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"Auf Zucker verzichten"

Plätzchen, Kekse, Zucker, Gesundheit [Quelle: unsplash.com, Autor: Kira auf der Heide]

Quelle: unsplash.com, Kira auf der Heide

Fitnessexpertin und Firmencoach Silke Kayadelen plädiert für einen Abschied vom Zucker im Büro. Im Interview erklärt sie, wie Unternehmen den Wechsel zum gesunden Snack schaffen.

Als Fitness- und Abnehm-Coach berät Silke Kayadelen Unternehmen, die ihren Mitarbeiten Angebote für eine gesunde Ernährung und mehr Bewegung machen wollen. Für den Corporate Health Award ist sie als Botschafterin aktiv.

Frau Kayadelen, müssen Süßgetränke und Schokokekse aus dem Meetingraum verschwinden?

Für mich geht es nicht um die Frage, ob Mitarbeiter in der Firma auch mal einen Schokoriegel oder eine Currywurst essen dürfen. Sondern eher da- rum, ein Bewusstsein für den Status quo zu schaffen: Bei Veranstaltungen gibt es in der Regel immer noch weiße Brötchen mit einer dicken Schicht Butter und Salami. Zum Kaffee stellen die Organisatoren Kondensmilch und Würfelzucker auf den Tisch und daneben eine Schale mit Keksen. Wenn das die ganze Auswahl ist, müssen die Kollegen zwangsläufig dazu greifen. Wenn ich als Chef aber will, dass meine Leute aktiv und konzentriert bei der Sache sind, muss ich ihnen die Möglichkeit geben, sich gut zu ernähren.

Denken nicht viele: Ein Keks zum Kaffee und etwas Zucker können ja kaum ein Problem sein?

Man darf das Thema nicht herunterspielen. Zucker macht nicht nur träge und müde, sondern führt uns immer wieder in Appetitfallen. Wenn ich mir mittags bei der Besprechung nur ein Snickers reinziehen kann, habe ich zwei Stunden später wieder Hunger auf etwas Süßes. Wem als Arbeitgeber die Mitarbeiter am Herzen liegen, muss erkennen: Mit Zucker tue ich meinen Leuten nichts Gutes.

Woran liegt es, dass wir vom Zucker schlapp und unkonzentriert werden?

Wir haben uns daran gewöhnt, permanent Snacks zu essen, anstatt feste Mahlzeiten einzuplanen. Hier eine Fanta, eine Cola, ein paar Kekse und dann ein Schokoriegel: Bei diesem Zwischendurch-Essen kommen erschreckende Mengen zusammen. Und jedes Mal steigt der Blutzuckerspiegel. Die Bauspeicheldrüse reagiert dann und produziert immer wieder Insulin nach, um gegenzusteuern. Das kostet den Körper viel Energie, die er eigentlich besser für den Kopf einsetzen könnte.

Sind nur Obst und Gemüse auf dem Speiseplan nicht auch abschreckend?

Natürlich gibt es Menschen, die das nicht wollen. Aber viel öfter begegnen mir in Unternehmen Mitarbeiter, die wirklich etwas ändern wollen an ihrer Ernährung. Viele fühlen sich unwohl und würden gerne ein paar Kilos verlieren. Wer vom Kopf her bereit ist, etwas zu ändern, wird an das Obst gehen und sich dabei nicht reglementiert fühlen. Ich finde es wichtig, dass Unternehmen die Mitarbeiter abholen, die etwas ändern wollen, und ihnen auch gezielte Angebote machen.

Was empfehlen Sie konkret?

Als Erstes ist es wichtig, Alternativen zu bieten. Denn wir sind alle Gewohnheitstiere: Wer Stress hat oder in einem schwierigen Telefonat steckt, greift unbewusst immer wieder in die Keksdose. Wenn dort geschnittenes Obst steht, nehmen die Mitarbeiter schon einmal weniger Zucker zu sich. Außerdem sensibilisiert man die Leute für das Problem des emotionalen Essens.

Essen aus Frust?

Wir unterscheiden zwei Arten des Essens: aus Hunger und aus emotionalen Gründen. Das Emotionale ist gefährlich: Wer aus Stress, Trauer oder Überforderung isst, will nicht satt werden oder genießen, sondern ein Gefühl betäuben. Und weil das meistens nicht klappt, essen wir zu viel.

Sind alle Menschen auch emotionale Esser?

In meinen Umfragen haben das die meisten Menschen bestätigt, wobei Frauen aus meiner Sicht häufiger betroffen sind. Aber auch abends vor dem Fernseher oder beim Familiendinner essen viele über ihre Sättigungsgrenze hinaus – aus Gemütlichkeit. Das ist auch völlig in Ordnung, solange man sonst darauf achtet, feste Mahlzeiten einzuhalten. Ich würde empfehlen: 20 Prozent emotionales Essen und 80 Prozent aus Hunger.

Lässt sich das so einfach kontrollieren?

Man kann sich daran gewöhnen, nur zu festen Mahlzeiten zu essen und fünf Stunden Pause einzuhalten. Und wer auf Schokolade nicht verzichten will, sollte sie am besten direkt zur Mahlzeit essen. Vielen hilft es, nur leicht zu reduzieren: zwei- bis dreimal pro Woche hochwertige Schokolade zu essen – anstatt jeden Tag einen billigen Riegel. Dann freut man sich auch mehr darauf.

Was empfehlen Sie als Snack für das Meeting?

Ganz einfach lassen sich Kekse entweder durch Vollkornvarianten ersetzen oder direkt durch frisches Obst. Auch sehr lecker sind Bällchen mit Datteln und Feigen. Die schmecken süß, enthalten aber weniger problematischen Zucker. Auch bei den Getränken denken viele Firmen zu kurz, da gibt es entweder Wasser, Saft oder Fanta. In einem Projekt haben wir mit den Mitarbeitern Obst ins Wasser geschnitten – das gibt mehr Geschmack bei weniger Zucker. Solche praktischen Aktionen kommen auch viel besser an als langweilige Vorträge über die Ernährungspyramide.

Wie klappt es denn, auch hartnäckige Zweifler für das Thema Ernährung zu begeistern?

Mit Druck wird es nicht funktionieren. Ganz toll finde ich dagegen kleine Wettbewerbe: Die ganze Firma könnte bei einer Aktionswoche auf Zucker verzichten. Oft bekommen einige Menschen am Anfang Kopfschmerzen, weil sie einen kleinen Entzug durchmachen. Danach haben sich bislang die meisten besser gefühlt.

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