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Suchen Einsteiger, zahlen sechsstellig

Mann, Wand, Zettel, Analysen [Quelle: pixabay.com]

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Beratungsfirmen haben so viele Stellen ausgeschrieben wie lange nicht mehr. Was Quer- und Direkteinsteiger vor einer Bewerbung wissen sollten.

Für "zwei, drei Jahre" wollte Carolin Eistert zu Beginn ihrer Karriere einen Blick in die Beratungswelt werfen. Mittlerweile sind es 14 Jahre geworden. Im Sommer wurde sie zur Recruitingchefin der Boston Consulting Group (BCG) befördert. "Das Schöne am Beraterjob ist", sagt Eistert, "dass wir an den aktuellen und komplexen Problemen unserer Zeit mitarbeiten und Lösungen dafür finden dürfen." BCG will in diesem Jahr 800 neue Beschäftigte einstellen, mehr als zwei Drittel davon als Berater. Auch die Konkurrenz fahndet nach so viel Personal wie lange nicht.

Knapp 27.000 Stellen wollen die zehn führenden Beratungsfirmen und die zehn führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften im kommenden Jahr besetzen – das zeigte eine Umfrage des Handelsblatts schon im Juni. Viele Consultants schätzen an ihrem Job, dass sie die Größen der Wirtschaft beraten und tiefe Einblicke in Firmen bekommen. Auch finanziell lohnt sich der Job in einer Unternehmensberatung: Auf der höchsten Karrierestufe des Partners winkt ein Grundgehalt von 143.000 Euro – bei den Topberatungen sogar deutlich mehr. Doch wie wird man eigentlich Beraterin oder Berater? Welche Qualifikationen, Fähigkeiten und Charaktereigenschaften sind gefragt?

Diese Beschäftigungsoptionen gibt es

Die deutsche Beraterbranche ist klar mittelständisch geprägt. 25.000 Beratungen zählt der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU), 95 Prozent davon machen weniger als 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz. Die Joboptionen sind vielfältig: 43 Prozent der Firmen sind in der Organisations- und Prozessberatung tätig oder gehören zum Netzwerk der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften wie PwC, KPMG, EY und Deloitte.

Strategieberatungen wie McKinsey, BCG oder Bain machen ein Viertel des Marktes aus. Beratungen mit IT-Schwerpunkt wie Accenture stehen für gut ein Fünftel der Angestellten. Einen kleineren Teil machen Personalberatungen wie Egon Zehnder aus. Insgesamt zählt der Branchenverband hierzulande 185.000 Berater:innen, 57.000 von ihnen sind als Junior Consultants beschäftigt.

Diese Jobs sind gerade vakant

Die Handelsblatt-Umfrage zeigt, dass sich die gewünschten Profile bei den großen Firmen ähneln. Am gefragtesten sind Digital- und Data-Analytics-Talente. So entfällt bei McKinsey die Hälfte der Gesuche auf Beratungsangebote, die es erst seit weniger als fünf Jahren gibt. Gute Jobaussichten haben Spezialisten für Blockchain-Technologien, Cybersecurity oder Künstliche Intelligenz.

Auch Ingenieur:innen und Absolvent:Innen der MINTFächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik) sind gefragt. Gerade Nachhaltigkeitsthemen hätten bei den Beratungen derzeit Hochkonjunktur, weiß Dietmar Fink, geschäftsführender Direktor der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung in Bonn. Hier sind auch Job- und Quereinsteiger willkommen.

Diese Qualifikationen sind nötig

Die komplexe Tätigkeit und die hohen Erwartungen der Kunden erfordern ein abgeschlossenes Studium – idealerweise mit Bestnoten. So erwartet Bain Hochschulabsolvent:innen, die zu den besten 15 Prozent ihres Jahrgangs zählen. Das Studienfach sei dabei "unerheblich", sagt McKinsey-Recruitingchef Mathias Huber. Dass nur Betriebswirt:innen eine Chance haben, sei ein Mythos. Bei McKinsey etwa hat nur knapp die Hälfte der Consultants einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss, der Rest sind Natur- und Geisteswissenschaftler:innen, Ingenieur:innen, Mediziner:innen oder Jurist:innen.

