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Haben Banker zu Recht einen schlechten Ruf?

Blazer blau Banker Krawatte [Quelle: Unsplash.com, Autor:Markus Spiske]

Quelle: Unsplash.com, Markus Spiske

Sind Finanzmanager auch in Wirklichkeit so skrupellos wie in der Serie "Bad Banks"? Eine Studie aus Mainz scheint das zu bestätigen. Allerdings ist Vorsicht geboten.

Wirtschaftsstudenten, die weniger vertrauenswürdig sind, arbeiten später öfter in der Finanzindustrie. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, an der Finanzwissenschaftler der Universität Mainz beteiligt waren. Haben Banker also zu Recht einen schlechten Ruf?

Die Weltfinanzkrise 2011 habe den Anstoß für seine Forschung auf diesem Gebiet gegeben, sagt Andrej Gill, Professor für Corporate Finance an der Gutenberg-Universität. "Wir wollten verstehen, wie die Skandale in der Finanzbranche – zumindest zum Teil – zustande kommen." Dabei legten die Wissenschaftler den Fokus auf die Frage, welche Menschen von dieser Branche angezogen werden und welche Rolle die Persönlichkeit bei der Berufswahl spielt. Dieser Punkt komme in der Diskussion über Bankenregulierung bisher zu kurz, sagt Gill.

Zusammen mit Kollegen der Universitäten Köln, Bonn und Leuven hat er in einer experimentellen Langzeitstudie die Vertrauenswürdigkeit von Studenten der Wirtschaftswissenschaften und späteren Arbeitnehmern untersucht. 2013 befragten die Forscher zunächst 265 Wirtschaftsstudenten der Universität Frankfurt nach ihren Berufswünschen, sozialen Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmalen.

"Trust Game" mit acht Euro Einsatz

Anschließend nahmen die Studenten an einem verhaltensökonomischen Experiment teil - einem sogenannten Trust Game. Ein Teilnehmer bekam acht Euro und konnte einer zweiten Person einen Betrag zwischen null und acht Euro weitergeben. "Jeder verschickte Betrag wurde von uns verdreifacht", erklärt Gill. Die zweite Person konnte nun entscheiden, wie viel sie der ersten Person zurückgeben wollte. Entscheidend war nach den Worten des Professors, dass die Studenten zu jedem Zeitpunkt über alle Schritte des Experiments Bescheid wussten und dass ihnen am Ende des Versuchs der Betrag wirklich ausgezahlt wurde. So habe man dafür gesorgt, dass sich die Probanden möglichst real verhielten.

Entscheidend war dabei das Verhalten der zweiten Person: Studenten, die einen höheren Betrag zurückgaben, galten als vertrauenswürdiger. "Was wir im ersten Schritt festgestellt haben, ist, dass Personen, die gerne in der Finanzbranche arbeiten wollen, weit weniger zurückgeben und damit weniger vertrauenswürdig sind", sagt Gill. Ihr Vertrauens-Wert lag um ganze 30 Prozentpunkte niedriger als jener der Studenten, die andere berufliche Ziele hatten.

Lohnenswerter Blick auf die Persönlichkeit

In einem zweiten Schritt befragten die Wissenschaftler dieselben Studenten in den Jahren 2019 und 2020 abermals – die meisten von ihnen hatten da bereits eine Anstellung gefunden. Gills Fazit: "Die Leute, die tatsächlich in der Finanzbranche angefangen haben, sind diejenigen, die sich bei dem damaligen Experiment als weniger vertrauenswürdig herausgestellt haben."

Im September haben die Wissenschaftler ihre Studie als Diskussionspapier veröffentlicht. Die Resultate seien mit Vorsicht zu genießen, betont Gill; sie könnten keine allumfassende Erklärung für Skandale in der Finanzwelt liefern. Es habe sich aber gezeigt, dass es lohnenswert sei, einen Blick darauf zu werfen, welche Persönlichkeiten diese Branche anziehe.

Die Wissenschaftler sind außerdem zu dem Ergebnis gekommen, dass es gerade das hohe Einkommen sei, das für Berufseinsteiger in der Finanzindustrie ausschlaggebend sei. Ein erster Schritt, um in Zukunft mehr vertrauenswürdige Mitarbeiter anzuziehen, könnte nach Gills Meinung deshalb sein, in der Branche über eine andere Bezahlung nachzudenken.

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