Partner von:

Experten geben Ratschläge

Experten geben Ratschläge

Ich muss Politik und Krieg studieren, so dass meine Söhne die Möglichkeit haben, Mathematik und Philosophie zu studieren. Meine Söhne sollten Mathematik und Philosophie, Handel und Landwirtschaft studieren, so dass deren Kinder berechtigt sind, sich um Malerei, Dichtung, Musik, Architektur, Bildhauerei, Tapeten und Porzellan zu kümmern.

John Adams, 1780

Stehen wir wieder am Anfang dieses Zyklus'? Beginnt jetzt wieder die Zeit der 'harten' Wissenschaften und Berufe, wie sie Adams, der zweite amerikanische Präsident, beschreibt? 

Fette Jahre vorbei

Das Lamento über schlechte Jobchancen ist nur teilweise berechtigt. Wir schreiben zwar nicht mehr das Jahr 2000, als das Arbeitsamt bei einzelnen akademischen Gruppen wie Informatikern oder Ingenieuren noch stolz von Vollbeschäftigung sprach. Dennoch stieg auch in den beiden Folgejahren die Arbeitslosenquote von Akademikern gerade mal auf rund vier Prozent - im Vergleich mit den aktuell über zehn Prozent Erwerbslosen insgesamt also keine schlechte Statistik. 

Studium: beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit

Realismus ist also gefragt. "Noch immer ist das Studium eine der besten Möglichkeiten, sich gegen das Risiko der Arbeitslosigkeit zu versichern", sagt Manfred Bausch, Arbeitsmarktexperte der

Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV). Aufgabe von Politik, Arbeitgebern und auch Eltern sei es, das stärker bewusst zu machen, so Bausch weiter. Natürlich ist es legitim, in konjunkturell schwierigen Zeiten nach den Zukunftsaussichten eines Studiums zu fragen. Auch deshalb, weil man mitten im Studium nicht unbedingt die Schließung des eigenen Fachbereichs erleben möchte. Vor allem aber, weil gute Jobperspektiven natürlich auch motivierend fürs Studium wirken können. 

Was will ich? Was kann ich?

"Es bringt jedoch nichts", so Bausch weiter, "nach den Renditechancen eines Studiums wie Zahnmedizin zu fragen und darüber etwas Wichtiges zu vergessen: das eigene Interesse daran." Bausch: "Zauberformeln haben wir nicht. Aber eines ist sicher: Mehr denn je ist es jetzt wichtig, sich auf das zu konzentrieren was man kann und will. Das ist die beste Grundlage für Erfolg."

Hereinspaziert: Fachfremde willkommen

Erfolg ist das eine - die fachliche Qualifikation das andere. Dabei sollten insbesondere High Potentials nicht vergessen, dass sich Berufschancen zwar einerseits klar an der Nachfrage orientieren. Andererseits ist diese Nachfrage nicht so streng an Fachgrenzen ausgerichtet wie bei anderen Zielgruppen. So zeigen Untersuchungen, dass Informatiker nur rund 40 Prozent der akademisch qualifizierten Fachkräfte

in Computerberufen stellen. Die übrigen 60 Prozent werden dagegen von Ingenieuren und Absolventen anderer Fachrichtungen besetzt. Ein Viertel der Sozialwissenschaftler üben heute betriebswirtschaftliche Tätigkeiten aus. Was die Beispiele zeigen? Überall dort, wo es keine geschlossenen Arbeitsmärkte und damit auch Profile gibt (wie es bei Ärzten, Lehrern oder Juristen der Fall ist), hast du gute Möglichkeiten zum Quereinstieg.

Sollten Studierende heute ihr Fach stärker nach Konjunkturaussichten wählen?

"Genau das haben seit Generationen viele Studierende praktiziert und sind dadurch in den typischen "Schweinezyklus" geraten: Trend-Fächer wie einst Medizin, Lehramt, später BWL und zuletzt Informatik werden aufgrund der angeblich guten Berufsaussichten überrannt von Studienanfängern. Irgendwann gibt es dann eine
 Schwemme von Absolventen, die dann oft gar nicht vom Markt aufgenommen werden. Andererseits wurde 1996 prognostiziert, dass Ingenieure keine Zukunftsaussichten hätten. Das führte dazu, dass es deutlich weniger Studenten gab. Die Studenten, die sich nicht um diese Prognosen kümmerten, sondern unbeirrt ihren Neigungen folgten, können sich heute die Jobs aussuchen und sind sehr gefragt. Wer aus rein taktischen Gründen sein Fach wählt, läuft außerdem Gefahr, in einem falschen Bereich zu landen, in dem er ein Leben lang mittelmäßig oder auch unglücklich bleibt."

Welche Empfehlungen geben Sie Ihren Kunden: auf Prognosen schauen oder sich auf eigene Stärken besinnen? Lässt sich beides kombinieren?

"Natürlich lässt sich beides kombinieren. Meines Erachtens wird die Wahl eines Studienfachs oder einer Berufsausbildung oft von Trends oder Prognosen abhängig gemacht oder unter dem Einfluss der Eltern oder der Freunde getroffen.
 Viele Abiturienten haben beim Beginn ihres Studiums überhaupt keine Ahnung, welchen Beruf sie später ergreifen wollen - was aber die eigentlich entscheidende Frage ist. Ich empfehle: zunächst eine Analyse der eigenen Talente und persönlichen Eigenheiten machen, dann überlegen, welche Berufe dazu passen. Weil sich aber oft die Vorstellung von diesen Berufen erheblich von der Realität unterscheidet, sollte man anschließend unbedingt mit Praktikern sprechen. Mancher Traumjob ist ein verkappter Albtraum..."

Welche Tipps könnten Sie den e-fellows für ihre weitere Karriereplanung geben?

"Bleibt euch treu. Vergesst trotzdem nicht, dass ihr vielleicht irgendwann einmal von einem Beruf leben wollt. Überlegt daher, ob es wichtig ist, das Fachwissen auch praktisch einzusetzen. Überdurchschnittlich gute Bewerber sind aufgrund der Gauß'schen Normalverteilung immer noch selten und daher gefragt. Ich lerne immer wieder sehr erfolgreiche Menschen kennen, die scheinbar
 brotlose Künste studiert haben und damit alle angeblichen Regeln erfolgreicher Karrieren widerlegen. Meines Erachtens wird es in Zukunft aufgrund der Beschleunigung von Prozessen und des Arbeitsmarkts einen Trend zu mehr Offenheit für Seiteneinsteiger geben, weil Fachwissen immer schneller veraltet. Die "Schlüsselqualifikationen" (ich nenne sie: übertragbare Fähigkeiten) und die Persönlichkeit werden daher eine noch größere Bedeutung bekommen als bisher. Und: Konjunkturelle Flauten kommen und gehen...

nach oben
Neue Jobs im E-Mail-Abo

Alle zwei Wochen

Jobs und Praktika

in dein Postfach

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren