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Als Biologe in die Unternehmensberatung

Mitarbeiter sehen sich Grafiken in Teammeeting an [Quelle: pexels.com, Fauxels]

Quelle: pexels.com, Fauxels

Beratung ist nur etwas für Wirtschaftswissenschaftler? Von wegen! Biologie-Doktorand Lars Bochmann hat während einer Studienpause ein Praktikum bei der Boston Consulting Group absolviert und Gefallen an der Beratung gefunden.

Nicht im Detail verlieren! Mein Bewerbungsgespräch bei BCG

Als Biologe hatte ich im Rahmen des Studiums kaum Kontakt zur Welt der Wirtschaft. Im Gegenteil, ich konzentrierte mich ganz auf die Forschung, plante schon meine Doktorarbeit. Bei einem Praktikum in einem pharmazeutischen Forschungslabor riet mir jedoch ein Kollege, mir alle Türen offen zu halten und auch mal etwas ganz anderes auszuprobieren, zum Beispiel mal in einer Unternehmensberatung zu arbeiten. Als sich dann bei meinem Wechsel von der Wake Forest University in den USA an das Europäische Molekularbiologische Laboratorium in Italien eine mehrmonatige Studienpause ergab, bewarb ich mich bei der Boston Consulting Group (BCG) für einen Platz als "Visiting Associate" – und erhielt prompt eine Einladung zum Interview.

Mit einem Buch über den Einstieg bei Beratungsunternehmen bereitete ich mich auf die Gespräche vor, hatte aber dennoch große Zweifel, ob ich als Naturwissenschaftler den Fragen und Fallstudien gewachsen sein würde. Am Tag des Interviews fuhr ich nach München ins dortige BCG-Büro. Gemeinsam mit sieben anderen Bewerbern bekam ich zunächst eine etwa einstündige Einführung in die BCG-Welt, bei der wir auch Gelegenheit hatten, unsere Fragen etwa zum Einstiegstraining oder Auslandseinsätzen zu klären.

Anschließend begann das erste meiner drei Interviews. Schon bei meiner Ankunft hatte ich den Lebenslauf meines Gesprächspartners erhalten – er hatte vor seinem Einstieg als BCG-Berater Kulturmanagement studiert. Wir starteten also mit dem gleichen Wissensstand. Zuerst stellte er mir ein paar persönliche Fragen zu meiner Promotion und meinen bisherigen Praktika, dann ging es an die erste Fallstudie: Ich sollte beschreiben, wie ich bei der Gründung eines Taxiunternehmens in München vorgehen würde. Zunächst dachte ich: Von so etwas habe ich doch keine Ahnung, das kann ich nicht beantworten. Dennoch wagte ich einen Versuch: Zunächst wiederholte ich die Aufgabenstellung in meinen Worten, um sicherzugehen, dass ich auch alles richtig verstanden hatte, und begann anschließend, selbst Fragen zu stellen.

Mein Gesprächspartner antwortete bereitwillig und diskutierte mit mir über Steuern und Preisgestaltung. Ich schrieb mit und überlegte laut – und nach und nach entwickelte ich tatsächlich einen Plan, wie ich das Unternehmen aufziehen wollte. Ich merkte, dass es meinem Gesprächspartner dabei gar nicht darum ging, Wirtschaftswissen abzufragen. Vielmehr wollte er sehen, wie ich ein Problem anging, ob ich sinnvolle Fragen stellte und ob meine Vorschläge logisch durchdacht waren.

Nach einer Stunde war das erste Interview beendet. Mein nächster Gesprächspartner stellte mir die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie ein großer Versicherungskonzern seinen Gewinn steigern könnte. Ich stellte fest, dass mich meine Forschungstätigkeit eigentlich sehr gut auf diese Interviews vorbereitet hatte. Auch im Labor stehe ich zunächst vor einer Frage, für deren Beantwortung mir viele Informationen fehlen. Ich diskutiere mit Kollegen, recherchiere in der Fachpresse und beginne, die einzelnen Teilprobleme Schritt für Schritt zu lösen. Dabei muss ich aber immer wieder innehalten und überprüfen, dass ich mich nicht zu sehr in falschen Details verliere und die übergeordnete Frage nicht aus den Augen verliere.

Je länger ich mich mit der Fallstudie beschäftigte, desto sicherer war ich meiner Sache. Und plötzlich hatte ich das Gefühl: Du kannst das hier wirklich schaffen. Meinen nächsten Fall hatte ich dann vier Monate später zu lösen: Diesmal aber nicht mehr für einen fiktiven Kunden, sondern für ein richtiges Unternehmen. Als "Visiting Associate" bei BCG in Düsseldorf.

