Partner von:

Schreiben an der Uni

Bücherstapel

Quelle: Freeimages.com, jpmgrafika

Viele deutsche Studenten haben Schreibschwierigkeiten. Sie schieben ihre Hausarbeiten vor sich her oder fangen gar nicht erst damit an. Fünfzig Prozent aller Uni-Hausarbeiten werden nie abgeschlossen, so der Spiegel.

Schreiben: Ein Problem an deutschen Unis

Experten zufolge scheitert die Hälfte aller Studienabbrecher am Schreiben. In der Philosophie sind es sogar achtzig Prozent. Warum haben deutsche Studenten Schreibprobleme? Drei Punkte machen ihnen das Schreiben schwer: Erstens bereitet sie niemand auf das Schreiben vor. Zweitens machen sie sich falsche Vorstellungen. Drittens sprechen die Studenten nicht über ihre Schreibprobleme. 

Fehlende Vorbereitung

Jeder kennt den Besinnungsaufsatz aus der Schule. Den schreiben die Schüler, bekommen eine Note dafür und vergessen ihn schnell wieder. Wie sie schreiben sollen, sagt den Schülern dabei niemand. Aber gerade das wäre nötig, denn die Universitäten setzen Schreibkenntnisse bei ihren Studenten voraus. Erstsemester müssen also nicht nur neues Fachwissen lernen; sie müssen auch herausfinden, wie man Gedanken in Text umsetzt. Von den Lehrenden erhalten sie meist nur Tipps zum Inhalt einer Arbeit. Wenige deutsche Unis bieten Seminare zum wissenschaftlichen Schreiben an. 

Falsche Vorstellungen

Studierende machen sich ihr eigenes Bild vom Schreiben: Vor vielen steht es wie ein großer Berg, der darauf wartet, abgetragen zu werden. Das Wissen und die Gedanken, die sich zum Thema angesammelt haben, sollen in einem Zug niedergeschrieben werden. Als Ergebnis erwarten die Studierenden einen perfekten Text. Wird ihre Arbeit diesem Anspruch nicht gerecht, sind sie enttäuscht und frustriert. 

Das Problem totschweigen

Viele Studenten glauben, nur sie hätten Schreibprobleme. Ihnen fehlt das Vertrauen zu ihren Kommilitonen, um offen über Schreibschwierigkeiten zu sprechen. Schließlich scheinen die Mitstudenten Probleme dieser Art nicht zu kennen. Das ist ein Trugschluss, der Schreibprobleme verstärkt. Denn von Gesprächen über das Schreiben profitieren alle Beteiligten. 

Zwei grundsätzliche Probleme

Mangelnde Vorbereitung, falsche Vorstellungen und fehlende Kommunikation führen zu zwei grundlegenden Arten von Schreibproblemen. Auf der einen Seite wissen Studierende nicht, wie sie anfangen sollen, zu schreiben. Sie lesen Berge von Literatur und durchforsten mehrere Bibliotheken, finden den Absprung zum eigentlichen Schreiben aber nicht. Auf der anderen Seite gibt es Studierende, die nicht wissen, wann ihr Text abgabebereit ist. Auf der Suche nach Perfektion basteln sie an Details, fügen hier etwas ein und ändern dort einen Absatz. Fertig werden sie jedoch nie. 

Was tun?

Schreibprobleme lassen sich vermeiden, wenn Studierende erfahren, was Schreiben eigentlich ist. Mit Hilfe von Büchern oder in Schreibkursen lernen sie, dass nicht nur Menschen mit einer seltenen Begabung schreiben können. Mit etwas Übung lernt jeder das Schreiben.

Worum geht's?

Das Schreiben dient dazu, eine Sache so klar und verständlich wie möglich darzustellen. Jeder einzelne Schritt des Schreibprozesses muss dazu beitragen. Ist die Gliederung eines Textes unlogisch, können Leser den Inhalt nicht verstehen - egal, wie übersichtlich das Thema ist. Ebenso rettet die beste Gliederung einen schlecht geschriebenen Text nicht. 