Eine gewisse betriebswirtschaftliche Affinität sollten aber alle Bewerber:innen mitbringen. Vielerorts verlangen die Beratungsfirmen auch profunde Sprachkenntnisse, die Bewerber:innen durch Auslandserfahrungen nachweisen sollten. In die nähere Auswahl schaffen es auch nur solche, die Praxiserfahrungen bei "führenden Unternehmen" gemacht haben, wie etwa Bain es verlangt.

So viel verdienen Berater:innen

Laut Branchenverband BDU kommen Berufseinsteiger:innen als Consultant auf gut 67.000 Euro. Wer bei den Top-Strategieberatungen anheuert, kann mit deutlich höheren Gehältern rechnen. Promovierte Topabsolvent:innen fangen dort schon mal mit einem Jahresgehalt von mehr als 100.000 Euro an. Mit der Hierarchie steigen die Gehälter dann immer weiter: Partner können im Schnitt mit einem Grundgehalt von 143.000 Euro rechnen und kommen mit Bonuszahlungen und Nebenleistungen wie Dienstwagen im Schnitt auf 270.000 Euro.

Die Saläre von Partnern von McKinsey, BCG oder Bain dürften deutlich darüber liegen. Bei Senior Partnern, die ein hohes Geschäftsvolumen verantworten, könne die Bezahlung gar in die Millionen gehen, sagt Branchenexperte Fink. Grundsätzlich gilt: Je höher die Beschäftigten aufsteigen, desto geringer ist der Anteil ihres Fixums. Während Consultants drei Viertel ihrer Bezüge aus ihrem Fixgehalt beziehen, ist es bei Partnern nur noch gut die Hälfte.

Das müssen Quereinsteiger:innen wissen

Die Beratungskarriere muss nicht direkt nach dem Studium beginnen. "Quereinsteiger:innen aus der Wirtschaft, aber auch Jurist:innen oder Mediziner:innen sind für uns sehr interessante Kandidaten, sofern sie exzellente Praxiserfahrungen und Studienleistungen vorweisen können", sagt BCG-Recruiterin Eistert. Auch anderswo sind Quereinsteiger:innen gern gesehen, weil sie Facherfahrungen aus der Praxis mitbringen, die reine Berater:innen nicht haben können. "Beste Chancen haben Kandidat:innen, die ein tiefes Verständnis von einer Branche haben, ein gutes Netzwerk und Führungserfahrung mitbringen", sagt Ralf Strehlau, Präsident des Branchenverbands BDU.

Aber: "Die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Quereinstieg nimmt mit über 40 Jahren deutlich ab", viele Kandidat:innen hätten Schwierigkeiten, sich an die agileren Arbeitsweisen der Beratungsfirmen zu gewöhnen, sagt Strehlau. Älteren empfiehlt er, sich selbstständig zu machen oder als Interimsmanager:in zu arbeiten. Was sich Seiteneinsteiger:innen bewusst machen müssen: Ihr Einfluss ist längst nicht mehr so groß wie als Manager, und die Lorbeeren für mögliche Beratungserfolge heimsen die Klienten ein. Das neue Ziel lautet also: den Kunden erfolgreich machen, nicht sich selbst. Sich das einzugestehen sei für viele Quereinsteiger:innen der größte Stolperstein, sagt ein Branchenkenner.

So klappt ein Direkteinstieg

Ob mit Doktortitel oder als Bachelor oder Master: Die Beratungsfirmen suchen Berufseinsteiger:innen aller Fachrichtungen. Je nach Abschluss gibt es unterschiedliche Einstiegslevel. In jedem Fall gilt: "Berufseinsteiger:innen werden nicht im ersten Jahr vor einem Dax-Vorstand die Präsentation halten", sagt Branchenvertreter Strehlau. Typischerweise arbeiten Einsteiger:innen ihren erfahreneren Kolleg:innen zu, sie recherchieren, erstellen Präsentationen. Durch kleinere Verantwortlichkeiten bei Beratungsmandaten können sie erste Erfahrungen sammeln.

Der Leistungsdruck ist in vielen Fällen hoch. Neben Top-Abschlussnoten öffnen praktische Erfahrungen die Tür zu den Beratungsunternehmen. Student:innen können diese etwa bei studentischen Unternehmensberatungen sammeln. Wer gezielt bei einer bestimmten Beratung anheuern will, sollte sich aber eher um ein Projektpraktikum dort bemühen. Einige Bewerber:innen nutzen ihre Berufserfahrung bei Beratungsfirmen auch als Karrierebeschleuniger, wechseln nach einigen Jahren in die Wirtschaft – und sind dort gern gesehene Kandidat:innen.

