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Was du über Betriebswirtschaft wissen musst

Quelle: freeimages.com, Autor: lusi

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'BWL-Grundkenntnisse' stand in der Stellenanzeige für deinen Traumjob, und morgen ist das Vorstellungsgespräch. Doch wie war das gleich mit dem Maximalprinzip? Und was ist noch mal ein 'stakeholder'? Eine kleine Einführung - oder Auffrischung.

Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) und die Volkswirtschaftslehre (VWL) sind die beiden Hauptdisziplinen der Wirtschaftswissenschaften. Die Modelle und Methoden der Wirtschaftswissenschaften basieren auf dem Grundsatz, dass Mittel und Waren nicht unbegrenzt verfügbar sind.

Die BWL hat insbesondere das Ziel, Unternehmen bei der Durchführung ihrer betriebswirtschaftlichen Aufgaben zu unterstützen. Sie umfasst den gesamten Prozess unternehmerischer Tätigkeiten von der Planung über die Organisation und die Steuerung bis hin zur Durchführung und Kontrolle.

Mit der Aufteilung in die allgemeine und zahlreiche spezielle Betriebswirtschaftslehren werden die einzelnen Disziplinen der BWL formal voneinander unterschieden. Die ganzheitliche Betrachtung betriebswirtschaftlichen Handelns bleibt aber die wichtigste Aufgabe jeder Unternehmensführung. 

Was ist allgemeine Betriebswirtschaftslehre?

Die allgemeine Betriebswirtschaftslehre (ABWL) ist unabhängig von speziellen unternehmerischen Funktionen oder der Anpassung an die Anforderungen in verschiedenen Branchen. Sie beschäftigt sich mit den übergreifenden Zusammenhängen der verschiedenen Fachbereiche und unterstützt so die Entscheidungsfindung im Unternehmen.

Was ist spezielle Betriebswirtschaftslehre?

Die speziellen Betriebswirtschaftslehren (SBWL) beschäftigen sich mit den individuellen Anforderungen verschiedener Unternehmensbereiche oder -typen.

Die Unternehmensbereiche grenzen die einzelnen Funktionen im Unternehmen branchenübergreifend voneinander ab (zum Beispiel Finanzwirtschaft, internes und externes Rechnungswesen, Produktionswirtschaft, Marketing, Unternehmenspolitik, Informationsmanagement, Personalwesen etc.). Bei der Ausrichtung nach Unternehmenstypen werden alle Funktionen einer bestimmten Branche durchgängig behandelt (zum Beispiel  Handelsbetriebslehre, Industriebetriebslehre, Verwaltungsbetriebslehre, Bankbetriebslehre, Versicherungsbetriebslehre etc.).

Ökonomisches Prinzip

Das ökonomische Prinzip beschreibt die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, die nötigen Mittel zur Erreichung der Unternehmensziele möglichst ideal einzusetzen. Die Ziele (zum Beispiel Nutzen-, Gewinn-, Umsatzsteigerung et cetera) können auf verschiedene Art und Weise erreicht werden:

  • Minimalprinzip: Bei vorgegebenem Ziel ist der Mitteleinsatz so gering wie möglich zu halten.
  • Maximalprinzip: Bei vorgegebenem Mitteleinsatz ist das höchstmögliche Ziel zu erreichen.
  • Optimalprinzip: Weder das zu erreichende Ziel noch die verfügbaren Mittel sind fest vorgegeben. Die Auswahl der besten Handlungsalternative erfolgt über eine Funktion, die die anfallenden Kosten dem erzielbaren Nutzen gegenüberstellt.

Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre 

Logistik

Die Logistik beschäftigt sich mit den Waren- und Informationsflüssen zwischen Lieferanten (Beschaffungsmarkt), Produktion, Lagern und Kunden (Absatzmarkt). Ebenso sind Abfallentsorgung und Recycling ein wichtiges Aufgabengebiet dieser Teildisziplin. Grosvenor Plowman hat mit der Formulierung der so genannten "Seven Rights" eine bekannte Kurzdefinition der Logistik formuliert: Es gilt, das richtige Gut in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden und zu den richtigen Kosten bereitzustellen.

