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Muss ich witzig sein, um aufzusteigen?

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In der Pandemie legen Manager mehr Wert auf Lockerheit. Selbst Behörden suchen nach Mitarbeitern mit einer "gesunden Portion Humor". Wie man lernen kann, lustig zu sein – ohne schlechte Witze zu reißen.

Andrew Tarvin ist niemand, der herumtrödelt. "Ich bin besessen von Effizienz und Effektivität", sagt er. Tarvin stellt Podcasts auf doppelte Geschwindigkeit - so hört er dieselben Infos in der Hälfte der Zeit. Als Kind stoppte der New Yorker beim Spülmaschineausräumen die Zeit. Zwanzig Sekunden, maß er, könne seine Familie sparen, wenn sie das Besteck auf Tarvins Art einsortierte. Tarvin schrieb einen Plan und pinnte ihn neben die Spülmaschine. "Natürlich hielt sich niemand dran", sagt er.

Tarvins Obsession ist zu einem wichtigen Teil seines Geschäftsmodells geworden. Die Agentur, die er vor zwölf Jahren gegründet hat, heißt "Humor that works" und verkauft ein Konzept, das im wahrsten Sinne des Wortes schwer ernst zu nehmen ist: mehr Witz am Arbeitsplatz. "Unsere aktuelle Arbeitsweise funktioniert nicht", schreibt Tarvin auf der Website seiner Agentur. Es brauche mehr Humor.

Er führe dazu, dass die Menschen konzentrierter zuhörten, dass sie harmonischer zusammenarbeiteten, dass sie einander mehr vertrauten. Tarvin kann aus dem Stegreif noch 27 weitere Vorteile von Humor aufzählen. Der wichtigste ist immer: Humor ist effektiv. Das sagt nicht nur Tarvin, der, seit er als Projektleiter bei Procter & Gamble aufgehört hat, sein Geld mit solchen Aussagen verdient.

Dutzende Studien haben ergeben: Humor hilft bei der Karriere. Kolleginnen und Kollegen, Chefinnen und Chefs erinnern sich eher an humorvolle Mitarbeiter. Außerdem sind sie beliebter als ihre Kollegen und erhalten bessere Bewertungen und dadurch öfter eine Gehaltserhöhung. Im Team stärkt Humor den Zusammenhalt und die Motivation, gleichzeitig hilft er dabei, mit stressigen Phasen umzugehen und Dinge zu benennen, die gerade nicht gut laufen.

Das haben Unternehmen erkannt und suchen immer öfter nach einer "gesunden Portion Humor" in ihren Stellenausschreibungen. Selbst bei einer Verbraucherinsolvenzverwaltung brauchen Bewerber und Bewerberinnen heute nicht nur "Diskretion" und "Fingerspitzengefühl", sondern auch "Energie und Humor". Vom Dax-Konzern Bayer heißt es: "Uns ist sehr daran gelegen, für eine Arbeitsatmosphäre zu sorgen, in der auch Humor eine große Rolle spielt."

Microsoft teilt Ähnliches mit und ergänzt, Führungskräften stehe Humor besonders gut. Andrew Tarvin sagt, jetzt, während der Pandemie, werde erst deutlich, was verlorengehe, wenn der Humor in den Mails und Videokonferenzen vergessen werde - ohne die Kaffeeküchen, Besprechungszimmer, Kantinen und Fahrstühle, wo er vorher zumindest einen kleinen Platz eingenommen hatte. Angespannte Situationen ließen sich nun schwerer auflösen. "Wir haben oft Leute in Seminaren, die sagen: Das ist das erste Mal überhaupt, dass ich in einem Zoom-Meeting gelacht habe", erzählt Tarvin.

Sich auf den Weg in die Buchhandlung zu machen und "Die ultimative Witzesammlung für Erwachsene" zu kaufen oder Sprüche aus dem Internet auswendig zu lernen wie "Was sagt ein Esel zur Giraffe? - Komm mal runter" wäre jedoch die falsche Schlussfolgerung. "Das ist das Schlimmste, was du machen kannst", sagt Tarvin, "und gar nicht effektiv." Humor bedeutet in den meisten Fällen nicht, Witze vorzutragen. Das ist den Experten und auch vielen Führungskräften wichtig zu betonen.

"Auf Knopfdruck lustig zu sein funktioniert nicht", sagt etwa Stefan Lake aus der Personalabteilung von Bayer. "Humor hat viel mit Fingerspitzengefühl zu tun", erklärt die Chefin des Deutschland-Geschäfts von Microsoft, Marianne Janik. Die meisten Menschen spürten sehr schnell, ob etwas aufgesetzt sei. Der Deutschland-Chef des Chat-Dienstes Slack, Oliver Blüher, sagt: "Es geht nicht darum, ständig Witze zu erzählen, sondern darum, Spaß an der Arbeit zu haben."

So pauschal will Eva Ullmann Witze nicht verurteilen. Spricht man mit ihr am Telefon, untermalt sie jede Aussage mit einem Beispielgag – gerade ist es Farin Urlaub, der nun ja eigentlich Farin Quarantäne heißen müsste. Ullmann hat vor 15 Jahren das Deutsche Institut für Humor in Leipzig gegründet und bietet seitdem, wie Tarvin, Seminare zum Thema Humor an. "Ich erzähle sehr gerne Witze", sagt Ullmann, aber sie wisse selbst, dass sie eigentlich nicht besonders gut darin sei. "Also mache ich erst mal das, was ich kann: eine humorvolle Geschichte erzählen."

Es ist ein Tipp, den Ullmann und Tarvin allen geben, die nicht wissen, wie sie anfangen sollen mit dem Humor am Arbeitsplatz. Es gibt ein Youtube-Video von Tarvin, das mehr als sieben Millionen Mal geklickt wurde. Seinen Vortrag beginnt er mit einer Anekdote über seine Großmutter und ihre allerersten SMS an ihn. Es ist kein Brüller, aber die Geschichte erfüllt ihren Zweck: Die Zuhörer entspannen sich, lächeln und bleiben dabei.

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