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Zwischen Risiko und Rendite

Börsenspiel, Aktien, zocken, kaufen, Quelle: sxc.hu, Autor: svilen001

Börsenspiel, Aktien, zocken, kaufen, Quelle: sxc.hu, Autor: svilen001

Genial einfach investieren - geht das? Ein Buch des Finanzprofessors Martin Weber erklärt grundlegende Funktionen des Wertpapierhandels und sagt, dass man auch als kleiner Anleger mit wenig Geld seinen Vermögensaufbau starten kann. Und zwar mit dem Wert seiner eigenen Arbeitskraft und durch bedächtiges, ruhiges Handeln bei Investments.

Investieren – das klingt oft nach Big Business und Big Money. Jedenfalls nichts für normale Studierende, die schon froh sein müssen, am Ende des Monats nicht allzu tief in die Miesen zu rutschen. An Vermögensaufbau ist hier kaum zu denken, ans Investieren schon gar nicht. Geld zu haben ist außerdem zwar praktisch, sich mit Finanzthemen zu beschäftigen hingegen trocken und mühsam. Anleger tragen das Risiko für ihre Anlage alleine und könnnen alles verlieren. Das hält viele vom Spiel mit den Aktien ab. Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim und die Mitarbeiter seines Lehrstuhls haben ein Buch geschrieben, dass die "finanzielle Allgemeinbildung" stärken und die Funktionsweise des Wertpapierhandels erklären will. "Genial einfach investieren – mehr müssen Sie nicht wissen – das aber unbedingt" lautet der Titel. Das Buch beruft sich auf Ergebnisse der finanzwissenschaftlichen Forschung, orientiert sich sich aber auch an praktischen Erfahrungen von Fondsmanagern und Anlegern.
 

Spiegel des wahren Lebens
 Der Wertpapiermarkt hat nur wenig mit Zauberei, dafür viel mit Taktik, logischem Denken und Psychologie zu tun. Eine eigene Forschungsrichtung erkundet das Verhalten der Anleger an den Finanzmärkten mit Hilfe der so genannten Behavioral-Finance-Theorie. Die Börse ist also nicht weniger als ein Spiegel des realen Lebens. Das macht sie so spannend. Das Börsenparkett ist schon längst nicht mehr nur etwas für Spezialisten. Immer mehr Privatpersonen, vom Schüler bis zum Rentner, investieren, um ihr Privatvermögen auszubauen. Schon mit wenig Geld kann man in die Welt der Börsenkurse und Wertpapiere einsteigen. Debüttanten auf dem Börsenparkett sollten sich aber zuallererst die wichtigsten Grundprinzipien des Finanzmarktgeschehens aneignen. Das bewahrt einen vor Fehlern und vor so manchem, angeblich todsicheren Tipp eines Bekannten.
 

Ohne Risiko keinen Ertrag
 Weber und sein Team raten zunächst einmal zu einer ganz nüchternen Distanz zum Börsengeschehen. Ihr Motto: "Ruhig anlegen, vernünftig streuen". Natürlich gilt an der Börse das Grundprinzip: Ohne Risiko kein Mehrertrag. Weber: "Wer kein Risiko eingehen will, der muss sich mit dem Ertrag einer risikofreien Anlage begnügen, kann also nicht mehr erwarten." Weber und sein Team postulieren daher acht Prinzipien, die für einen durchschnittlichen Anleger als zentrale Aspekte seiner Anlagepolitik fungieren und damit seine Geldanlage zur bestmöglichen Prosperität bringen sollen.
 

Sind Kurse vorhersehbar?
 Zunächst beschäftigen die Autoren sich mit der Frage, ob Kurse und Renditen vorhersehbar sind. Die Antwort lautet natürlich: Nein! Die Kurse verlaufen zufällig und werden oft von globalen Ereignissen und vom menschlichen und daher oft irrationalen Verhalten der Anleger bestimmt. Viele von ihnen zieht es zu Aktien und Fonds hin, die in der Vergangenheit eine gute Rendite abwarfen. Dabei gibt es kein seriöses Modell, dass in die Zukunft sehen kann. Das belegen die Autoren an Statistiken und Beispielen von unvorhergesehenen Ereignissen wie dem globalen Kurssturz nach dem 11. September 2001 oder der Entwicklung einer Aktie, deren Kurs sich aufgrund einer puren Namensähnlichkeit mit einer erfolgreiche Aktie positiv veränderte. Vorhersagemethoden wie der Chartanalyse oder Punktprognosen erteilen die Autoren eine klare Absage.
 

