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An Aktien führt kein Weg vorbei

Aktie, Kurs, Geldanlage, Börse [Quelle: unsplash.com, Autor: rawpixel]

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Der bekannte Vermögensverwalter Bert Flossbach erwartet, dass der Deutsche Aktienindex in den nächsten zehn Jahren auf mindestens 20.000 Punkte ansteigt. Die Zinsen bleiben hingegen seiner Ansicht nach auf absehbare Zeit sehr niedrig.

In diesem Jahr feiert der unabhängige Vermögensverwalter Flossbach von Storch sein 20-jähriges Firmenbestehen. Zeit also für Bert Flossbach, Jahrgang 1961, als einer der Gründungsväter neben seinem Freund Kurt von Storch nach zwei Jahrzehnten auf die Anfänge des Unternehmens zurückblicken. "Wir sind mit der Mission an den Start gegangen, Anlegern zu helfen, ihr Geld langfristig vernünftig anzulegen", sagt der Geldmanager im Gespräch mit dem Handelsblatt in der Zentrale im 26. Stockwerk des "Triangle"-Hochhauses im Kölner Stadtteil Deutz.

Auch wenn es gegenwärtig turbulent zugeht an den globalen Wertpapierbörsen: Auf lange Sicht gibt es für die Anlageprofis vom Rhein keine vielversprechende Alternative zur Aktie. "Seit dem Sommer haben wir die Aktienquote in unserem Multiple-Opportunities-Fonds von 66 auf 72 Prozent erhöht. Langfristig sehen wir wenig Alternativen zu Aktien", sagt Flossbach, der über Portfoliomanagementkonzepte für Privatanleger promovierte. Im Moment sei viel Negatives in den Kursen eingepreist. Aus der Zentrale des 103 Meter hohen Wolkenkratzers schaut er auf den direkt gegenüberstehenden Kölner Dom auf der anderen Rheinseite. Dies mahne ihn immer wieder zu Demut und rufe in Erinnerung, dass "wir alle nur kleine Räder im großen Triebwerk der Finanzwelt sind".

Und Flossbach zeigt Mut. Für das nächste Jahrzehnt sagt er rosige Zeiten für Aktien voraus. "In zehn Jahren steht der Dax über der Marke von 20.000 Punkten, da bin ich mir relativ sicher. Fast die Hälfte des Anstiegs resultiert dabei allein aus den Dividenden", urteilt der Mann, der lange Jahre für die Matuschka-Gruppe sowie für die wohl bekannteste und teilweise sicherlich berüchtigte US-Wall-Street-Bank Goldman Sachs gearbeitet hat. Ein Stück Wall Street hängt auch an Flossbachs Wänden, wo Gemälde des Malers Jens Bommert, die das New Yorker Börsenparkett darstellen, zu sehen sind.

Die Anleger jedenfalls haben die Ideen des größten unabhängigen deutschen Fondshauses bisher honoriert. Immerhin verwaltet die Gesellschaft heute rund 40 Milliarden Euro von vermögenden Familien, institutionellen Investoren sowie von Millionen von Fondssparern, die dem Geldverwalter ihre Altersvorsorge anvertrauen. "Wir haben 'Skin in the Game'", beschreibt Flossbach seine Motivation. "Das Geld unserer Familien steckt in den Fonds, das unserer Mitarbeiter, Freunde und Verwandten auch. Wir sitzen also im selben Boot wie unsere Investoren."

Durch die jüngsten Kurseinbrüche hat sich für den analytischen Querdenker das Verhältnis von Chance zu Risiko deutlich verbessert. "Ich bin optimistisch für das Anlagejahr 2019", meint er, obwohl die Börsenbilanz für 2018 schlecht ausfällt. Der deutsche Leitindex Dax sackte nach Weihnachten auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren ab. Vorausgegangen war eine wilde Berg-und-Tal-Fahrt an den US-Börsen. Unter dem Strich bleibt 2018 für den Dax ein dickes Minus von 18,3 Prozent.

Es ist das erste Mal seit 2011, dass das wichtigste deutsche Börsenbarometer kein Plus macht. Der aus verschiedenen Anlageklassen gemischte Multiple-Opportunities-Fonds schnitt mit minus 4,7 Prozent deutlich besser ab.

Zu den größten Aktienpositionen in dem Flaggschiff-Fonds, der fast für die Hälfte des gesamten Anlagevolumens von Flossbach von Storch steht, zählen der Nahrungsmittelkonzern Nestlé, die Holding Berkshire Hathaway von Warren Buffett und der Tabakkonzern Philip Morris International. Die Google-Mutter Alphabet ist ebenso vertreten wie die Autobauer Daimler und BMW. Außerdem findet der Fondslenker den Chemiekonzern BASF nach den jüngsten massiven Kursrückschlägen attraktiv. Die Aktie macht jetzt zwei Prozent des Fondsvermögens aus.

Für ausgewählte europäische Aktien macht sich auch Ulrich Stephan stark, der Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank: "Sie gehören für mich auch 2019 ins Portfolio." Den deutschen Aktienmarkt schließt Stephan mit ein. Eine Konzentration auf den Dax empfiehlt er allerdings nicht: Der deutsche Leitindex reagiere aufgrund seiner zyklischen Ausrichtung und des hohen Anteils an Autoaktien sensibel auf konjunkturelle Entwicklungen. Zudem umfasse der Index nur 30 Werte. "Das macht ihn schwankungsanfällig", betont der Marktprofi. In Europa reizen ihn vor allem Aktien aus den Sektoren Grundstoffe, Bauindustrie und Werkstoffe, Finanzdienstleistungen sowie Öl und Gas.

Optimistische Stimmen

Neben Flossbach und Stephan gibt es trotz der Kursverluste weitere optimistische Stimmen mit Blick auf die kommenden Monate. "Wir glauben, dass das neue Jahr im Verlauf für die Märkte positive Überraschungen bringen wird", sagt Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. Politische Börsen hätten auch nach dem extremen Börsenjahr 2018 noch kurze Beine. Die Unsicherheit rund um den geplanten Ausstieg der Briten aus der EU, den Brexit, und den Handelsstreit der USA mit China dürften die Märkte nicht dauerhaft belasten, meint er.

Dabei müssen sich Anleger auf starke Kursschwankungen einstellen. Diese seien Spielbild der "konjunkturellen Spätzyklusphase", betont Burkhard Allgeier von der Bank Hauck & Aufhäuser. Für Vermögensverwalter Flossbach zählt ein Jahr aber relativ wenig, er schaut mehr auf langfristige Chancen. "Bei Aktien können Anleger in den kommenden zehn Jahren eine jährliche Rendite von sechs bis sieben Prozent erwarten. Der 'Weltzins', also die durchschnittliche Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen aus den großen Währungsräumen, beträgt um die 1,5 Prozent. Eigentlich müsste jedem klar sein, was langfristig die attraktivere Variante ist", sagt der Geldmanager, der seine und die Ideen anderer handschriftlich in ein schwarzes Notizbuch einträgt. Die Kladden sind zum Markenzeichen des 57-Jährigen geworden, manchmal klebt er auch Zeitungsartikel ein.

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