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Kann ich auch im Homeoffice aufsteigen?

Karriereleiter Erfolg Aufstieg Beförderung Karriereplanung [© ra2studio - stock.adobe.com]

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Bis vor kurzem galten Meetings, Kongresse und Flurplausch als Karrierebeschleuniger Nummer eins. Corona hat das geändert: Fachleute sehen jetzt auch Chancen für die Karriere ohne Kaffeeküche.

Wer im Homeoffice sitzt, macht keine Karriere: Dies war vor 13 Jahren das Ergebnis einer vielzitierten weltweiten Umfrage der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry unter Führungskräften. Demnach hatten Telearbeiter schlechtere Karrierechancen als jene, die ständig im Unternehmen präsent waren. Das Netzportal Karriere.de warnte noch vor fünf Jahren: Flexible Arbeitszeitmodelle könnten "Karrierekiller" sein. Dabei wäre längst erwiesen, monierte das Portal, dass Heimarbeiter mitunter sogar mehr leisten als die Kollegen im Büro.

Und jetzt? Wie sieht es mit den Aufstiegschancen aus, wenn plötzlich alle daheim sitzen und die bis dato für alternativlos erklärte Präsenzkultur mit ihren reichhaltigen Mitteln zur Beziehungs- und Karrierepflege für alle entfällt? Ist Corona der große Gleich- und Schrittmacher, um Homeoffice-Karrieren in die Normalität zu befördern?

"Das Gute an den jetzigen Erfahrungen ist auf jeden Fall, dass das klassische Argument ,Das geht eben nicht' vielleicht in Zukunft etwas weniger funktionieren wird", prophezeit Tim Weitzel, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bamberg. Es müsse dann aber auch Schluss sein mit der "gängigen Folklore" vom "Urlaubsverdacht" nach dem Motto "Homeoffice ist no office" und einer "Teamromantik" im Sinne von "Kreativität gelingt nur im Team mit direktem Kontakt". Um aus dieser "Vermutungsdiskussion" herauszukommen, seien Vertrauen und Transparenz nötig. Für den einzelnen Mitarbeiter sei es jetzt umso wichtiger, Teil des Teams zu bleiben: "Sichtbar sein, zuverlässig sein, unverzichtbar sein - eigentlich dieselben Eigenschaften, die auch im Büro empfohlen werden."

Für Professor Markus Promberger, Arbeitssoziologe am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit und an der Universität Erlangen, ist auch der konkrete Beruf entscheidend. Wer sich etwa als Wissenschaftler auf ein Minimum an universitären Verpflichtungen beschränke und zeitfressende Gremiensitzungen nebst Planungskommissionen auslasse, stattdessen aber im Homeoffice mehr publiziere und sein Netzwerk auf Kongressen pflege, der oder die sei schon vor Corona eher aufgestiegen. Ähnliches gelte für den Ingenieur: Gelinge diesem daheim im stillen Kämmerlein eine bahnbrechende Entwicklung, dann werde er von den Kollegen wegen seiner hohen Abwesenheit im Büro zwar "nicht gerade geschätzt, mag aber gleichwohl schneller aufsteigen".

Benachteiligt könnten ausgerechnet jene sein, denen man vor der Corona-Pandemie noch die größten Vorteile im Homeoffice zugeschrieben hatte: Eltern mit kleinen Kindern. Promberger warnt: "Mit Pech vertiefen sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen etwas, doch dahinter steht eher der Unterschied zwischen Menschen mit und ohne kleinere Kinder - oder die Frage, wie es das Paar mit der Aufgabenverteilung hält." Corona bringe hier möglicherweise einige Differenzen zutage, die es vorher schon gab: "Mütter im Homeoffice kümmern sich womöglich in höherem Maße parallel um Kinder und Haushalt und haben weniger Zeit zur Netzwerkpflege oder schaffen einfach weniger. Es gibt erste Studien, etwa am Wissenschaftszentrum Berlin, die in diese Richtung deuten."

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