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Hilfe zur Selbsthilfe

Traurig, aber wahr. Manchmal können Begriffe, die eigentlich ins Tierreich gehören, auch auf menschliches Verhalten übertragen werden. Das Wort Mobbing wurde erstmals Anfang der 70er Jahre vom Ethnologen Konrad Lorenz verwendet. Es steht für Angriffe, die Gruppen von Tieren gegen ein einzelnes Tier vornehmen, um es zu verscheuchen. Das englische Verb "to mob" bedeutet so viel wie anpöbeln, angreifen oder schikanieren. 1992 übertrug der aus Deutschland stammende, schwedische Arbeitspsychologe Heinz Leymann den Begriff in die Arbeitswelt. Seine Definition: "Mobbing ist der Prozess konfliktbelasteter Kommunikation am Arbeitsplatz, der sowohl zwischen Kollegen als auch zwischen Vorgesetzten und Untergebenen stattfindet, wobei die angegriffene Person unterlegen ist und von den anderen über die Dauer von wenigstens einem halben Jahr regelmäßig und systematisch angegriffen wird, mit dem Ziel der Ausgrenzung." Seitdem hat das Wort eine unheimliche Karriere gemacht und wird heute oft schon bei kleinen Kabbeleien in den Ring geworfen. Mobbing ist aber nur ein moderner Begriff für ein Phänomen, das es schon immer gab. Geht das Mobbing vom Chef aus, spricht man auch von "Bossing". Das Treten und Hacken unter Führungskräften und auf Vorstandsebene heißt "Chairing". In den letzten Jahren hat sich so etwas wie eine Mobbing-Wissenschaft entwickelt. 

Selbstwertgefühl geschickt dosieren

Wann kann man zum Mobbing-Fall werden? Dafür gibt es viele Ursachen. Sie liegen oftmals in der Unternehmenskultur, sehr oft aber auch an einem selbst. Ohne eigenes Verschulden kann man in die Machtsphäre eines aggressiven Kollegen oder Vorgesetzten geraten, der, unabhängig von der Person, jeden Mitspieler als Bedrohung bekämpft. In anderen Fällen hat man sich durch eigenes, ungeschicktes Verhalten unbeliebt gemacht. Gerade Berufseinsteigern passiert es häufiger, dass sie sich mit allzu besserwisserischen Bemerkungen bei älteren unbeliebt machen. Gefragt ist also eine geschickte Dosierung des Selbstwertgefühls. Mehr zum Thema "Konfliktmanagement" bei e-fellows.net gibt es in der Rubrik "Skills" bei e-fellows.net. >>

Mobbing unter Frauen

Ein weiterer häufiger Opferkreis sind Frauen. Das liegt einerseits an patriarchalischen Firmenstrukturen, andererseits auch an den Frauen selber. Eine Umfrage im Handelsblatt im November 2004 ergab, dass es viele Vorbehalte gegen Frauen in Führungspositionen gäbe, weil sich unter ihnen angeblich am schwersten Karriere machen ließe. Die Schwierigkeiten des eigenen Aufstiegs gäben sie an ihre Untergebenen weiter. Auch das Rivalitätsdenken unter Frauen sei hoch, so dass die Mobbing-Quote mit dem Frauenanteil in einem Unternehmen steige. 

Mobbing-Handlungen aufgelistet

Heinz Leymann sammelte bei seiner Arbeit die Formen des Mobbing und kam dabei auf 45 Mobbing-Handlungen, unterteilt in fünf Hauptgebiete: 

  • Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen. Dazu gehört zum Beispiel, dass einem die Möglichkeit verwehrt wird, sich zu äußern. Auch Anschreien und lautes Schimpfen gehören dazu.
  • Angriffe auf die sozialen Beziehungen. Davon spricht man, wenn man wie Luft behandelt oder weitab von den anderen Kollegen platziert wird.
  • Auswirkungen auf das soziale Ansehen. Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen. Man muss erniedrigende Arbeiten ausführen. Auch Spott und obszöne Beschimpfungen gehören dazu.
  • Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation. Man weist dem Betroffenen keine oder nur sinnlose Arbeitsaufgaben zu.
  • Angriffe auf die Gesundheit. Die extremste Form des Mobbing. Die Androhung körperlicher Gewalt gehört dazu, ebenso wie der Zwang zu Arbeiten mit gesundheitsschädlichen Folgen. 

Sich juristisch wehren

Da viele Mobbing-Handlungen auf einer subtilen Ebene laufen, ist es schwer, sie juristisch nachzuweisen. Wer sich gemobbt fühlt und sich wehren möchte, sollte daher auf diese Liste achten (siehe Link zum DGB unten) und alle Attacken schriftlich festhalten. Wichtig sind auch Zeugen. Beim ersten Auftreten von Schwierigkeiten muss ein Betroffener sich aber immer auch selbstkritisch die Frage stellen, ob und wie weit er selber zur Eskalation beigetragen hat.

Der Gesetzgeber hat der fehlenden juristischen Definition von Mobbing und daraus ableitbaren Rechtsfolgen Rechnung getragen. Seit dem 1. August 2002 gibt es schärfere Bestimmungen für Schadensersatzansprüche von Arbeitnehmern bei sexueller Belästigung und Mobbing. Mehrere Paragrafen im BGB wurden dafür geändert. Unter anderem Paragraf 253, Absatz 2. Damit können Arbeitnehmer auch dann Schmerzensgeld vom Arbeitgeber verlangen, wenn er den gemobbten Untergebenen nicht ausreichend geschützt hat. Damit stehen Vorgesetzte und Arbeitgeber nun auch gesetzlich in der Pflicht. Noch weiter gehen soll das noch zu verabschiedende Antidiskriminierungsgesetz (ADG), eine Vorgabe der EU (siehe Infokasten). Im günstigsten Fall würde damit zweierlei erreicht werden: schnelle und effektive Hilfe für echte Mobbing-Opfer und ein Ende der Mobbing-Hysterie.

Infos zum Antidiskriminierungsgesetz (ADG)

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg ist die Bundesrepublik Deutschland unter Androhung von Geldbußen dazu verpflichtet, drei Richtlinien der EU zum Schutz vor Benachteiligung und Diskriminierung am Arbeitsplatz in innerdeutsches Recht umzusetzen. Sie betreffen den Schutz vor Diskriminierung im Hinblick auf die Merkmale "Rasse", "Ethnische Herkunft", "Religion und Weltanschauung", "Behinderung", "Alter", "Geschlecht" und "Sexuelle Identität". Dafür soll es auf Bundesebene eine Antidiskriminierungsstelle geben (ADSG), in der sich Hilfesuchende im Bedarfsfall wenden können. Es soll auch ein Antidiskriminierungsgesetz (AADG) im Arbeitsrecht geben. Auch sollen Neuregelungen im BGB aufgenommen werden. Über die genaue Umsetzung wird in der Politik noch gestritten. Soll Deutschland lediglich die Richtlinien der EU umsetzen oder noch weitergehende Antidiskriminierungs- maßnahmen ergreifen? Kommen wird das Gesetz aber auf jeden Fall. Mitarbeiter, die sich aufgrund der oben genannten Kriterien gemobbt fühlen, können sich also bald auf das ADG berufen.

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