Von der Laborbank in die Wirtschaft: Mein Praktikum bei BCG

Portfolio-Matrix, Marketing-Mix, Kostenrechnung – für mich als Biologen waren die ersten Tage als Praktikant bei der Boston Consulting Group in Düsseldorf der Eintritt in eine völlig fremde Welt. Nach meinem Studium der Biochemie hatte ich meine Promotion am European Molekular Biology Laboratory in Monterotondo in Italien begonnen und mich vor allem mit der Heilung des Herzens nach einem Herzinfarkt beschäftigt. Doch da ich einmal über den biologischen Tellerrand hinausblicken wollte und Wirtschaft mich schon immer interessiert hatte, nutzte ich eine mehrmonatige Studienpause, um als sogenannter "Visiting Associate" in die Welt der Unternehmensberatung einzutauchen.

Gemeinsam mit meinem Teamkollegen begleitete ich ein großes Chemieunternehmen bei der Neuorganisation seines Sicherheitspersonals und seines medizinisches Dienstes. Ziel des Projekts war es, diese Dienste wieder profitabel zu machen. Meine Aufgabe war dabei, Vorschläge zu entwickeln, wie die einzelnen Prozesse verbessert werden könnten, und zu berechnen, welche dieser Ideen auch zum gewünschten Ergebnis führen würden. Etwa zwei Mal pro Woche traf ich mich mit Mitarbeitern des Kundenunternehmens, um über den Fortschritt des Projekts zu sprechen und offene Fragen zu klären. Zu Beginn war ich in diesen Meetings noch sehr zurückhaltend, doch als ich merkte, dass meine Meinung nicht nur von meinem Teamkollegen, sondern auch von den Kundenmitarbeitern sehr geschätzt wurde, stieg ich immer tiefer in die Diskussionen ein. Schon nach kurzer Zeit leitete ich diese Meetings sogar selbständig, habe also schnell viel Verantwortung übernommen – und vor allem unglaublich viel dazugelernt.

Dass ich kein Wirtschafts- sondern ein Naturwissenschaftler bin, empfand ich dabei nie als Nachteil – im Gegenteil. BCG besetzt die Caseteams bewusst interdisziplinär. Unterschiedliches Fachwissen und verschiedene Fähigkeiten ergänzen sich und führen am Ende zu viel besseren Ergebnissen, als wenn alle von Anfang an in dieselbe Richtung denken. Meine Biologen-Perspektive war daher sogar explizit gewünscht. In fachlichen Diskussionen mit den Kundenmitarbeitern – darunter vielen Medizinern – kam mir mein naturwissenschaftliches Know-how sehr zugute und half mir, sehr schnell den Respekt und das Vertrauen meiner Ansprechpartner zu gewinnen. Vor allem aber die während meines Studiums und meiner Promotion trainierten Fähigkeiten erwiesen sich als äußerst nützlich: Genau wie Forscher stellen auch Berater zunächst Hypothesen auf, wie sie ein bestimmtes Ziel erreichen können. Anschließend spielen sie die verschiedenen Lösungsszenarien durch und leiten von den Ergebnissen schließlich ihre Vorschläge ab.

Außerdem bin ich als Naturwissenschaftler fit im Umgang mit Zahlen und habe keine Schwierigkeiten damit, auch sehr komplexe Sachverhalte auf ein einfaches Niveau herunterzubrechen. Natürlich kam es vor, dass ich manche Spezialfragen etwa zu einer Bilanzanalyse nicht sofort beantworten konnte – doch in solchen Fällen genügte ein kurzer Anruf bei meinem Projektleiter oder einem der BCG-Spezialisten zu diesem Thema. Insgesamt hat bei BCG gerade einmal die Hälfte der Berater Wirtschaftswissenschaften studiert, die übrigen haben die unterschiedlichsten fachlichen Hintergründe – von Maschinenbau bis Psychologie.

Nach sechs Wochen stand dann meine erste Zwischenbewertung an: Mein Projektleiter besprach meine bisherige Leistung mit mir und wir diskutierten, welche Trainings mich noch weiterbringen könnten. Noch heute denke ich oft an die Ratschläge, die er mir damals gegeben hat. Nach meiner Abschlussbewertung bot BCG mir dann an, mich in das Fast Forward- Programm aufzunehmen. Einmal im Jahr treffe ich mich nun mit anderen ehemaligen Praktikanten und BCG-Kollegen. Wir hören Vorträge von Beratern, sprechen über unsere Praktika und die Zeit danach und erfahren, was es Neues gibt bei BCG. Ich nutze diese Chance immer gern, um wieder für ein paar Tage in die Welt der Wirtschaft abzutauchen und in den Gesprächen neue Impulse zu gewinnen – für meine Promotion, aber auch für mich persönlich. 

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