Produktionswirtschaft

Die Produktionswirtschaft behandelt die Planung und Steuerung von Produktionsprozessen sowie deren vor- und nachgelagerte Aufgaben, wie etwa die Bedarfsplanung oder  Qualitätskontrolle. Im Allgemeinen unterscheidet diese SBWL nach der Art der Produkterzeugung zwischen Fertigungs- und Prozessindustrie. In der Fertigungsindustrie werden Produkte in der Regel durch die Montage einzelner Bauteile hergestellt (zum Beispiel Autoindustrie, Maschinenbau et cetera). Die Prozessindustrie erzeugt Waren im Zuge  durchgängiger Produktionsprozesse, die als Ergebnis stets eine bestimmte Menge, wie etwa Gewicht oder Volumen, eines Produktes haben (zum Beispiel Chemie-, Stahl-, Pharmaindustrie et cetera).

Marketing

Das Marketing setzt sich zum Ziel, betriebswirtschaftliche Entscheidungen optimal an den Anforderungen des Marktes auszurichten. Im so genannten Marketing-Mix werden die langfristig geplanten Vorgaben in konkrete Aktivitäten betreffend Produkt (product), Preis (price), Kommunikation (promotion) und Distribution (placement) umgesetzt. Mit der steigenden Bedeutung des Dienstleistungssektors wurde der klassische Marketing-Mix um die Perspektiven Personal, Prozesse und physisches Umfeld erweitert, um die besonders in diesem Industriesektor relevanten Aspekte zu erfassen.

Finanzwirtschaft

Die Finanzwirtschaft beschäftigt sich mit drei wichtigen Aufgaben unternehmerischen Handels: Beschaffung von Kapital, Investition und Risikomanagement. Bei der Finanzierung von Unternehmenszielen kommen zum einen der Absatzmarkt für die eigenen Produkte, aber auch die Mittel des Kapitalmarkts zum Einsatz. Durch die finanzielle Bewertung von  Investitionsalternativen werden Entscheidungshilfen gegeben, wie das Kapital des Unternehmens optimal eingesetzt werden kann. Im Rahmen des Risikomanagements erfasst und bewertet die Finanzwirtschaft die Risiken des unternehmerischen Handels, wie etwa Kredit- und Anlagerisiken, Umweltrisiken oder auch Produkt- und Absatzrisiken. Nach nationalem und internationalem Gesetz (zum Beispiel Aktiengesetz, Sarbanes-Oxley-Act – SOX et cetera) sind zahlreiche Unternehmen gesetzlich verpflichtet, durch gezieltes Risikomanagement den Fortbestand des Unternehmens abzusichern.

Internes und externes Rechnungswesen

Im Rechnungswesen werden Methoden und Werkzeuge entwickelt und benutzt, die es ermöglichen, Finanzströme innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu erfassen und einzelnen Situationen und Positionen zuzuordnen. Das interne Rechnungswesen bildet mit der Kosten- und Erlösrechnung die Grundlage zur Steuerung und Kontrolle unternehmensinterner Leistungserbringung durch das Unternehmenscontrolling.

Das externe Rechnungswesen unterliegt meist handels- und steuerrechtlichen Anforderungen (zum Beispiel Handelsgesetzbuch – HGB, International Financial Reporting Standards – IFRS et cetera) und dokumentiert die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens für Außenstehende. Die wichtigsten Elemente des externen Rechnungswesens sind die Bilanz sowie die Gewinn- und  Verlustrechnung.

Unternehmenspolitik

Mit der Unternehmenspolitik legt ein Unternehmen fest, auf welchen Gebieten es tätig ist und welche Verhaltensgrundsätze für diese Tätigkeiten gelten müssen. Die wichtigste Aufgabe der Unternehmenspolitik besteht darin, den verschiedenen Interessen von Eigentümern (englisch "shareholder") und anderen Anspruchstellern (englisch "stakeholder"; zum Beispiel Angestellte, Kunden, Lieferanten et cetera) gerecht zu werden. In jüngster Vergangenheit sind die Aufgaben der Unternehmenspolitik unter dem Begriff "Corporate Governance" in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt.

