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Grüne Welle treibt das Geschäft der Berater

Bäume und Windkraftanlage [Quelle: pixabay.com, Autor: RoadLight]

Quelle: pixabay.com, RoadLight

Große Managementberatungen rechnen bis 2026 mit zehn Prozent jährlichem Wachstum. Anbieter wie Kearney, Bain und PwC rüsten sich für das neue Topthema Nachhaltigkeit.

Die deutschen und internationalen Unternehmensberatungen erwarten in den kommenden Jahren einen neuen Boom ihrer Branche. Schon für dieses Jahr gehen die Firmen von einem Umsatzwachstum von rund zehn Prozent aus, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Marktforscher von Lünendonk ergab. Dieses Tempo wollen sie in den kommenden Jahren beibehalten. Bis 2026 sehen die Anbieter Chancen auf jährliche Zuwachsraten von zehn bis elf Prozent. Der Optimismus ist begründet: Zusätzlich zum Dauerbrenner digitale Transformation bringt das nächste große Thema bereits jede Menge Geschäft: der Umbau zu einer klimaschonenden Wirtschaft.

Bis zur Coronakrise hatten die Beratungsgesellschaften in Deutschland bereits zehn goldene Jahre mit jährlichen Rekordumsätzen. 2019 lag das Volumen bei 36 Milliarden Euro. Sie profitierten vor allem vom Beratungsbedarf der Kunden bei der Digitalisierung. Die Pandemie brachte dann aber vielen kleineren, in Deutschland ansässigen Beratern eine Delle, wie die Lünendonk-Rangliste zeigt.

Insgesamt sanken die Umsätze der Branche auf 34,6 Milliarden Euro. Die großen internationalen Gesellschaften steckten das Krisenjahr besser weg. So ist etwa Kearney 2020 in Deutschland um vier Prozent gewachsen. In diesem Jahr will die Beratung nach dem guten Jahresstart stärker zulegen. Digitalisierung und technologischer Wandel blieben Dauerthema bei den Kunden, sagt Martin Eisenhut, Deutschlandchef von Kearney. "Es ist aber bemerkenswert, wie stark in diesem Jahr die Beratung in Nachhaltigkeitsthemen nachgefragt wird."

Nachhaltigkeit als zweiter dominierender Faktor

Konkurrent Bain peilt ein Wachstum von zehn bis 15 Prozent jährlich an. In diesem Jahr werde die Gesellschaft dies bereits weit übertreffen, kündigt Deutschlandchef Walter Sinn an. Auch er ist überzeugt, dass Nachhaltigkeit neben der Digitalisierung zum dominierenden Faktor im Beratungsgeschäft wird. "Öffentlichkeit, Mitarbeiter und vor allem der Kapitalmarkt fordern dies von den Unternehmen ein", sagt Sinn. Dabei gehen die großen Trends oft Hand in Hand, denn beide sind technologiegetrieben.

Beispiel Lieferketten: Viele Unternehmen lassen derzeit ihre Beschaffung weltweit durchleuchten, um sie nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie künftig besser managen zu können. Kearney setzt bei den Kunden dabei Künstliche Intelligenz ein. Mit ähnlichen Computermodellen lassen die Firmen zugleich den CO2- Footprint in ihren Lieferketten abbilden, damit sie bei Emissionssenkungen gezielter eingreifen können. In den Projekten geht es aber nicht allein um weniger Ausstoß von Treibhausgasen. Unternehmen richten Entwicklung und Design neuer Produkte zunehmend an Nachhaltigkeitskriterien aus und binden dabei externe Dienstleister ein.

So hat die Technologieberatung Accenture derzeit ein Großprojekt, bei dem ein Kunde in einigen Jahren 90 Prozent seiner Produkte nachhaltig zertifiziert haben will. Dabei geht es auch darum, wie Produkte von vornherein so gestaltet werden können, dass ihr Material in einer Kreislaufwirtschaft wiederverwendet werden kann. Vielerorts läuft diese Transformation ähnlich wie bei den Digitalisierungsschüben in den vergangenen Jahren: Nach Bestandsaufnahme und Strategieentwicklung werden anschließend die Prozesse in den Unternehmen und deren Organisation umgekrempelt.

PwC hat eine Software entwickelt, mit der Firmen auf Basis verschiedener Szenarien die finanziellen Auswirkungen des Klimawandels darstellen können. Für die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft rückt das gesamte Thema Nachhaltigkeit ins Zentrum ihrer Strategie für die kommenden Jahre, die sie vergangene Woche intern vorstellte. Neben Umweltschutzaspekten geht es um soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung bei den Kunden. Kompetenzen für diese sogenannten ESG-Kriterien will PwC in den kommenden fünf Jahren gezielt ausbauen. Ein großer Teil der angekündigten Investitionen über zwölf Milliarden Dollar fließt dort hinein. Für PwC lohnt sich das Thema ebenso wie für die Konkurrenten EY, KPMG und Deloitte gleich doppelt.

Denn mit einer aktuellen EU-Verordnung werden in den kommenden Jahren wesentlich mehr Firmen verpflichtet, einen detaillierten und nach einheitlichen Kriterien erstellten Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Den sollen dann die Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Abschlussprüfung testieren. Zugleich richten die "Big Four" ihre Consultingeinheiten auf Nachhaltigkeitsberatung bei den Nicht-Prüfungskunden aus. Peter Gassmann, Europachef der PwC-Strategieberatung Strategy&, verantwortet die ESG-Projekte auf globaler Ebene. "In vielen Industrien geht es um gewaltige Transformationen zentraler Prozesse, verbunden mit neuen Technologien, um beispielsweise alternative Energien effizienter zu nutzen", sagt er.

Arbeitsstil der Berater ist im Wandel

Für Beratungsprojekte rund um Green Tech wird PwC laut Gassmann noch mehr Naturwissenschaftler und Ingenieure benötigen. "Deutschland könnte hier als Ingenieurstandort profitieren und für Firmen einen neuen Wettbewerbsvorteil darstellen", sagt er. Damit ist aber auch klar, dass sich der Kampf um die besten Talente zuspitzen wird. Die international tätigen Berater gehen mehrheitlich davon aus, dass die Gehälter in der Branche in diesem Jahr zwischen zwei und sechs Prozent steigen werden, wie die Lünendonk-Studie zeigt. Daneben dürfte sich auch der lange Jahre gewohnte Arbeitsstil der Berater ändern. Üblich war es, dass die Consultants mindestens vier Tage die Woche vor Ort beim Kunden verbringen, in Hochphasen noch mehr.

Während der Pandemie liefen aber laut der Studie drei Viertel der Projekte nur über Videokonferenzen und andere digitale Systeme. In diesem Jahr wird sich dies noch nicht großartig ändern, glauben die Unternehmen. Denn auch die Kunden hätten gute Erfahrungen in der erzwungenen virtuellen Zusammenarbeit gemacht. Doch entspricht es nicht dem Wunsch vieler Berater, ständig nur vor dem Bildschirm im Homeoffice zu sitzen. Zudem wollen gerade bei Großprojekten die Kunden die Experten vor Ort sehen. Die Mehrheit der befragten Berater gibt sich überzeugt: Langfristig werde sich ihre Arbeit zwischen Präsenz und Remote auf 50 zu 50 einpendeln.

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