Eins nach dem anderen

Einen Text schreibst du nicht in einem Schritt. Deine Arbeit entsteht aus einer Folge von vielen kleinen Abschnitten, die du nacheinander bewältigst. Jeder Abschnitt befasst sich mit einem Teilaspekt des Texts: Steht hier noch der Inhalt im Mittelpunkt, befasst du dich dort mit dem Layout. Am Ende entsteht daraus die fertige Arbeit. 

Den Inhalt vorbereiten

Jeden Text trägt eine Idee oder ein Thema. Das Thema solltest du eingrenzen. Wichtig ist, dass Umfang und Anspruch der geplanten Arbeit entsprechen. Keine Doktorarbeit, schon gar nicht eine Hausarbeit würde dem Thema "Die Filme Hollywoods" gerecht. Grenzt man es ein und macht daraus "Die Symbolik in F.F. Coppolas 'Der Pate'" könnte jedoch eine Hausarbeit daraus werden. Erst wenn das Thema steht, suchst du gezielt nach weiteren Informationen.

Das Gliedern

Hast du genügend Informationen zum Thema gesammelt, bringst du sie im nächsten Schritt in einen logischen Zusammenhang. Die Gliederung zieht sich wie ein roter Faden durch den Text. Sie führt die Leser in das Thema ein, begleitet sie durch die Argumentation und fasst die Antworten am Ende noch einmal zusammen. Die Leser sollten immer wissen, wo im Text sie sich gerade befinden. 

Das Schreiben

Das eigentliche Schreiben beginnt mit der Rohfassung. Dabei hältst du dich an die Gliederung und schreibst alles auf, was dir zu den jeweiligen Punkten in den Kopf kommt. Den inneren Zensor schaltest du aus. Bei der Rohfassung geht es nicht um grammatikalisch perfekte Sätze oder eine treffende Wortwahl. Bringe deine Gedanken einfach zu Papier. Was du jetzt tust, dient nicht nur als bloßer Ausgangspunkt für den fertigen Text. Du testest in der Rohfassung deine Gedanken auf Schwachpunkte und Lücken. Erst in Sprache übersetzt zeigt sich, ob du den Sachverhalt verstanden hast und welche Informationen noch fehlen. Wer früh mit dem Schreiben beginnt, kann Lücken noch rechtzeitig schließen.

Jetzt bearbeitest du den Rohling in mehreren Durchläufen: Musst du die Gliederung noch einmal umstellen? Enthält der Text zu viele Schachtelsätze? Am Ende der Überarbeitungsphase steht das Korrekturlesen. Im eigenen Text übersiehst du leicht Schreib- und Kommafehler. Am besten ist es daher, jemand anderes liest den Text noch einmal durch.

Erstens, zweitens, drittens: die Gliederung der Arbeit

Ordnung ins Chaos

Die Gliederung ordnet Informationen und bringt sie in eine logische Reihenfolge. Maßstab für diese Reihenfolge ist immer das Thema. Sie unterstützt deine Argumentation und bringt den Leser ohne Umschweife zu den Ergebnissen der Arbeit. Die Gliederung erleichtert nicht nur das Lesen; sie hilft auch dem Autor bei seiner Arbeit. Nacheinander kannst du Abschnitt für Abschnitt bearbeiten und behältst so den Überblick. 

Die magische Formel

Einleitung, Hauptteil, Schluss - diese Formel aus der Schulzeit ist auch an der Uni ein guter Ausgangspunkt für eine Gliederung. In der Einleitung gibst du einen Überblick über das Thema und grenzt es ab. Du erläuterst die Methodik und begründest, warum du das Thema nicht auf eine andere Art untersucht hast. In der Einleitung definierst du die zentralen Begriffe der Arbeit. Die Leser erhalten außerdem einen Überblick über die weiteren Kapitel. Der Schluss fasst nicht nur die Ergebnisse deiner Arbeit zusammen. Er muss die in der Einleitung gestellten Fragen so weit wie möglich beantworten. Darüber hinaus nennt er offen gebliebene Fragen. 