Organisation und Personalwesen

Das Organisationsmanagement beschäftigt sich mit der Aufbau- und Ablauforganisation eines Unternehmens, in neuerer Zeit auch mit der Systemkonfiguration. Die Aufbauorganisation, zum Beispiel visualisiert durch ein Organigramm, legt fest, wie einzelne Arbeitsschritte im Unternehmen aufgeteilt werden. Die wichtigsten Bausteine der Aufbauorganisation sind dabei unter anderem  Betriebsstätten und Werke, aber auch kleinere Einheiten wie etwa Abteilungen, Stabsstellen oder Berichtslinien.
Die Ablauforganisation bestimmt und optimiert die Koordination zwischen den Organisationseinheiten zur Erstellung der gesamtbetrieblichen Leistungen. Die resultierende Form von Aufbau- und Ablaufstruktur hat wiederum großen Einfluss auf die Gestaltung und Anpassung der Systemkonfiguration.

Die Systemkonfiguration definiert, welche Arbeitsmittel den einzelnen Einheiten der Aufbauorganisation zur Verfügung stehen und legt fest, wie die Ablauforganisation dadurch unterstützt wird (zum Beispiel durch Kommunikations- und Informationssysteme). Die Hauptaufgaben des Personalwesens liegen in der Personalführung (Personalplanung und -entwicklung, Kommunikation etc.) und der Personalverwaltung (Personaleinsatz und -betreuung, Lohn- und Gehaltswesen etc.). Auch diese Disziplin der BWL unterliegt zahlreichen Gesetzen und Regelungen. International agierende Unternehmen müssen sich dabei mit einer Vielzahl unterschiedlicher Bestimmungen auseinandersetzen, um eine gleiche und faire Behandlung der Mitarbeiter zu gewährleisten.

Informationsmanagement

Informationsmanagement ist einer der am stärksten wachsenden Bereiche in heutigen  Unternehmen. Das Informationsmanagement bekommt insbesondere dann großes Gewicht, wenn es darum geht, Informationen und Daten aus verschiedenen Bereichen und den dort genutzten Informations- und Anwendungssystemen innerhalb eines Unternehmens oder zum Beispiel auch nach Fusionen allgemein zugänglich und auswertbar zu machen.

Die drei Kerninformationstypen, die zur Steuerung eines Unternehmens benötigt werden, sind:

  • Informationen, die eine Aussage über die Zielerreichung der Unternehmensstrategie ermöglichen;
  • Informationen, die zur Erfüllung rechtlicher und anderer Verpflichtungen dienen;
  • Informationen, die die Mitarbeiter des Unternehmens benötigen, um ihre täglichen Aufgaben optimal zu erfüllen.

Das Informationsmanagement ist eine der wichtigsten Querschnittfunktionen im Unternehmen, da es insbesondere durch die Bereitstellung der Informations- und Systeminfrastruktur die Arbeitsgrundlage für die meisten anderen Unternehmensbereiche schafft.

Mit dem Informationsmanagement wird unternehmensweit festgelegt, wie und wo Informationen gespeichert werden, wer Zugang zu diesen Informationen braucht und bekommt und welche Werkzeuge zur Analyse und Nutzung der Daten bereitgestellt werden.

Basiskonzepte

Wertschöpfungskette

Die Wertschöpfungskette entstammt einem Konzept von Michael Porter und beschreibt den Weg eines Produktes oder einer Dienstleistung durch die verschiedenen Wertschöpfungsstufen inner- und gegebenenfalls auch außerhalb des Unternehmens. Die Wertschöpfungskette wird in primäre und sekundäre Aktivitäten unterteilt. Die primären Aktivitäten dienen der eigentlichen Erstellung eines Produktes oder einer Dienstleistung. Die sekundären Aktivitäten sind produktübergreifend und dienen zur Unterstützung.

Angewendet auf konkrete Beispiele gibt die Wertschöpfungskette einen guten Überblick über die einzelnen Aktivitäten eines Unternehmens und deren interne und externe Abhängigkeiten. Eine nähere Untersuchung der einzelnen Aktivitäten im Unternehmen führt häufig zur Identifizierung von Schwachstellen in der Abstimmung der unterschiedlichen Bereiche.

Preispolitik

Die Preispolitik beschäftigt sich maßgeblich mit den zwei wichtigsten Marktfaktoren eines Produkts: der Preisuntergrenze und der Preisobergrenze. Die Preisuntergrenze lässt sich aus den Material- und Produktionskosten der Herstellung berechnen und definiert somit die Gewinnschwelle.

