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Quelle: unsplash.com, rawpixel

Die Unterkunft von Airbnb, das Auto von einer Sharing-Plattform – privat verreisen viele Menschen so. Und dienstlich? Werden wir bald auf Geschäftsreise in Privatappartments schlafen und nach der Tagung noch gemeinsam kochen?

Das Erstaunen war groß, als es um die nächste Führungskräftetagung ging. Kein Hotel, kein Konferenzzentrum, kein Restaurant sollte nötig sein. Stefan Vorndran, der neue Deutschland-Chef des Autovermieters Europcar, legte seinen Mitarbeitern ein Tagungsprogramm vor, das manche wohl mehr als Experimentieranleitung denn als Konferenzplan ansahen. Das Europcar-Management sollte komplett über die Plattform Airbnb organisiert tagen, arbeiten und nächtigen.

Vorndran klingt fast wie ein Pfadfinder, der sich an den letzten, besonders heimeligen Abend am Lagerfeuer erinnert, wenn er an diese Tagung zurückdenkt. "Wir haben zusammen gearbeitet und abends zusammen gekocht und gegessen", schwärmt er. Beiläufig räumt er ein, dass nicht alle Manager in Jubel ausgebrochen waren, als sie von seinem Vorhaben erfuhren. "Zuerst waren einige Kollegen von dem Plan irritiert, am Ende fanden es alle gut." Er selbst nahm die Runde als besonders einfallsreich wahr: "Ich ermutige Teams, unkonventionellere Möglichkeiten zu nutzen. Szenenwechsel können die Produktivität bei der Arbeit heben."

Vorndran ist kein Quereinsteiger, der mit dem Bruch von Konventionen auf sich aufmerksam machen will. Bevor er zu Europcar wechselte, war er 13 Jahre lang Deutschland-Chef des Geschäftsreisedienstleisters BCD Travel. Dort hatte er täglich mit Wünschen und Vorlieben von Reisenden aus hiesigen Unternehmen zu tun. Und mit dem Verlangen der Arbeitgeber, nicht zu viel für Flüge und Übernachtungen zu bezahlen. Dass die Entdeckung von Airbnb sein Sparprogramm ist, bestreitet er. "Wenn wir Airbnb nutzen, geht es uns nicht darum, Kosten zu senken. Ein gutes Appartement für einen Geschäftsreisenden ist auch nicht immer für 50 Euro zu bekommen", sagt er. "Als Unternehmen müssen wir aber die Vorlieben jüngerer Beschäftigter verstehen lernen, um für sie ein attraktiver Arbeitgeber zu sein."

Sharing Economy ist in der Geschäftsreisewelt angegekommen

37 Prozent der Geschäftsreisenden hierzulande geben an, auf privaten Reisen schon mal Plattformen wie Airbnb genutzt zu haben, geschäftlich gilt das für jeden Vierten. Diese Zahlen stammen nicht von Airbnb, sondern vom Deutschen Reiseverband, dem mit Reisebüros und Reisekonzernen vor allem viele Anbieter und Vermittler traditioneller Reisen angehören. Die Sharing Economy, das Geschäft mit dem Teilen von Unterkünften, Räumen und Fahrzeugen, scheint in der Geschäftsreisewelt angekommen. Doch den Weg zu Autoplattformen wie Car-2-go oder Flinkster finden Unternehmen derzeit noch schneller als zu Wohnraumvermittlern.

Airbnb setzt zum Aufholen an. Mit Matthew Ziskie hat der Plattformbetreiber, der einst als unkonventioneller Vermittler von Unterkünften zwischen Privatpersonen begann, einen Verantwortlichen für Kunden, die keineswegs privat unterwegs sind. 2014 habe man begonnen, Airbnb auch auf Geschäftsreisende auszurichten. "Das steht nicht im Widerspruch zur Ursprungsidee von Airbnb", beteuert Ziskie. Mit einem Luftmatratzen-Quartier, mit dem die Airbnb-Gründer einst ihr Geschäft begannen, haben die Angebote zwar nichts zu tun, die Unterkünfte müssten hohen Ansprüchen genügen. "Anders als viele private Airbnb-Nutzer benötigen Geschäftsleute auf jeden Fall W-Lan und die Möglichkeit, rund um die Uhr einzuchecken. Gastgeber kennzeichnen deshalb Unterkünfte, die das ermöglichen", sagt Ziskie. Der Austausch zwischen – nunmehr geschäftlich – Reisenden und Gastgebern soll aber geblieben sein. "Für Geschäftsleute können Reisen sehr einsame Momente mit sich bringen. Viele wünschen sich daher, etwas von der Stadt und den Einheimischen mitzubekommen", sagt Ziskie. Sie könnten zum Beispiel erfahren, wo sie in einer fremden Stadt ein gutes Restaurant für den Abend finden, sich aber auch einfach mal in ihrer eigenen Küche etwas kochen.

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