Zu schön, um reich zu werden
 "Sehr schnell reich und das ohne Risiko!" Auch die so genannten "heißen Tipps", wie sie einschlägige Börsenmedien regelmäßig propagieren, entpuppen sich als zu schön, um reich zu werden. Denn, so die zweite Erkenntnis der Autoren, ein durchschnittlicher Anleger kann auf Dauer nicht besser sein als der Durchschnitt aller Anleger. Die so genannte "Outperformance" bleibt für Privatanleger meist Illusion. Das, so die Autoren, liege nicht zuletzt an den oft versteckten und unterschätzten Gebühren für Käufe und Verkäufe und so genannten Ausgabeaufschläge beim Aktienkauf. Hinzu kommen noch Managementgebühren bei Investmentfonds und Steuern.
 

Kann man Erfolg vorhersagen?
 Gibt es Strategien, die den Erfolg zumindest mit etwas Sicherheit garantieren können? Die Finanzwissenschaft ist sich hier nicht einig. Das Buch stellt zwar drei Strategien vor, mit denen Fondsmanager vorzugsweise ihr Glück versuchen. Privatanlegern fehlt zumeist schlichweg das Geld, um diese aufwändigen Strategien auch nur ansatzweise fahren zu können.
 

In der Ruhe liegt die Rendite
 Was kann man als Neubörsianer eigentlich tun, wenn man weiß, dass man eigentlich nichts weiß? Ein beliebtes Klischee vom erfolgreichen Anleger ist der Fondsmanager, der unentwegt "Kaufen!" und "Verkaufen!" in sein Handy brüllt, um seinen Profit zu maximieren. Damit räumt das Buch gründlich auf. Ein allzu exzessiver Handel zehre nur an der Rendite, so die Autoren. Zudem handeln viele Anleger irrational, zum Beispiel, wenn es um Aktien bekannter Unternehmen geht oder wenn sie Aktien kaufen, nur weil sie zurzeit in den Medien besonders präsent sind. Zudem erliegen viele Anleger dem so genannten "Dispositionseffekt", ein weit verbreiteter Verhaltensfehler von Anlegern, die hoch gehandelte "Gewinneraktien" zu früh abstoßen, aus Angst, der Kurs könnte wieder fallen, niedrig gehandelte "Verliereraktien" hingegen zu lange halten, in der Hoffnung, das sie wieder steigen. Der allzu menschliche Herdentrieb tut sein übriges. Weber und seine Co-Autoren raten hingegen: "Eine rationale Handelsstrategie ist passiv und nicht sehr nervenaufreibend; anders als es die Medien suggerieren." In der Ruhe liegt also die Rendite.
 

Ruhige Hand und ein bisschen Glück
 Martin Weber und seinem Team ist ein ausführliches und interessantes Buch über das Investieren gelungen, dass sich bewusst nicht in die marktschreierischen Börsengazetten einreiht, die gerne den Millionensegen versprechen – und doch nie halten. Auch gibt das Buch keine konkreten Empfehlungen für eine bestimmte Aktie. Webers Buch verkündet vielmehr Gutes wie Schlechtes. Das Schlechte: Man muss sich schon mit dem Finanzmarkt beschäftigen, um die für einen selbst optimale Anlagestrategie zu finden. Ein allgemein gültiges Rezept gibt es nicht. Das Gute: Die Erfahrungen der meisten Privatanleger zeigen, dass man mit einer "ruhigen Hand" noch immer am besten fährt. Investieren muss also gar nicht anstrengend und kompliziert sein. Die mitunter schwerer verständlichen, finanzwissenschaftlichen und mathematischen Exkurse federt das Buch durch ein verständliches Fazit am Ende jedes Kapitels gut ab. Letztlich, das geben auch die Autoren zu, gehört zum Erfolg neben einer ordentlichen Portion Fleiß auch immer ein Faktor, den man wohl niemals in eine Rechenformel wird pressen können – das pure Glück.

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