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Atemlos durch den Job

Kopfhörer, Mann, Bildschirm, Arbeitsplatz, Sonnenuntergang, Musik [Quelle: unsplash.com, Autor: Simon Abrams]

Quelle: unsplash.com, Simon Abrams

Viele Menschen hören beim Arbeiten Musik. Der Neuropsychologe Lutz Jäncke warnt etwa vor den Liedern von Helene Fischer und rät nur zu ganz bestimmter Musik im Büro.

Kopfhörer auf, Musik an und ran an die Arbeit. So sieht der Alltag vieler Menschen im Großraumbüro aus. Steigert das die Konzentration? Oder lenkt der Lieblingssong eher ab? Der Neuropsychologe Lutz Jäncke erklärt, wann Musik hören nützlich sein kann.

Herr Jäncke, Sie erforschen seit vielen Jahren, wie Musik auf das Gehirn wirkt. Was läuft in Ihrem Büro, wenn Sie eine Vorlesung vorbereiten?

Lutz Jäncke: Überhaupt nichts. Ich arbeite im Stillen.

Warum?

So kann ich mich am besten konzentrieren. Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie sich besser konzentrieren können, wenn sie Musik hören. Aber die Wahrheit ist: Musik lenkt vor allem ab. Das Gehirn muss sie verarbeiten. Wer also rechnet und Musik hört, überfordert das Gehirn. Es gibt keine Studie, die belegt, dass das Hören von Musik unsere Leistung steigert. Ich habe mal Studenten für eine halbe Stunde Vokabeln lernen lassen, einmal mit und einmal ohne Musik. Sie schnitten danach zwar ähnlich ab – aber ich konnte sehen, dass ihr Gehirn mit der Musik viel stärker beansprucht war. Auf Dauer macht das müde.

Viele setzen sich im Großraumbüro die Kopfhörer auf, weil die Kollegen ständig quatschen oder das Telefon klingelt. Ein Fehler?

Nein. Manchmal ist Musik das kleinere Übel. Das Großraumbüro ist ein furchtbarer Ort für unser Gehirn. Man wird ständig von Geräuschen und Gesprächen überrascht. Kopfhörer können helfen, um sich abzuschotten. Ob die Musik dann aber besser als das Geplauder der Mitarbeiter ist, hängt von den Liedern ab, die man hört.

Was wäre die richtige Wahl?

Die Musik muss leise, harmonisch und vorhersehbar sein, um das Gehirn möglichst wenig zu beanspruchen. Das heißt: Sie darf nicht überraschen und sie darf nicht allzu viel in uns auslösen. Für den einen ist das ein Klavierkonzert oder ein langsames Gitarrenstück, für den anderen ist es Techno, bei dem sich die Motive immer wiederholen.

Und was wäre eine schlechte Wahl?

Alle Lieder, die in uns Gefühle, Erinnerungen oder Ablehnung auslösen. Niemand könnte eine mathematische Formel entwickeln, während Helene Fischer läuft. Das liegt daran, dass die einen, ihre Fans, sich an das letzte Konzert erinnern, während alle anderen den Schlagerstar vor sich sehen und genervt sein würden. In beiden Fällen hat das Gehirn keine Chance, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Fast automatisch richtet sich die Aufmerksamkeit auf das ausgelöste Gefühl oder die Erinnerung, die in diesem Moment viel attraktiver ist als alles andere.

Was passiert da im Gehirn?

Beim Musikhören gelangen Schallwellen durch das Ohr, die in elektrische Impulse umgewandelt und vom Hörzentrum vorsortiert werden. Von dort aus werden verschiedene Gehirnareale aktiviert. Welche Teile des Gehirns auf welche Weise beansprucht werden, hängt davon ab, was der Hörer mit der Musik verbindet. Menschen hören dasselbe Lied nicht immer gleich. Bei Helene Fischer kann das Gehirn zum Beispiel die Akustik mit dem optischen Bild des Schlagerstars verbinden, sowie mit Emotionen und Erinnerungen. Manch einem läuft vor Glück ein Schauer über den Rücken, weil das Lustzentrum aktiviert wird. Andere empfinden Ekel, der vom Mandelkern, dem Angstzentrum des Gehirns, ausgeht. So arbeiten das Hör- und Sehzentrum, das limbische System, das die Gefühle verarbeitet, und das Gedächtnis zusammen. Daneben kann auch der Geruchssinn aktiviert sein. In dem Fall verbindet man einen bestimmten Geruch oder Geschmack mit der Musik. Und natürlich spricht ein Lied auch die motorischen Felder im Gehirn an, zum Beispiel beim Tanzen oder beim Wippen mit dem Fuß. Musik macht dem Gehirn also an vielen Stellen auf einmal Arbeit.

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