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Müssen Chefs Kontrollfreaks sein?

Sind Sie ein Zwei-Stunden-Chef?

Grupp: Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt zwei Stunden am Tag brauche, um die wichtigsten Dinge zu entscheiden. Wir brauchen Entscheidungen sofort. Nicht-Entscheidung ist die größte Fehlentscheidung. Da bin ich bei Frau Klasing.

Klasing: Es geht aber ja nicht nur ums Entscheiden, Herr Grupp. Es geht auch um Kontrolle. Das ist noch immer das gängige Paradigma für Führung.

Sie haben sich vor 25 Jahren einen Hubschrauber gekauft, um Ihre Verkaufsstellen im Blick zu haben. Müssen Chefs Kontrollfreaks sein, Herr Grupp?

Grupp: Aber ich kontrolliere doch niemanden!

Ihre Mitarbeiter sehen das womöglich anders.

Grupp: Meine Frau ist verantwortlich für alle unsere Testgeschäfte und besucht jedes davon mindestens einmal in der Saison. Ich bin einmal im Jahr, in der Mitte der Saison, vor Ort, um den persönlichen Kontakt zu den Mitarbeitern aufrechtzuerhalten. Das ist ganz wichtig, um sicherzustellen, dass wir auch morgen noch am Markt sind.

Klasing: Absolut. Ich habe während meiner Zeit bei KFC auch regelmäßig die Filialen besucht. Da geht es um Kundenzentriertheit. Der Kunde ist am Ende das, wofür wir aufstehen. Wer nur in der Zentrale sitzt, verliert jegliche Relevanz.

Thelen: Dann erschließt sich mir der Zwei-Stunden-Chef nicht. Wenn Herr Grupp seine Verkaufsstellen besucht, was ich im Übrigen gut finde, dann ist er doch als Chef da.

Klasing: Und das ist gut, solange er nicht anfängt, den Job des Filialleiters zu machen. Als Chef im Kontakt mit dem Geschäft zu sein ist essenziell wichtig. Klar lässt sich alles auch in Tabellen nachlesen. Am Ende brauchen Chefs aber Tuchfühlung mit ihrem Business.

Also kann der Chef doch nicht einfach mal sechs Wochen weg sein.

Klasing: Wenn der Chef niemanden hat, an den er abgeben kann: nein. Das würde im Chaos enden.

Thelen: Und was soll man dann machen? Ich würde die Welt gern entschleunigen, weil ich manchmal ehrlich sagen muss: Ich kann nicht mehr! Unsere Welt ist so schnell. Ich sehe, was die Chinesen bauen, was die Amerikaner bauen. Und ich würde auch gerne zwei Wochen lang nicht erreichbar sein. Geht aber nicht.

Haben Sie einen Tipp, Frau Klasing?

Klasing: Wenn Frank Thelens Unternehmen tatsächlich so aufgestellt ist, dass er der Einzige ist, der den Gesamtüberblick hat, dann würde ich ihm nicht empfehlen, sich länger auszuklinken. Das schreibe ich auch im Buch. Er muss vorher eine Struktur und Kultur schaffen, in der es mehrere zentrale Köpfe gibt, die mit ihren Kompetenzen in der Lage sind, eigenständig Lösungen zu erarbeiten. Ihre Leute brauchen Leitplanken.

Thelen: Das wäre ja toll. Und das hieße ja, ich könnte einen Jeff Bezos, einen Jack Ma kopieren. Aber das ist ja genau das Problem. Es gibt so wenig herausragende Köpfe, die den Überblick behalten und dann in wirklich schwierigen Situationen die richtige Entscheidung treffen.

Klasing: Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie das so ehrlich sagen, Herr Thelen. Es gibt viele Führungskräfte, die denken: Es gibt so wenige geniale Köpfe, und deswegen bin ich selbst unentbehrlich. Ich nenne das im Buch die Ego-Falle.

Und wie kommt man da raus?

Klasing: Die Frage ist doch, ob es einen zweiten Jeff Bezos, Jack Ma oder Frank Thelen braucht, wenn es nur darum geht, mal zwei Wochen nicht erreichbar zu sein. Oder ob Ihr Team nicht auch selbst zu andersartigen, aber ebenfalls guten Lösungen kommen kann und darf.

Grupp: Das ist ja auch unterstützenswert, was Sie sagen, Frau Klasing. Ich sage: Wenn meine Kinder und später Nachfolger nicht in der Lage sind, den Wandel der Zeit rechtzeitig zu erkennen, da können Sie die Uhr nach stellen, dann wird es ein Problem geben.

Können Sie sich zwei Wochen rausziehen?

Grupp: Es wäre fatal, wenn das nicht möglich wäre! Dann hätte ich meine Firma schlecht organisiert. Klar ist, wenn Hirschbrunft ist, bin ich 14 Tage in meinem Jagdhaus im Allgäu. Da gibt es überhaupt keine Diskussion.

Abschlussfrage an die Runde: Werden die besten Deals nach 22 Uhr gemacht?

Klasing: Nein.

Grupp: Sicher nicht.

Thelen: Es wäre Blödsinn zu sagen, nur nach 22 Uhr kommen die guten Deals. Aber ich glaube schon, dass man die besten Deals macht, wenn man auch Deals um 22 Uhr macht.

Frau Klasing, Herr Thelen, Herr Grupp, wir danken Ihnen für das Interview.

Die Fragen stellten Lazar Backovic und Anna Gauto.

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