Den roten Faden knüpfen

In der Gliederung des Hauptteils deckst du logische Zusammenhänge auf und verbindest die einzelnen Abschnitte des Texts. Dein Ziel: Verständlichkeit. Mehr als drei Gliederungsebenen solltest du daher nicht einführen: die Kapitel, die Unterkapitel und die einzelnen Abschnitte. Je nach Thema oder Fach sind unterschiedliche Gliederungsformen möglich. Umberto Eco nennt drei Grundformen:

  • Mit einer historischen Gliederung lassen sich Sachverhalte chronologisch oder geographisch darstellen. Auch das Verhältnis von Ursache und Wirkung lässt sich mit dieser Gliederungsform verdeutlichen. Die historische Gliederung eignet sich ebenso für Vergleiche zwischen einzelnen Werken oder Situationen.
  • Im Rahmen einer experimentellen Gliederung sammelt man zunächst Beweise für einen bestimmten Sachverhalt. Aus den Beweisen leitet man dann eine Theorie ab.
  • Ist eine Arbeit logisch-mathematisch gegliedert, setzt sie eine bestimmte Theorie voraus. Die Theorie wird genutzt, um einen Sachverhalt zu untersuchen.

Die Mind-Map-Methode

Nicht immer fällt es leicht, einen Text zu gliedern. Besonders schwierig wird es, wenn du bis über beide Ohren im Thema steckst und dir die kritische Distanz fehlt. Die Mind-Map-Technik hilft dir dabei, deinen Text zu gliedern. Mit ihrer Hilfe kannst du Einzelaspekte eines Themas sammeln und Beziehungen zwischen ihnen herstellen. Im Mittelpunkt steht dabei immer das Thema. Du schreibst es auf ein Blatt Papier und sammelst rund herum die relevanten Aspekte. Die unterschiedlichen Ebenen der Argumentation lassen sich auf der Mind-Map graphisch festhalten. Hauptaspekte verbindest du direkt mit dem Zentrum; Unterkategorien hängst du daran an. Eine sinnvolle Mind-Map stellt man selten im ersten Anlauf her. Die bestmögliche Struktur für ein Thema findet sich erst nach mehreren Ansätzen. Hat man sie jedoch einmal aufgeschrieben und in die richtige Reihenfolge gebracht, kann man die Mind-Map meist als fertige Gliederung übernehmen. Schon jetzt solltest du anfangen zu schreiben und die Gliederung ausformulieren. Denn nur auf diese Weise zeigt sich, ob sie wirklich sinnvoll ist. Möchtest du mehr über Mind-Mapping erfahren, dann lies die Top Story über Kreativitätstechniken.

Gewöhnliche Worte für ungewöhnliche Dinge

Kryptisch heißt nicht anspruchsvoll

Komplexe Sätze und geschraubte Formulierungen gelten an den Universitäten als Beleg für ein hohes Niveau. Diese Einstellung ist falsch. Schwierige Dinge kannst du auch mit einfachen Wörtern und Sätzen darstellen. Fachvokabular hingegen gehört in jede wissenschaftliche Arbeit. 

Keinen Schwulst, keine Langeweile

Verständliche Sprache ist anschaulich und kommt ohne überflüssige Wörter aus. Das bedeutet für die Korrektur deines Texts: Streiche allen Ballast. Dazu zählen Füllwörter wie "im Wesentlichen, selbstverständlich, insbesondere, eigentlich, praktisch, unter anderem". Ausdrücke wie "zum Preis von 19 Mark, im Monat Juli, mit Hilfe eines Hammers" lassen sich ohne Verlust kürzen: "für 19 Mark, im Juli, mit einem Hammer".