Auf diese Eigenschaften kommt es an

Die sogenannten "weichen Anforderungen" klingen zunächst wie kleine Hürden: BCG sucht Nachwuchs, der "Antworten auf die komplexen Fragen unserer Zeit" finden will. Roland Berger sucht gar Kolleginnen und Kollegen, die "Wirtschaft und Gesellschaft prägen möchten". Und McKinsey will Mitarbeitende, "die Spaß haben an intellektuellen Herausforderungen". In der Praxis ist der Job aber extrem herausfordernd. Berater:innen müssen sehr belastbar sein, sind viele Projekte doch stressig, die Büroabende lang und die Kundenanforderungen hoch.

Sie müssen gegenüber Kunden äußerst kompetent auftreten. Einst waren gerade junge Beraterinnen und Berater in vielen Firmen als "Schnösel" verschrien. Doch eine von Arroganz und Hybris geprägte Kultur könne sich heute keine Beratung mehr leisten, sagt Branchenexperte Fink. "Berater:innen müssen kompetent, sympathisch und vertrauenswürdig sein. Das sind heute Kernfähigkeiten." BDU-Präsident Strehlau zählt dazu auch Fingerspitzengefühl, denn Consultants sollten Verständnis für die Nöte der Kunden mitbringen.

Diese Karriereperspektiven gibt es

Fürs Karrieremachen in einer Beratung gab es lange Zeit klare Regeln. Fünf bis sieben Jahre nach dem Einstieg sollte man es bis auf die Topetage der Partner geschafft haben, sonst wurde einem das Ausscheiden aus der Firma nahegelegt. "Up or out" lautete das langjährige Prinzip. Grundsätzlich gilt das gerade bei großen Gesellschaften immer noch, beobachtet Fink. Allerdings gibt es mittlerweile viel mehr Hierarchiestufen und Betätigungsfelder als noch vor 15 Jahren. Einsteiger beginnen meist als "Associates" und werden stufenweise weiterentwickelt.

Selbst bei den Partnern wird heute differenziert: Neben einfachen Partnern gibt es solche mit Kapitalbeteiligung am Unternehmen, darüber stehen mancherorts noch Senior Partner, die die globale Führungseinheit bilden. Jeder Karriereschritt bringt nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Projekt- und Personalverantwortung. Als Partner müssen Beraterinnen und Berater mit ihrem Netzwerk auch dafür sorgen, dass genügend Anschluss- oder Neugeschäft bei den Kunden generiert wird. Viele Beratungen haben aber parallel ein ganz anderes Arbeitsfeld aufgebaut: Für sie arbeiten Produktdesigner:innen, Softwareprogrammierer:innen und andere Expert:innen. Die klassische Beraterhierarchie spielt dort keine Rolle.

So hoch ist die Arbeitsbelastung

Montags um sieben Uhr in den Flieger zum Kunden, donnerstagabends zurück und freitags Bürotag – so sieht der lange gepflegte Arbeitsalltag in vielen Beratungen heute nicht mehr aus. Beratungshäuser und ihre Kunden machten während der Lockdowns die positive Erfahrung, dass sich Projekte auch in die digitale Welt übertragen lassen. Das wird die Arbeitsweise verändern. Viele Beratungen streben eine hybride Arbeitsweise aus persönlichen und virtuellen Treffen an. Für das einstündige Meeting nach New York fliegen – das wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Gerade die Vereinbarkeit von Familie und Job soll damit verbessert werden.

Fakt ist aber auch: Bei Tagessätzen von bis zu 1000 Euro verlangen viele Kunden, dass Berater vor Ort greifbar sind. Auf Partnerebene sind Honorare und Kundenerwartungen in der Regel noch höher. "Der Beraterjob bleibt auch bei hybriden Arbeitsmodellen zeitlich extrem herausfordernd", sagt Branchenkenner Fink. Gerade in den Hochphasen der Projektarbeit sind Beraterinnen und Berater mit einer hohen Wochenarbeitszeit äußerst stark eingespannt. Im Gegenzug schaffen die Beratungen ihnen Freiräume. Wenn es die Lücken in der Auftragsplanung zulassen, können junge Consultants durchaus für mehrere Wochen eine Auszeit nehmen. Oft wird dann auch die Teilnahme an sozialen Projekten gefördert.

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