wir eingestellt haben, liegt bei rund 800.

Was genau machen sie?

Zunächst gibt es Vorgespräche und Arbeit, die er oder sie im Vorfeld erledigen muss. Zudem haben wir eine App, die beim Vernetzen hilft. In den Monaten, bevor sie zu uns kommen, erhalten die Praktikanten Zugang zu unserer Kommunikation, unserem Newsroom, unserem Social-Media-Angebot und den Schulungen. Wir hoffen, dass diejenigen, die keinen finanzwirtschaftlichen Hintergrund haben, so die Fachbegriffe schnell lernen. Und wenn sie im Team sind, bekommen sie ein Projekt. Daran können sie arbeiten, unabhängig davon, ob der zuständige Manager beschäftigt ist oder nicht.

Wie viel verdient ein Praktikant bei Ihnen?

Es kommt darauf an, in welcher Region und in welcher Abteilung sie eingestellt sind. Aber es spiegelt ein Einstiegsgehalt wider. Wir wollen ihnen eine Erfahrung geben, die so realistisch wie möglich ist – als würde der Praktikant Vollzeit arbeiten. Diese Arbeit belohnen wir auch.

Frau Woodhead, vielen Dank für das Interview.

Die Fragen stellten Astrid Dörner und Julian Schwerdt.

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