  • Verwende Adjektive mit Vorsicht. Schnell entsteht Doppeltgemoppeltes wie der "weiße Schimmel" oder die "schweren Verwüstungen".
  • Floskeln und Klischees langweilen. Wendungen wie "das oberste Gebot" oder "sich neue Inhalte erarbeiten" interessieren niemanden und lösen höchstens Gähnen aus.
  • Setze Anglizismen nur ein, wenn es unvermeidbar ist. Wer möchte schon "guiding principles" beachten?
  • Zusammengesetzte Wörter (Komposita) erschweren das Lesen. "Themenbereiche" sind eigentlich nur "Themen" und die "Eigeninitiative" ist nicht mehr oder weniger als die "Initiative". Sind Komposita nicht zu kürzen, füge Bindestriche ein zwischen den Wörtern.
  • Vorsicht beim Gebrauch von Fremdwörtern. Die gängige Form ist nicht immer korrekt. Das Verb "aufoktroyieren" zum Beispiel ist eine Tautologie: "oktroyieren" bedeutet bereits "auferlegen". Also: entweder eine "oktroyierte Lösung" oder eine "aufgezwungene Lösung".
  • Verständliche Sprache ist immer anschaulich. Hohle Wendungen sind es nicht. Zwar decken sie viel ab, aber kein Leser weiß, was hinter der "integrierten Übergangsphase" oder der "konzentrierten Führungsstruktur" steckt.
  • Der Nominalstil, also die Aneinanderreihung von Hauptwörtern, führt deutlich zu einer Erschwerung des Verständnisses. Richtig sollte es heißen: Wenn du Hauptwörter aneinander reihst, machst du deinen Text unverständlich. Kapiert? Verwende besser Verben an Stelle der Hauptwörter. Sie bringen Leben und Bewegung in den Text. Einige Verben fördern aber auch den Nominalstil. Dazu gehören "führen, durchführen, ausmachen, erfolgen, liegen, bestehen, vorliegen, sich befinden, sich ergeben, sich erweisen, ausgehen von, wirken". Zum Beispiel lässt sich der Satz "Die Umsetzung des Plans durch den Personalchef erfolgte im Einkauf" ersetzen durch "Der Personalchef setzte den Plan im Einkauf um."

Labyrinthe sind unerwünscht

Ein klarer Satzbau trägt viel bei zu einem verständlichen Text. So begradigst du deine Sätze: 

  • Faustregel: Sätze sollten nicht länger sein als sieben bis vierzehn Wörter. Das entspricht etwa drei Sekunden, also der Zeitspanne, die Menschen als Gegenwart empfinden. Längere Sätze werden oft nicht mehr verstanden. Allerdings wirkt ein Text aus gleichförmig kurzen Sätzen abgehackt. Das Geheimnis liegt also darin, Satzlängen zu variieren.
  • Schachtelsätze stören den Lesefluss. Am besten lesen sich einfache Hauptsätze. Lassen sich Einschübe nicht vermeiden, hängst du sie an den Hauptsatz an oder stellst sie ihm voraus. Beispiel: Don Vito Corleone, der nur schwarze Anzüge trug, hatte drei Söhne. - Drei Söhne hatte Don Vito Corleone, der nur schwarze Anzüge trug.
  • Zwischen Artikel und Substantiv gehören keine weiteren Informationen. Entweder, du fügst einen Relativsatz ein oder du machst einen ganz neuen Satz daraus.
     Beispiel: Der nur schwarze Anzüge tragende Don Vito Corleone hatte drei Söhne. - Don Vito Corleone hatte drei Söhne. Er trug nur schwarze Anzüge.
  • Klare Texte sind lebendige Texte. Ändere passive Formulierungen daher in aktive um. Beispiel: Nur schwarze Anzüge wurden von Don Vito Corleone getragen. - Don Vito Corleone trug nur schwarze Anzüge.
nach oben

Tipps fürs Studium und

Infos zu Top-Unis - einmal

monatlich in dein Postfach

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren