Partner von:

117 Bewerbungen und viele Absagen

Mädchen Studentin Frau Arbeiten Tisch Büro [Quelle: Pexels.com, Autor: cottonbro]

Quelle: Pexels.com, cottonbro

Für junge High Potentials ist der Jobeinstieg in Corona-Zeiten eine große Herausforderung. Vier Absolventen berichten von ihren Erfahrungen.

Pia-Luise Otte (24)

Vor Corona habe ich mit einem anderen Einstiegsgehalt gerechnet.

Die Wirtschaftspsychologin Pia-Luise Otte hat viel Zeit und Geld in ihre Ausbildung an einer Privatuni in Hamburg investiert. Die Erwartungen an ihren ersten Job hat sie mit jeder Absage nach unten geschraubt. "Ich habe schon während meiner Masterarbeit im Mai angefangen, mich zu bewerben. Wenn mich jemand vor der Coronakrise gefragt hätte, ob ich mir Sorgen um den Berufseinstieg mache, hätte ich 'Nein' geantwortet. Aber jetzt habe ich etwa 40 Bewerbungen geschrieben und immer noch keine Stelle. Die Konkurrenz ist sehr groß, und ich bekomme oft zu hören, dass ich zu wenig Berufserfahrung hätte – auch bei Einsteigerpositionen. Das ist total frustrierend. Mittlerweile sehe ich mich auch in anderen Branchen und Städten um. Vor Corona habe ich mit einem ganz anderen Einstiegsgehalt gerechnet als jetzt. Wenn mich jemand danach fragt, würde ich am liebsten 'egal‘ antworten."

Mareike Kolkmann (27)

Ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt gut bin in dem, was ich mache.

Acht Monate hat die Chemieingenieurin Mareike Kolkmann nach der geeigneten Stelle gesucht. Der lange Bewerbungsprozess hat vor allem ihrem Selbstbewusstsein einen Dämpfer versetzt. "Als ich mein Studium im August 2019 beendet habe, hatte ich richtig Lust, mich zu bewerben und anzufangen zu arbeiten. Aber erst einmal wollte ich die Zeit nach dem Studium genießen. Im Dezember habe ich dann begonnen zu suchen und auch viele spannende Stellen im Bereich Nachhaltigkeit gefunden, die zu mir gepasst hätten. Mit Corona habe ich gemerkt, wie die Anzahl der Stellenausschreibungen abgenommen hat. Die vielen Absagen haben sehr an meinem Selbstwertgefühl genagt. Ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt gut bin in dem, was ich mache. Glücklicherweise habe ich viel Bestätigung von meinem Umfeld bekommen und schließlich hat es geklappt mit meinem Traumjob. Im Oktober fange ich als Projektingenieurin in der Abwasserreinigung an."

Fabian (25)

Fabian möchte nicht, dass ein neuer Arbeitgeber weiß, dass er 117 Bewerbungen schreiben musste, um einen Job zu bekommen. Deshalb haben wir seinen Namen geändert. "Ich habe mein Studium an der Schnittstelle von Wirtschaft und Naturwissenschaften als Jahrgangsbester abgeschlossen. Danach habe ich erst mal als Werkstudent bei einer Unternehmensberatung gearbeitet und damit gerechnet, übernommen zu werden. Als Corona kam, gab es dort aber einen Einstellungsstopp, sodass ich im Mai angefangen habe, mich woanders zu bewerben. Ich habe dann insgesamt 117 Bewerbungen abgeschickt und wurde zu 13 Gesprächen eingeladen. Die Unternehmen haben mir gesagt, dass sie mehr gute Bewerber hatten als in den vorherigen Jahren. Die konnten sich die Rosinen raus picken. Meist gab es dann jemanden, der noch besser war als ich. Aber jetzt habe ich endlich ein Jobangebot, mit dem ich sehr zufrieden bin. Im November soll es losgehen."

Johannes Jerg (26)

Zwei Zusagen, die ich schon vor Corona hatte, wurden wieder zurückgenommen.

Für den Wirtschaftswissenschaftler haben sich in der Coronakrise zwei Zusagen in Absagen verwandelt. Die Zeit der Jobsuche hat er genutzt, um sich selbstständig zu machen. "Da ich während meines Studiums in Mannheim und Ulm schon viele Praktika bei großen Unternehmen gemacht hatte, dachte ich, dass es schon nicht so schwer werden würde mit dem Berufseinstieg. Schon vor Studienabschluss hatte ich einen Arbeitsvertrag vorliegen, den ich aber aus persönlichen Gründen nicht unterschrieben habe. Ich dachte damals, es kommt ja immer noch was Besseres. Zwei mündliche Zusagen, die ich schon vor Corona hatte, wurden wieder zurückgenommen. Dann musste ich 200 Bewerbungen schreiben, um etwas zu finden. In der Zeit habe ich mich selbstständig gemacht und Aufgaben im Lektorat oder beim Homepage-Aufbau übernommen. Das kam bei den Bewerbungen sehr gut an, und ich werde das neben meinem neuen Beruf als Content Manager bei einem Sensorikunternehmen auch weitermachen."

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

Du hast eine zündende Idee für einen Artikel auf e-fellows.net? Schreib für uns als Gastautor. Wir freuen uns auf deine Beiträge!

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.