Die Preisobergrenze ist in der Regel marktorientiert und wird unter anderem von den Preisen konkurrierender Unternehmen oder auch dem Kaufverhalten der Kunden beeinflusst. Das Ziel der Preispolitik ist die Maximierung des Gewinns, der mit einzelnen Produkten oder Dienstleistungen erzielt werden kann. Die gängigsten Preisstrategien sind die Festpreisstrategie (Hochpreis- oder Niedrigpreisstrategie), die Wettbewerbspreisstrategie (Preisführer, -folger oder -kämpfer) und die Preisabfolgestrategie (mit der Zeit sinkende oder mit der Zeit steigende Preise; auch als Abschöpfungs- beziehungsweise Penetrationsstrategie bekannt).

Skalen-, Verbund- und Dichtevorteile

In der BWL spricht man von Skalenvorteilen (englisch economies of scale), wenn sich die produzierte Menge über die Zeit stärker vergrößert als die Menge der dafür eingesetzten Mittel. Die häufigsten Ursachen für das Auftreten von Skaleneffekten sind steigende Automatisierung, effizientere Arbeitsteilung und Produktionsstätten sowie die Erfahrungskurve. Skaleneffekte können ein entscheidender Faktor in der Preispolitik sein, ermöglichen sie doch einem Unternehmen, mit der Zeit ein Produkt immer günstiger zu produzieren und somit entweder den Profit zu steigern oder den Preis zu senken.

Darüber hinaus lassen sich Kostenvorteile auch durch effektivere Produktionsmethoden oder eine sinnvolle Erweiterung der Produktpalette erreichen. Realisieren lassen sich diese so genannten Verbundvorteile (englisch economies of scope) beispielsweise durch die Nutzung derselben Produktionsstätten und -mittel für zusätzliche Produkte und Dienstleistungen. Dies führt zu einer Senkung des Anteils der fixen Kosten je Produkt oder Serviceleistung.

Eine dritte Möglichkeit, Kosten zu senken, ergibt sich, wenn die Nachfrage räumlich konzentriert ist. Diese Dichtevorteile (englisch economies of density) lassen sich besonders bei Unternehmen realisieren, deren Produkte und Dienstleistungen im Transport von Gütern bestehen oder vom Anschluss an ein Versorgungsnetz abhängen (zum Beispiel Post- und Paketdienste, Schienen- und Straßenverkehr, Wasser-, Strom- und Gasversorger et cetera).

Erfahrungskurve

Die Erfahrungskurve ergibt sich aus der Betrachtung der Auswirkungen von Skalen-, Verbund- und Dichtevorteilen. Anhand dieses Konzepts lässt sich aufzeigen, dass sich ein möglichst hoher Marktanteil zu Beginn eines Produktlebenszyklus vorteilhaft auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit auswirkt. Wichtig ist bei dieser Betrachtung, dass sich die Erfahrungskurve nicht auf die absolute Produktionsmenge bezieht, sondern auf die kumulierte. Vereinfacht ausgedrückt trägt dies der Tatsache Rechnung, dass man pro produzierter Einheit immer weniger dazulernen und somit optimieren kann. Die Erfahrungskurve ist branchenabhängig und lässt deshalb keine generellen Aussagen zu. Für das produzierende Gewerbe geht man davon aus, dass sich die Produktionsstückkosten bei einer Verdoppelung der kumulierten Produktionsmenge um 20 bis 30 Prozent senken lassen.

Produktlebenszyklus

Das Modell des Produktlebenszyklus beschreibt die typischen Phasen, die ein Produkt oder eine Dienstleistung durchläuft. Es beginnt mit der Entwicklung und endet mit der Ablösung des Produktes durch einen Nachfolger oder den vollständigen Rückzug aus dem Markt.

Das Produktlebenszyklusmanagement (kurz: Produktmanagement; englisch Product life cycle management) ist das Kerngebiet der Produktpolitik eines Unternehmens. Durch dieses wird entschieden, wie ein Unternehmen auf neue Anforderungen mittels Produktinnovation reagiert oder sich durch Produktvariation auf veränderte Bedingungen einstellt.

Eines der wichtigsten Ereignisse im Produktlebenszyklus ist der Durchbruch der Einnahmen-/Ausgabenkurve durch Null, dem so genannten Break-even. Ab diesem Punkt hat das Produkt genug Umsatz erwirtschaftet, um nicht nur die Produktions- und Vertriebskosten zu decken, sondern auch die bis dahin entstandenen Entwicklungskosten. Jedes Unternehmen ist bestrebt, die Phasen des Wachstums und der Reife so lange wie möglich auszudehnen, indem es beispielsweise durch die Preispolitik oder gezieltes Marketing seine Marktposition gegen andere Wettbewerber verteidigt.

Ein oft unterbewertetes Handlungsgebiet des Produktmanagements ist die Sättigungsphase. Gelingt es dem Unternehmen in dieser Phase nicht, durch Diversifikation oder Differenzierung den Rückgang der Verkäufe abzufangen, muss das Produkt konsequent und rechtzeitig aus der Produktion und dem Markt genommen werden, bevor Verluste entstehen. Besonders zu beachten ist dabei, dass sich die durch ein Produkt anfallenden Kosten nicht allein durch die Einstellung der Produktion auf Null reduzieren lassen. Vielmehr fallen die so genannten Verkaufsfolgekosten, wie zum Beispiel Service- und Garantieleistungen oder die Bereitstellung von Ersatzteilen, weiterhin an.

Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) fällt unter das Aufgabengebiet des externen Rechnungswesens und ist neben der Bilanz ein Hauptbestandteil des Jahresabschlusses. Da sich die GuV primär an Empfänger außerhalb des Unternehmens richtet (zum Beispiel Kapitalgeber, Kunden, Lieferanten, Arbeitnehmer et cetera), unterliegt diese zahlreichen nationalen und internationalen handels- und steuerrechtlichen Vorschriften (zum Beispiel Handelsgesetzbuch – HGB, International Financial Reporting Standards – IFRS, International Accounting Standards – IAS, United States Generally Accepted Accounting Principles – US-GAAP et cetera).

Die Rechengrößen der GuV sind die Aufwendungen und Erträge zur Ermittlung des Betriebsergebnisses oder Jahresüberschusses eines Geschäftsjahres. Obwohl diese Größen grundsätzlich periodengerecht erfasst werden müssen, gibt es Unterschiede in den einzelnen Vorschriften, wie das Betriebsergebnis daraus zu berechnen ist. Die US-GAAP schreiben das so genannte Umsatzkostenverfahren (UKV) vor, während das HGB, aber auch die IAS zusätzlich das so genannte Gesamtkostenverfahren (GKV) zulassen.

Der wesentliche Unterschied der beiden Berechnungsmethoden liegt darin, dass das UKV nur die Umsätze und Kosten der in der Periode abgesetzten Produkte und Dienstleistungen berücksichtigt, während das GKV auch Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen einbezieht. Neben der Erfüllung von rechtlichen Anforderungen hat das UKV zudem den Vorteil, dass sich mithilfe der Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung die Ergebnisse über Absatzgebiete, Kundenbereiche oder Unternehmensteile aufgliedern lassen. Im GKV werden Aufwendungen und Erlöse lediglich auf einzelne Kostenarten (zum Beispiel Material-, Personal-, Energiekosten et cetera) aufgeteilt.

Bilanz

Die Bilanz bildet zusammen mit der GuV den Jahresabschluss eines Unternehmens. Wie die GuV auch, richtet sich die Bilanz primär an Empfänger außerhalb des Unternehmens und erfüllt aufgrund ihrer Vergangenheitsorientierung in erster Linie eine Dokumentationsfunktion. Im Gegensatz zur GuV bezieht sich die Bilanz immer auf einen bestimmten Zeitpunkt, den so genannten Bilanzstichtag, und weist die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens zu diesem Zeitpunkt aus. Die Bilanz gliedert sich in Vermögen (so genannte Aktiva) zur Auskunft über die Mittelverwendung und Verpflichtungen (so genannte Passiva) zum Ausweis der Mittelentstehung und der Finanzierung des Unternehmens.

Innerhalb der Aktiva wird das Vermögen in zwei Gruppen aufgeteilt: zum einen das so genannte Anlagevermögen, welches im Unternehmen langfristig verwendet wird, zum anderen das so genannte Umlaufvermögen, welches nur kurzfristig dem Unternehmen zur Verfügung steht. Die Passiva werden in drei Gruppen untergliedert: Das Eigenkapital, welches das von den Anteilseignern eingebrachte Stamm- beziehungsweise Grundkapital zuzüglich den erwirtschafteten Rücklagen und Gewinnen umfasst; die Rückstellungen, welche beispielsweise für Pensionen oder Steuerzahlungen gebildet werden; außerdem das Fremdkapital, welches die von Dritten zur Verfügung gestellten Mittel ausweist.

Analog zur GuV müssen Aufwendungen und Erträge auch bei der Bilanz periodengerecht erfasst werden. Zu diesem Zweck können auf beiden Seiten der Bilanz zusätzlich so genannte Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden, die es ermöglichen, Vermögen und Verpflichtungen der richtigen Bilanzperiode zuzuordnen (zum Beispiel wenn der Zeitpunkt der Lieferung und Rechnungsstellung in eine andere Abrechnungsperiode fallen als der Zahlungseingang).

Wichtige Kennzahlen

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen kommen zum Einsatz, wenn Informationen aus verschiedenen Teilbereichen in einen Bezug zueinander zu bringen sind und damit auswertbar werden. Kennzahlen unterstützen die Entscheidungsfindung vor der tatsächlichen Durchführung unternehmerischer Handlungsalternativen und dienen im gleichen Maß der Kontrolle und Dokumentation derselben. Im Folgenden wird eine Auswahl bekannter betriebswirtschaftlicher Kennzahlen zur Beschreibung der Kapitalstruktur, der Erfolgsmessung und der Rentabilität näher erläutert.

Kapitalstrukturkennzahlen:

  • Eigenkapitalquote: Die Eigenkapitalquote drückt den Anteil der Eigenmittel am Gesamtkapital bzw. der Bilanzsumme eines Unternehmens aus.
    Eigenkapitalquote [%] = ( Eigenkapital / Gesamtkapital ) * 100
  • Fremdkapitalquote: Die Fremdkapitalquote gibt den Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital bzw. der Bilanzsumme an.
    Fremdkapitalquote [%] = ( Fremdkapital / Gesamtkapital ) * 100
  • Verschuldungsgrad: Der Verschuldungsgrad gibt das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital an.
    Verschuldungsgrad [%] = ( Fremdkapital / Eigenkapital ) * 100

Erfolgskennzahlen/Gewinnkennzahlen:

Zur Berechnung des Gewinns eines Unternehmens haben sich zahlreiche Varianten mit unterschiedlicher Zielrichtung und kontextbezogener Aussagekraft entwickelt. Als Ausgangslage dient all diesen Kennzahlen der Jahresüberschuss, der in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen wird.

  • EBT (englisch earnings before taxes) – Ertrag vor Steuern: Im Gegensatz zum Jahresüberschuss ist der Gewinn vor Steuern unabhängig von Steuereffekten wie zum Beispiel Steuernachzahlungen oder Steuerminderung. Er eignet sich daher besser für den Vergleich des Gewinns verschiedener Abrechnungsperioden oder Unternehmensbereiche.
  • EBIT (englisch earnings before interest and taxes): Ertrag vor Zinsen und Steuern. Um die Vergleichbarkeit weiter zu erhöhen, wird zur Berechnung des EBIT der Jahresüberschuss zusätzlich zu den Steuereffekten auch um alle Zinsaufwendungen und -erträge bereinigt.
  • EBITA (englisch earnings before interest, taxes and amortisation): Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte. Diese Kennzahl ist gegenüber dem EBIT zusätzlich noch um die Abschreibungen auf Firmenwerte bereinigt.
  • EBITDA (englisch earnings before interest, taxes, depreciation and amortization): Ertrag vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte. Als Erweiterung zum EBITA wird hier der Gewinn nicht nur um Abschreibungen auf Firmenwerte, sondern um alle Abschreibungen auf Vermögensgegenstände bereinigt. Diese Kennzahl ermöglicht somit den Vergleich von Unternehmen, die nach unterschiedlichsten Gesetzgebungen bilanzieren. Die Aussagekraft des EBITDA ist jedoch umstritten, da er im Vergleich mit dem EBT oder dem EBIT zahlreiche Aufwendungen ignoriert.
  • Geldfluss (englisch cashflow): Der Cashflow wird aus der Differenz von Einnahmen und Ausgaben ermittelt und gibt an, in welchem Umfang ein Unternehmen finanzielle Mittel aus eigener Kraft erwirtschaften kann. Eine genauere Erklärung sowie die bekannten Berechnungsmethoden folgen später.

