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Warum du Gates und Buffet nicht kopieren sollst

Manager Mann Büro Schreibtisch  [Quelle: Unsplash.com, Autor: Icons8 team]

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Du schwörst auf die Erfolgsformeln von Top-Managern wie Bill Gates und Mark Zuckerberg? Eine schlechte Idee! Wann goldene Management-Regeln wirklich Sinn machen und warum Führungkräfte einen Bogen um die Westernstadt machen sollen, erklärt Business-Coach Detlef Scheer im Interview. 

Herr Scheer, einer Studie zufolge machen Egoisten leichter Karriere. Eine andere Untersuchung kommt zum Ergebnis, dass Top-Manager warmherziger sind als der Durchschnittsmanager. Wer macht Karriere – der egoistische Einzelkämpfer oder der selbstlose Teamplayer? 

Fragen nach den Eigenschaften erfolgreicher Manager sind oft Wortspielereien. Nehmen Sie zum Beispiel das Wort Egoismus. Ist damit Aggressivität gemeint, wie es in einer der Studien heißt? "CEOs treten eher aggressiver auf und setzen sich an die Spitze. Sie warten nicht, dass ihnen andere die Führung übertragen." Natürlich müssen sich CEOs durchsetzen und als Führungskraft erkennbar sein. Würden sie aber wirklich aggressiv auftreten, müssten sie noch am selben Tag gehen. Man kann allerdings offensiv sein, ohne aggressiv zu wirken.

Mit den Ergebnissen solcher Studien müssen Sie sehr vorsichtig sein. Wenn Sie pauschalisieren, setzt das Schubladen-Denken ein. Das erlebe ich in meinen Coachings sehr oft.

Aber irgendwelche Gemeinsamkeiten müssen Führungskräfte doch haben? Warren Buffett verbringt angeblich fünf bis sechs Stunden pro Tag mit der Lektüre von Tageszeitungen und Geschäftsberichten. Bill Gates liest 50 Bücher im Jahr, Mark Zuckerberg mindestens ein Buch in zwei Wochen.

Sie haben Dschinghis Khan vergessen, ein wahnsinnig erfolgreichen Manager. Ob er allerdings jemals ein Buch gelesen hat, bezweifle ich. Wenn bestimmte Leute Erfolg haben, weil sie viel lesen, bedeutet das eines: Sie sorgen dafür, dass sie neue Impulse bekommen, und setzen wahrscheinlich auf vielseitige Lektüre, um unterschiedliche Assoziationsketten zu bilden.

Ein Management-Mantra à la "Erfolgreiche Menschen lesen viele Bücher" macht nur Sinn, wenn Sie es auf Ihre persönliche Situation und auf Ihre Vorstellung von Erfolg übertragen. Ich lese zum Beispiel gerade "Barking up the Wrong Tree", eine Sammlung erfolgreicher Biographien auf den verschiedensten Gebieten, weil ich das Ziel habe, mein Englisch zu verbessern – ein voller Erfolg also. Wenn Sie allerdings anfangen zu lesen, weil Sie mit dem "Erfolgsrezept von Bill Gates" reich werden wollen, werden Sie vermutlich scheitern. 

Von den goldenen Management-Regeln, die gefühlt jedes Jahr neu aufgestellt werden, halten Sie nichts?

Wenn das gut beschriebene Geschichten sind, können Sie daraus lernen. Sie haben als Kind aus Märchen und anderen Geschichten gelernt, indem Sie diese auf sich selbst und Ihre Situation beziehen konnten. Storytelling ist in Management-Seminaren nicht umsonst sehr beliebt.

Wenn Sie diese Regeln aber verbindlich nehmen und dann auf Ihr Konto sehen und hoffen, dass es um hunderttausend Euro schwerer ist, nur weil Sie diese Regeln gelernt haben, muss ich Sie enttäuschen. 

Was ist denn eine gut beschriebene Geschichte? 

Etwas, das in einem Bereich spielt, den ich kenne, den ich mir gut vorstellen kann oder zu dem ich einen persönlichen Bezug habe. Grob gesagt: Wenn die Erfolgsgeschichte aus dem IT-Bereich stammt, ich aber Cellobauer bin, sollte ich mir vielleicht woanders Anregung holen. Es sei denn ich habe eine Fabrik für Celli mit Roboterfertigung und kann aus der IT etwas für die IT lernen.

Um doch die Erfolgsformel zu finden, hilft vielleicht eine Definition von Management – im Sinne von "Management ist wie …"

Sie wollen eine Definition? Wie wäre es mit: Management ist das Kunststück, Motive, Denk- und Verhaltensstile sowie Kompetenzen von Menschen so zu nutzen, dass die Ziele der sie beschäftigenden Unternehmen oder Organisationen erreicht werden.

Ziemlich lang und kompliziert. Geht es nicht kürzer?

Etwa "Werden Sie einfach erfolgreich"? So einfach ist es nicht. Was ist denn Management? Wenn ich Mitarbeiter steuere, bin ich wahrscheinlich eine Art Sozialmanager, der die verschiedensten Charaktere ausbalancieren muss.

Ein anderes Beispiel: Ich konzentriere mich als Manager nur auf die fachlichen Aspekte. Menschen, die zum letzteren Management-Typus gehören, sind übrigens in den seltensten Fällen gute Führungskräfte – im Gegenteil! Bei ihnen gilt oft das berühmte Peter-Prinzip …    

… welches besagt, dass in einer Hierarchie jeder so lange aufsteigt, bis er eine Position erreicht, in der er inkompetent ist. Bedeutet das, man wird als Führungskraft geboren?

Sicher nicht. Es gibt allerdings Menschen, die ein so stabiles Bündel an verschiedenartigen Interessen besitzen, dass sie keine Lust auf eine Führungsposition haben. Vielleicht auf die Position, aber nicht auf die Tätigkeit.

Ich coache sehr viele Hochbegabte. In dieser Gruppe ist das Ziel "Chef werden" oft nicht attraktiv. Es geht vielmehr darum, interessante Tätigkeiten auszuüben. Andere brennen wiederum dafür, ihre Mitmenschen auszusteuern und zu koordinieren, weil ihnen das schon im Fußballverein Spaß macht. Ob Sie ein kompetenter Chef sind, hängt von Ihren Interessen ab, nicht von Ihren Genen.

Weder das Chef-Gen noch die Erfolgsformel. Gibt es dann Kardinalsünden, die ich als Führungskraft begehen kann?

Den einzigen massiven Fehler, den Sie begehen können, ist, dass Sie nicht auf Ihre Mitarbeiter eingehen. Das heißt: Wenn Sie Entscheidungen treffen, ohne zu wissen, wie diese bei anderen ankommen oder ob Ihre Ziele überhaupt verstanden werden.

Viele Führungskräfte schließen von sich auf andere Menschen. Da werden Motivationsstrategien entwickelt, ohne dass man die Mitarbeiter gefragt hätte, was sie sich eigentlich wünschen.

Ich habe erlebt, dass Belegschaften zum Teambuilding in die Westernstadt gefahren sind, weil der Chef dort Mitglied ist. Da gab es dann Pistolenduelle auf der Straße und das Besäufnis im Saloon. Die Folge: mitleidige Blicke für den Chef, von Teamgeist keine Spur.

Erfolgreiche Manager schließen nicht automatisch von sich auf andere – verstanden. Haben Sie zum Abschluss doch noch eine goldene Management-Regel parat?

Es fällt mir zwar schwer, eine richtige Regel zu formulieren, aber vielleicht könnte sie so lauten: Wer sich selbst gut kennt und weiß, wie er auf andere wirkt, kann andere leichter führen. Wer diese Eigenschaft erfüllt, bei dem machen auch die anderen goldenen Management-Regeln eingeschränkt Sinn, weil er alle Regeln für sich anpassen und verändern kann, bis sie seinem Potenzial, seinen Fertigkeiten und Fähigkeiten entsprechen.

Oder was würden Sie als Mensch mit einer Körpergröße von 1,54 Meter tun, wenn Sie gerade ein Buch lesen, in dem steht, dass Führungskräfte mindestens 1,92 Meter groß sein müssen? High Heels tragen oder wie Napoleon bei öffentlichen Auftritten aufs Podest steigen? 

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