Partner von:

"Ich warne vor zu hohen Erwartungen"

Frau Laptop Handy [Quelle: Pexels.com, Autor: Anna Shvets]

Quelle: Pexels.com, Anna Shvets

Kienbaum-Personalberaterin Eva Haeske-Braun über das richtige Timing für Weiterbildung und den Wert eines MBA-Abschlusses für den Aufstieg ins Topmanagement.

Auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn liefert die Suche nach dem Stichwort "MBA" rund 11,3 Millionen Treffer – davon entfallen jedoch weniger als ein Prozent auf Deutschland. Der aus dem angelsächsischen Bildungssystem stammende Abschluss Master of Business Administration sei für eine Führungskarriere in Deutschland nach wie vor kein Muss, sagt Eva Haeske-Braun, Direktorin bei der Personal- und Managementberatung Kienbaum, im Handelsblatt-Gespräch. Ein weiterführendes Studium könne sich durchaus lohnen – aber eben nicht für jeden.

Frau Haeske-Braun, Sie unterstützen Fach- und Führungskräfte bei der beruflichen Neuorientierung. Wie viele Ihrer Klienten haben einen MBA-Abschluss?

In den deutschen Chefetagen, vor allem im Mittelstand, ist der Titel bislang nur sehr selten anzutreffen. Ich denke, dass ein MBA für eine Karriere in Deutschland noch längst nicht so wichtig ist wie im internationalen Vergleich.

Woran liegt das?

Deutsche Unternehmen rekrutieren sehr erfahrungsbezogen. Fachwissen und relevante Berufserfahrung sind wesentlich wichtiger als ein formaler Abschluss. Funktionswechsel sind in Deutschland die große Ausnahme. Ein Ingenieur aus der Produktion wird vielleicht Werksleiter, aber nicht Marketingchef oder Finanzvorstand. Das ist zum Beispiel in den USA ganz anders. Dort kommt es sehr auf die Persönlichkeit an. Ein gutes MBA-Programm erweitert aber das persönliche Netzwerk und kann die persönlichen Führungsqualitäten durchaus abrunden.

Viele Top-Business-Schools verlangen sehr hohe Studiengebühren. Wird der MBA überbewertet?

Zumindest warne ich vor zu hohen Erwartungen. Ein MBA-Studium kann sinnvoll und hilfreich sein, wenn ich ohne wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund eine Position im Management anstrebe. Wer Unternehmer oder Geschäftsführer werden will, dem rate ich jedoch, die eigenen Ziele und Stärken kritisch zu hinterfragen: Will ich die Verantwortung? Kann ich strategisch denken? Entscheide ich gern selbst? Das Potenzial muss da sein.

Weiterbildungsangebote haben im Zuge der Corona-Pandemie großen Zulauf. Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Zusatzqualifikationen zu erwerben?

Die Weiterbildungsbranche versteht es gut, die Verunsicherung der Berufstätigen in Krisenzeiten für sich zu nutzen. Weiterbildung hat für mich aber nichts mit Krise zu tun, sie ist grundsätzlich sinnvoll – vorausgesetzt, sie passt zu meinen Karrierezielen und Prioritäten. Wer ein Weiterbildungsstudium machen möchte, sollte bedenken, dass er bis zum Abschluss wenig flexibel ist. Ein neuer Job, eine Beförderung oder ein Wechsel ins Ausland sind dann zum Beispiel zeitlich nicht drin.

Aktuell findet Weiterbildung vor allem online statt. Funktioniert das für ein Managementstudium, in dem es ja viel ums Netzwerken und den persönlichen Austausch geht?

Ich denke, mit der richtigen Einstellung kann man viel erreichen. In den vergangenen Monaten haben wir ja erlebt, was digital plötzlich alles möglich ist. Wichtig für MBA-Studenten ist sicherlich, selbst aktiv zu werden und die Komfortzone zu verlassen. Also zum Beispiel auch online gezielt internationale Kommilitonen ansprechen, auch außerhalb der Vorlesungen. Die informelle Kommunikation darf nicht ersatzlos wegfallen, denn dabei gewinnt man Erkenntnisse, die man nicht aktiv abgefragt hätte.

Die Fragen stellte Kirstin von Elm.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

Du hast eine zündende Idee für einen Artikel auf e-fellows.net? Schreib für uns als Gastautor. Wir freuen uns auf deine Beiträge!

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.