Rentabilitätskennzahlen

Als Basis zur Berechnung der meisten Rentabilitätskennzahlen wird in der Regel der Gewinn vor Steuern (englisch earnings before taxes – EBT) benutzt. Dadurch wird eine vergleichende Bewertung der Rentabilität verschiedener Unternehmen oder Abrechnungsperioden (zum Beispiel wegen unterschiedlicher Steuergesetze) möglich.

  • Umsatzrendite: Die Umsatzrendite (englisch return on sales) bezeichnet das Verhältnis von Gewinn zu Umsatz innerhalb einer bestimmten Periode.
    Umsatzrendite [%] = ( Gewinn / Umsatz ) * 100
  • Eigenkapitalrentabilität: Die Eigenkapitalrentabilität (engl. return on equity) gibt an, wie hoch sich das Eigenkapital innerhalb einer bestimmten Periode verzinst hat.
    Eigenkapitalrentabilität [%] = ( Gewinn / Eigenkapital ) * 100
    Die Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Unternehmen allein auf Basis dieser Kennzahl ist nur eingeschränkt möglich, da durch die Senkung der Eigenkapitalquote (zum Beispiel durch die Aufnahme von Fremdkapital) die Eigenkapitalrentabilität steigt. Dieser Effekt wird auch als Hebeleffekt (englisch leverage effect) bezeichnet.
  • Gesamtkapitalrentabilität: Die Gesamtkapitalrentabilität (engl. return on investment – ROI) gibt an, wie hoch sich das Gesamtkapital innerhalb einer bestimmten Periode verzinst hat.
    Gesamtkapitalrentabilität [%] = [(Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / Ø Gesamtkapital] * 100
    Da das Gesamtkapital aus Eigenkapital und Fremdkapital besteht, müssen zur Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität sowohl der Gewinn (erwirtschaftet durch den Einsatz des Eigen- und Fremdkapitals) als auch die Fremdkapitalzinsen (an die Fremdkapitalgeber abgeführter Gewinn) mit einbezogen werden. Durch die Verwendung dieser Kennzahl lassen sich die Nachteile der Eigenkapitalrentabilität umgehen.
    Mittels Erweiterung der obigen Formel um
    Umsatzrendite = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / Umsatz und Kapitalumschlag = Umsatz / Ø Gesamtkapital
    erhält man eine ebenfalls weit verbreitete Darstellung zur Berechnung der Gesamtkapitalrentabilität bzw. des ROI.
    ROI [%] = ( Umsatzrendite * Kapitalumschlag ) * 100

Cashflow

Der Cashflow ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die eine Aussage über die Fähigkeit eines Unternehmens erlaubt, die benötigten finanziellen Mittel selbst zu erwirtschaften. Im Zusammenhang mit dem Cashflow spricht man häufig auch vom so genannten Innenfinanzierungspotenzial, das sich aus der Differenz von Einnahmen und Ausgaben innerhalb einer bestimmten Periode ergibt. Als Einnahmen und Ausgaben sind alle Erträge und Aufwendungen zu verstehen, die innerhalb der Periode zu Ein- oder Auszahlungen geführt haben, das heißt zahlungswirksam waren.

Bei der Berechnung des Cashflows im engeren Sinn, dem so genannten Cashflow aus Geschäftstätigkeit oder auch operativer Cashflow, können zwei Methoden angewandt werden: Bei der indirekten Methode werden alle nicht zahlungswirksamen Erträge und Aufwendungen vom Jahresüberschuss abgezogen.

Bei der direkten Methode ergibt sich der Wert aus der Addition der zahlungswirksamen Erträge und Aufwendungen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Varianten von Cashflow-Kennzahlen, die entweder eine Aussage über einen bestimmten Bereich der unternehmerischen Tätigkeit (zum Beispiel Cashflow aus Investitionstätigkeit, Cashflow aus Finanzierungstätigkeit et cetera) oder einen bestimmten Teil des finanziellen Potenzials des Unternehmens treffen sollen (zum Beispiel Free Cashflow – freies Kapital beispielsweise zur Rückzahlung von Krediten oder zur Ausschüttung an Anteilseigner).

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