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Reden. Aber richtig

Was also tun, wenn Jochens Urlaubswünsche platzen, weil Sabine sie sich nicht leisten kann? Oder wenn Sabine merkt, dass Jochens Lebenswandel ihr ganzes Gehalt aufzehrt? So wichtig Kommunikation auch ist – Hartmann warnt vor Gesprächen im Affekt. "Es ist wenig zielführend, wenn Jochen Sabine mit seiner ersten, ungefilterten Enttäuschung konfrontiert, oder wenn Sabine nach dem Öffnen der Kontoauszüge ihren Frust direkt an Jochen auslässt."

Dein Thema, mein Thema

Aus Sicht der systemischen Beratung sollten sich beide Partner stattdessen zuerst mit den eigenen Emotionen auseinandersetzen: Was genau stört einen? Und wichtiger: Warum tut es das? Antworten finden sich oft dort, wo Erwachsene sie nicht vermuten: im Elternhaus – auch und gerade beim Thema Geld. Denn jeder Mensch ist geprägt von Glaubenssätzen und Botschaften, die er als Kind (non-)verbal mit auf den Weg bekommen hat. Es kann die Mutter gewesen sein, die ihrer Tochter predigte, auf eigenen Beinen zu stehen. Oder der Unternehmervater, der dem Sohn vorlebte, als Mann Vermögen aufzubauen und zu hüten.

Diese Glaubenssätze sind es, die in den Augen der Systemtherapie alle weiteren Beziehungen beeinflussen. Wem die Botschaft "Mach dich nicht abhängig" in Fleisch und Blut übergegangen ist, den wühlt es auf, kein eigenes Vermögen aufzubauen. Und wer sein Leben nach materiellem Wohlstand ausrichtet, wird unzufrieden, wenn Statussymbole wie ein teurer Urlaub auszufallen drohen. Ein Problem der Beziehung ist das erst einmal nicht. Noch weniger ist es eines des Partners. Es ist zuallererst ein Umstand, mit dem sich jeder Mensch alleine auseinandersetzen muss.

"Wenn zwei fremde Menschen eine Verbindung eingehen, dann treffen unterschiedliche Systeme aufeinander, unterschiedliche Werte, Vorstellungen und moralische Prägungen", erklärt Alexandra Hartmann. "Bevor ein Mensch diese – wie wir in der Beratung sagen – Glaubenssätze nicht verstanden hat, kann er sein Verhalten weder verstehen noch beeinflussen. Er wird von etwas gelenkt, dessen er sich nicht bewusst ist und dem er nicht entgegensteuern kann. Hat er diese Glaubenssätze aber reflektiert, kann er überlegen, ob er sich von ihnen weiterhin prägen lassen möchte – oder ob es nicht Zeit ist, zu entrümpeln und eine eigene, andere Einstellung entwickeln."

… unser Thema

Kann Jochens Jagd nach Statussymbolen also als Relikt der Vergangenheit "entrümpelt" werden? Kann Sabine Vertrauen lernen und ihr finanzielles Schicksal ein stückweit in die Hände ihres Manns legen? Antworten kosten Zeit und Mühe – doch sie sind der erste Schritt auf dem Weg zur Einigung. "In vielen scheinbar ausweglosen Situationen kann jetzt plötzlich ein Konsens gefunden werden", berichtet Hartmann aus der Praxis. Wenn Jochen und Sabine sich vom internalisierten Blick der Herkunftsfamilie lösen, können sie ihre eigenen Regeln für ihre eigene Familie aufstellen. "Die Möglichkeit einer Einigung ist immer größer, als das Paar zu Anfang dachte", beruhigt Hartmann. "Aber es ist auch möglich, dass zwei Menschen feststellen, dass ihre Vorstellungen tatsächlich unvereinbar sind. In solchen Fällen kommt es leider zur Trennung."

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