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Eine Headhunterin im Interview

Wie finden Sie Ihre "Opfer"?

Ursprünglich ist das Headhunting als reine "Executive Search" aus Amerika zu uns herübergeschwappt. Da ging es zunächst vornehmlich um Topmanager. Heute werden auch Jobs im mittleren und im unteren Management, zum Beispiel im Vertrieb, durch Direktansprache von Headhuntern besetzt. Früher wurden die Kandidaten über Telefon oder persönliche Netzwerke identifiziert, heute passiert wahnsinnig viel über das Internet. Das erleichtert die Arbeit sehr, da man potenzielle Kandidaten einfacher erreicht. E-Mail ist in meinen Augen aber nur ein Weg, um den Kontakt anzubahnen. In unserem Unternehmen besetzen wir Positionen in den ersten beiden Führungsebenen. Die Personen, für die wir uns interessieren, haben oft eine Assistentin, die sie hermetisch abriegelt. Die Ansprache erfolgt aber in der Regel telefonisch.

Wie gehen Sie bei der Besetzung weiter vor?

Zuerst nehme ich telefonisch Kontakt auf. Wenn ich dann den Lebenslauf geschickt bekomme und der Kandidat zu dem gesuchten Profil passt, lade ich ihn zu einem Treffen ein. Da ist dann häufig auch ein weiterer Berater dabei. Wir geben dem Kandidaten Informationen über das Unternehmen und die zu besetzende Stelle, sammeln aber natürlich auch unsere Eindrücke von dem Bewerber, den wir bei Eignung dem Klienten vorstellen. Welche konkreten Stärken und Schwächen hat er, wie ist er fachlich, wie persönlich zu beurteilen, passt er auch von der Persönlichkeit in das Unternehmen?

Gibt es Mindesthonorare?

Die Top-Personalberatungen haben feste Mindesthonorare. Es gibt aber viele Headhunter, die auf selbstständiger Basis arbeiten und nicht so strikt sein können. Viele arbeiten auch erfolgsabhängig. Das wird leider immer verbreiteter. Leider, weil es zu weniger systematischem und bei einigen schwarzen Schafen auch zu unseriösem Arbeiten verleitet.

Welche Branchen sind für Sie interessant?

Es gibt inzwischen Personalberatungen für fast alle Branchen und Berufsfelder, ob für Juristen, Journalisten oder Werbeagenturen. Sicher sind ein BWL-Studium und anschließende Berufserfahrung gefragter als irgendwelche Orchideenfächer. Aber es gibt auch Beratungen, die sich zum Beispiel auf das Verlagswesen spezialisiert haben. Da besteht durchaus die Möglichkeit, dass die einen auch anrufen, wenn man Germanistik studiert und zu einem ungewöhnlichen Thema promoviert hat.

Sind auch Hochschulabsolventen schon interessant?

Ja, für mich schon. Ich bearbeite einen Auftrag von einem langjährigen Klienten, der mit uns Top-Young Professionals rekrutiert. Dafür haben wir unter anderem verschiedene Stipendiaten- und Alumni-Netzwerke angesprochen.

Wie verhalte ich mich am Telefon?

Einfach ein ganz normales Gespräch führen! Offen und freundlich sein. Vielleicht auch anbieten, den Lebenslauf zu schicken, als Basis für eine künftige Zusammenarbeit.

Und was macht man besser nicht?

 Jeder Berater windet sich bei der Frage "Wie sind Sie auf mich gekommen?". Da kriegt man in der Regel keine Antwort. Wir kochen zwar auch nur mit Wasser, aber das ist die Mystik, die man sich aufrecht erhält. Ansonsten sollte man nicht zu dick auftragen und nicht übertrieben beschäftigt tun. Manche haben eine eingebildete Art. Da denkt man sich dann: Vielleicht lieber nicht. Sehr viel geht schon über den Eindruck am Telefon. Jeder wird mal in einem blöden Moment erwischt, aber auch das kann man halbwegs freundlich sagen.

Wie kann ich Headhunter aufmerksam machen?

Es ist natürlich einfacher, wenn man schon Berufserfahrung hat. Aber man kann auf die Beratungen zugehen. Ich bekomme mehrere Initiativbewerbungen pro Woche von jungen Talenten. Das kann im Prinzip jeder Absolvent machen. Die kommen dann in unsere Datenbank, in der alles nach funktionalen Tätigkeiten und Branchen festgehalten wird. Im Zweifel rufen wir auch noch zwei, drei Jahre später an. Manchmal kommen auch Leute, die gar nicht passen, dann sagen wir: "Sorry, wir können dir nicht helfen, aber melde dich doch bei dem oder dem."

Hat Headhunting ein Imageproblem?

Das würde ich nicht sagen. Von hundert Anrufen, die ich tätige, bekomme ich in sicher 90 Fällen eine positive Rückmeldung. Fünf sagen, sie hätten generell kein Interesse und höchstens ein, zwei sagen "wie unverschämt, dass Sie mich angerufen haben." Das hängt auch damit zusammen, wie man als Berater auftritt und welche Erfahrungen Einzelne mit Headhuntern gemacht haben. Auch wenn andere Firmen möglicherweise nicht so sauber in der Recherche sind und deswegen durch unpassende Ansprachen Frust erzeugen - wir suchen unsere Kandidaten vorher ganz gezielt aus und freuen uns deswegen über positive Reaktionen und dauerhafte, gute Kontakte.

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Stipendiaten und Alumni von e-fellows.net können kostenlos oder ermäßigt zahlreiche Online-Kurse belegen oder an Seminaren teilnehmen.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Angebote oft mangelhaft

    Ich habe mich neulich bei Xing angemeldet und werde im Sommer mein BWL-Studium abschließen. Ich hatte mein Profil noch nicht ansatzweise ausgefüllt, schon kam die erste Anfrage eines Headhunters, ohne überhaupt etwas über meine Qualifikationen zu wissen. Ich denke es gibt viele schwarze Schafe in dieser Branche. Auf http://www.headhunter-light.de/headhunter-in-deutschland/ fand ich einen Artikel, in dem unter anderem auch steht, dass Akademiker über ihre Position und das Begehren der Unternehmen Bescheid wissen. Ich denke in der Regel, kommen qualifizierte Angebote von Headhuntern erst nach 2 Jahren Berufserfahrung, vorher sind die Jobangebote nicht wirklich gut...meiner Erfahrung nach!

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