Partner von:

Verschlungene Wege zum Geld

Geld im Studium [Bildquelle: sxc.hu, Autor: RAWKU5]

Geld im Studium [Bildquelle: sxc.hu, Autor: RAWKU5]

Vor lauter Studienreform wissen viele Studierende oft nicht mehr, woher sie das Geld für ihr Studium nehmen sollen. Doch neben den Eltern und dem BAföG gibt es noch weitere verschlungene Finanzquellen, die man anzapfen kann. Das Buch 'Geld im Studium' zeigt, was Studierenden bei Behörden zusteht und klärt wichtige arbeits- und versicherungsrechtliche Fragen. Ein wesentlicher Aspekt fehlt allerdings - Finanzierung durch Engagement.


Studierende in Deutschland brauchen zum Leben im Durchschnitt etwa 750 Euro im Monat. Jüngst zeigte eine Umfrage von e-fellows.net: die meisten Studierenden meistern ihr Studium hauptsächlich mit finanzkräftiger Unterstützung ihrer Eltern. Das Jobben ist schon seit langem die zweitwichtigste Erwerbsquelle. Nur etwa ein Drittel aller Studierenden erhält BAföG, Tendenz zum Glück steigend. Doch wenn die neuen Studiengänge in nur sechs Semestern zum Abschluss führen sollen, bleibt vielen keine Zeit mehr zum Arbeiten.

Finanzierung im Baukastensystem
Woher also das Geld nehmen, wenn nicht stehlen? Der Autor Edwin Schmauß geht in der aktuellen Neuauflage seines Buchs "Geld im Studium" vielen Finanzierungsquellen fürs Studium nach. Er spricht von einem "Finanzbaukastensystem", nach dem student sich seinen Lebensunterhalt zusammenzimmern kann. Das Buch hat sich als eine Art Standardwerk für Studierende und ihre Eltern etabliert, die sich bei der Beantragung von BAföG, Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld durch den Paragrafendschungel und das Fachchinesisch der Behörden wühlen müssen. Es erklärt die Bestimmungen verständlich und bringt auch aktuelle gesetzliche Änderungen zur Sprache.

Was Eltern geben müssen und verlangen können
Zunächst aber greift Schmauß in die Vollen und rüstet Studierende im Kampf ums Geld mit den eigenen Eltern (wobei er betont, dass er nicht aufhetzen, sondern lediglich über den gesetzlichen Rahmen informieren will). Wie ermittelt man seinen Unterhaltsanspruch? Was müssen die Eltern leisten, was können sie aber auch von ihrem Nachwuchs fordern? Wie kommt man ans Geld, wenn man das "elterliche Bestimmungsrecht" umgehen will. Zum Beispiel, wenn das studierwillige Kind von zuhause ausziehen will und die Eltern sich weigern, das zu finanzieren (was sie grundsätzlich auch dürfen). Dabei muss man schon schwere Geschütze auffahren, wie zum Beispiel eine "nachhaltige Zerrüttung ohne schuldhaftes Verhalten des Kindes" oder gar "körperliche Gewalt oder seelische Grausamkeiten". Doch wozu der Rosenkrieg? Wenn die Eltern die Zahlung verweigern, springt sowieso erst mal das BAföG-Amt ein. Selbiges quetscht die Eltern dann von Staates Wegen aus, während man in der Studenten-Cafete ganz beruhigt seinen Kaffee trinken kann. Doch damit die Eltern nicht ganz leer ausgehen, gibt Schmauß ihnen Tipps noch für die steuerliche Anrechung des Kindesstudiums und fürs Kindergeld.

Von Sozialversicherung bis Zahnersatz
Ein langes Kapitel widmet sich dem Jobben im Studium. Wobei auch hier wieder grundlegende Paragrafen erläutert werden. Die Themenbreite reicht von "Pauschalierten Sozialversicherungsbeiträgen" bis hin zum "Zahnersatz für Alleinstehende". Sehr viel Raum nimmt auch das BAföG-Kapitel ein ebenso wie die Informationen zur Sozialhilfe. Doch auch Fragen zu Sozial-, Renten- und Krankenversicherung kommen zur Sprache, sehr wichtige Fragen, über student unbedingt Bescheid wissen sollte.

Wenig Infos über Kredite
Neben diesen klassischen Finanzierungsmodellen und Ansprüchen nehmen die neuen Formen der Studienfinanzierung nur wenig Raum ein. Für die Studienkredite von Banken reichen dem Autor gerade einmal zwei Seiten, dabei gibt es hier doch inzwischen eine recht breite Angebotspalette (siehe Kreditüberblick). Ausführlicher erklärt er aber die günstigen Studienkredite der staatlichen KfW-Förderderbank. Die unterschiedliche Würdigung von staatlichen und privaten Krediten ist zwar verständlich, da die Kredite der KfW-Förderbank meist die günstigeren sind. Doch da wertvolle Tipps und Wissen bei der Aufnahme eines Kredites einer privaten Bank oft noch Mangelware sind, hätte die Neuauflage des Buches hier punkten können.

Stipendienüberblick fehlt
Insgesamt ist "Geld im Studium" ein nützlicher Wegweiser für Studierende und ihre Eltern. Die beste aller Möglichkeiten, sein Studium zu finanzieren, unterschlägt das Buch allerdings ganz – nämlich das Stipendium. Mit einem Stipendium eines Begabtenförderungswerkes bekommen gute Studierende nicht nur eine monatliche Zuwendung geschenkt, sondern auch noch Bildungsveranstaltungen und ein Netzwerk von Gleich- und Ähnlichgesinnten oben drauf. Doch warum fehlt ein solches Kapitel? Womöglich, weil man etwas tun muss, um eines der begehrten Stipendien zu bekommen?

Der Faktor Engagement
Hier bestätigt sich ein Verdacht, den man beim Lesen des Buches von Anfang an nie ganz los wird. Das Buch beschäftigt sich sehr sorgfältig mit dem, was Studierenden zusteht und worauf sie Anspruch haben. Doch ein Buch, dass sogar Verhaltenstipps beim Abwimmeln des GEZ-Kontrolleurs gibt, fällt aus der Balance, wenn es nicht auch vom Engagement spricht, das Studierende zeigen sollten. Die beste Form der Studienfinanzierung erwächst durch fachliches und persönliches Engagement. Wer gut ist im Studium, kann ein Stipendium bekommen und erspart sich das Jobben. Wer dennoch jobben muss, kann durch - sicherlich mühevolle - Eigeninitiative, einen Job finden, der ihn gut aufs Berufsleben vorbereitet. Das wäre über die momentane Finanzierung hinaus eine Investition in die Zukunft, die allemal mehr bringt, als pures Gerenne von Amt zu Amt, um hier oder dort noch ein paar Euro mehr für den neuen Fernseher herauszuschlagen. Dieser Leistungsaspekt bleibt dem Buch in seiner aktuellen Auflage – leider noch - verborgen.

 

nach oben

e-fellows.net-Stipendiaten profitieren neben dieser Stipendiumsleistung von mehr als 50 weiteren Vorteilen.

e-fellows.net-Stipendiaten lesen kostenlos Zeitungen und Zeitschriften wie DIE ZEIT, Handelsblatt, DIE WELT kompakt oder Finance.

e-fellows.net-Stipendiaten recherchieren für die Hausarbeit in unseren Datenbanken von beck-online über WISO bis zum Facharchiv der iX.

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren