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Schwimmen im Meer an Zeit

Schwimmen in einem Meer an Zeit [Bildquelle: sxc.hu, Autor: mleon4740]

Schwimmen in einem Meer an Zeit [Bildquelle: sxc.hu, Autor: mleon4740]

Die Frage nach Zeitmanagement stellt sich meist dann, wenn einem die Aufgaben über den Kopf wachsen: Der Terminkalender ist rappelvoll und die To-Do-Liste zu lang. Der letzte Besuch bei den Eltern liegt schon einen Monat zurück und um das Praktikum für die nächsten Semesterferien hättest du dich auch schon kümmern müssen. Du fragst dich: Wie nur all die Termine, Aufgaben und dann noch die Zukunftsplanung gelungen unter einen Hut bekommen? Am besten erst mal zurücklehnen und das Buch 'Ein Meer an Zeit' lesen.

Der Alltagshektik setzt das Autorentrio Entschleunigung entgegen. Statt vom Zeitmangel zu reden, propagieren sie das "Meer an Zeit". Sie entkräften die populäre Aussage: "Ich habe keine Zeit", mit der These: "Wir haben mehr Zeit als jemals zuvor – nur kein Bewusstsein dafür." Der Mensch von heute schlafe und arbeite weniger als noch vor 50 Jahren. Dazu habe er mehr Freizeit. Ein Mal tief durchatmen, bitte, scheint das erste Kapitel vermitteln zu wollen, und benennt das Ziel des Buches: Gelassenheit und Klarheit entwickeln. Dazu geht es auf eine Reise: 28 Tage lag, jeweils ein Kapitel, so die Empfehlung.
 

Fünf Generationen Zeitmanagement
 Die Metapher der Reise ist von den Autoren gut gewählt, verbindet man doch mit einer Reise Angenehmes, Neugierde und Entspannung. Doch bevor es losgeht, möchte man ungefähr wissen, worauf man sich einlässt. Daher stellt das Buch zu Beginn Zeitmanagementtheorien der vergangenen Jahre vor und erfreut dann mit dem Versprechen, das Beste aus allen Generationen zu versammeln. Das Buch bietet ein Konzentrat, erweitert um eine neue Dimension: die soziale. "Ausbalanciert ist mein Leben erst, wenn andere Menschen darin einen angemessenen Platz gefunden haben." Das ist sympathisch und macht neugierig auf Mehr.
 

Eine Frage der Wahrnehmung
 Doch die Reise zum Meer an Zeit beginnt nicht sofort. Der "Meeresblick", wie das zweite Kapitel heißt, ist uns noch versperrt. Selbstverschuldet, wie die Autoren diagnostizieren, denn negatives Denken lähme. Daher stellen sie dem Kapitel ein konstruktivistisches Zitat voran: "Wir nehmen die Dinge nicht wahr, wie sie sind, sondern wie wir meinen, dass sie sind." Die Autoren bemühen sich, Augen zu öffnen und gängige "Lügen" zum Thema Zeit zu widerlegen. Der Tenor: Chronischer Zeitmangel sei eine Illusion, eine Frage der Wahrnehmung. Der Appell: Sich nicht als Opfer der Umstände sehen, sondern das eigene Leben aktiv gestalten. Wie, verrät dann das nächste Kapitel.
 

Erst musst du dribbeln können
 Mental eingestimmt geht es nun um das Handwerk: Wie organisiere ich mich? Denn: "Es ist wie beim Fußball: Erst wenn Sie die einzelnen Disziplinen beherrschen [wie Dribbeln und Kondition], beherrschen Sie das Gesamtspiel." Vergleiche wie dieser, Zitate, kleine Geschichten und Verweise auf populäre Filmszenen machen die theoretischen Ausführungen der Autoren das ganze Buch hindurch sehr anschaulich. Eine übersichtliche, wiederkehrende Struktur und durchdachte Inhaltshäppchen sichern den roten Faden. Der Ton ist aktiv und positiv und passt somit gut zur Botschaft des Buches, auch wenn er stellenweise zu sehr nach Lebenshilfe klingt.
 

Dringend ist nicht wichtig
 Aber schließlich geht es beim Zeitmanagement nicht nur darum, Termine und Verpflichtungen zu organisieren, sondern auch Ziele zu formulieren und ihnen näher zu kommen. "Wenn ein Kapitän nicht weiß, welches Ufer er ansteuert, dann ist kein Wind der richtige" – so das Eröffnungszitat der achten Tagesetappe. Es entsteht der Eindruck, Zeitmanagement habe mehr mit Reflexion über generelle Lebenswünsche, als mit trockenen Zeitplänen zu tun. Und so geht es im Folgenden um den Unterschied zwischen wichtig und dringend. Dringend kann beispielsweise der Gang zum Schuster sein. Wichtig ist jedoch der Anruf beim Praktikumsbüro, wenn ich unbedingt eine bestimmte Branche kennen lernen möchte. Es gilt, Prioritäten zu setzen und jeden Tag wenigstens eine Aufgabe mit dem Blick auf wirklich wichtige Ziele zu bearbeiten.
 

Pläne schmieden und Träumen nicht vergessen
 Daher geht es schließlich doch um Tages-, Wochen- und Jahrespläne – ans Eingemachte: "Die große Kunst - an der man sein Leben lang zu üben hat - ist es, das Optimale aus den durchschnittlich 16 bis 17 Stunden herauszuholen, die man pro Tag wach ist. Wie das gelingen kann, zeigen die folgenden Techniken." Einige Beispiele: eine Tagespriorität festlegen, Pufferzeiten einplanen und Deadlines setzen. Pointiert und aufrüttelnd wirken Sätze wie: "Alles, was Ihnen wirklich was bedeutet, muss im Normfall mindestens einmal in der Woche vorkommen." Den Appell für reflexive Stunden lässt das Buch aber auch hier nicht verstummen. Die Autoren empfehlen alle vier Monate einen "Dreamday": Aussteigen aus der Alltagshektik, um Erfolge und Niederlagen zu überdenken, langfristige Ziele mit dem aktuellen Handeln zu vergleichen, Träume zu überprüfen und neue Ziele zu setzen.
 

Nicht nur im eigenen Saft schmoren
 Das abschließende Kapitel widmet sich der neuen Dimension des Zeitmanagements - der sozialen Ausrichtung. "Zeit haben bedeutet ja zu einem hohen Maß Zeit haben, um sie mit anderen zu verbringen." Besonderes Augenmerk legen die Autoren daher auf soziales Engagement und ziehen zur Begründung die Individualpsychologie heran: "Selbstloses Engagement macht glücklicher. Wer sich mit den Problemen anderer befasst, verhindert, nur im eigenen Saft zu schmoren und den Sinn des Lebens auf die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zu reduzieren." Denn schließlich geht es in dem Buch "Ein Meer an Zeit" zwar darum, die Aufgaben des Lebens strukturiert zu bewältigen. Vor allem möchten die Autoren jedoch zeigen, wie ein strukturiertes Leben dabei helfen kann, ein sinnvolles und erfülltes Leben zu führen.
 

Konzentration statt Multitasking
 Zwar kommt bei der Lektüre stellenweise der Verdacht auf, die Autoren hätten es sich ein bisschen zu einfach gemacht. Dennoch: Das Buch "Ein Meer an Zeit" ist eine prägnante Einführung in das Handwerk des Zeitmanagements. Darüber hinaus setzt es erfrischende und beruhigende Akzente gegen die Trends der Zeit: nicht Hektik, sondern Gelassenheit, nicht Multitasking, sondern Konzentration. So dass man am Ende vielleicht sogar sagen kann: Dort hinten am Horizont sehe ich das Meer glitzern, das Meer an Zeit.

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