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Crash-Kurs fürs globale Parkett

International, Flaggen, Europa (sxc.hu, Mattox)

International, Flaggen, Europa (sxc.hu, Mattox)

Mit Franzosen Wein und mit Japanern Sake trinken. Das sind zwei völlig verschiedene Riten. Ein Schnellkurs in den weltweiten Businessgepflogenheiten verspricht Rettung für Expatriates und solche, die oft im Ausland unterwegs sind. Neben Informationen über die Kontaktanbahnungs- und Geschäftsmethoden, erklärt er auch interkulturelle Besonderheiten und Tischsitten und vermeidet dabei weitgehend Klischees.


Wer die Einleitung zu diesem Buch liest, muss sich Sorgen um Deutschlands Elite machen. Als ob es nicht schon reicht, dass den Deutschen wenig Humor und Freundlichkeit nachgesagt wird. Nein, dazu gesellt sich nun auch noch schlechtes Benehmen. Da klopft ein deutscher Teamleiter bei einem Kollegentreffen in Singapur schon mal mit der Faust auf den Tisch oder zieht ungeduldige Grimassen bei Verhandlungen mit Japanern. Mancher Manager ruft sogar laut "Shit!" in seinem Londoner Büro oder kippt beim Geschäftsessen in Bordeaux Wasser in wertvollen Rotwein aus der Region. Pfui! Ein solches Benehmen muss nicht, kann aber dazu beitragen, dass eine Geschäftsbeziehung scheitert oder gar nicht erst zustande kommt. Deutsche Manager brauchen im Ausland, so scheint Autor Kai Oppel zu glauben, nicht nur Benimm, sondern auch Erziehung. Gute Noten alleine reichen nicht aus.

Benimmregeln bei den wichtigsten Handelspartnern
Oppels Buch "Business Knigge international. Der Schnellkurs" verspricht die Rettung aus dem Knigge-Dilemma. Denn neben Informationen über die Kontaktanbahnungs- und Geschäftsgepflogenheiten erklärt er gleich auch noch die kulturellen Besonderheiten und internationale Benimm- und Essregeln. Die Länder hat er nach wirtschaftlicher Relevanz ausgesucht. Neben den wichtigen europäischen Partnern Deutschlands kommen deshalb auch die aufstrebenden Nationen China und Indien zur Sprache. Südamerika ignoriert Oppel leider sträflich, obwohl vor allem Brasilien zu den Global Playern der Zukunft gezählt wird. Japan, die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate sind ohnehin mit dabei. Gedacht ist das Buch für Expatriates ebenso wie für Austauschstudenten und Unternehmensgründer. Aber auch für Manager, die oft Besuch aus dem Ausland empfangen und für einen harmonischen und vor allem erfolgreichen Geschäftsabschluss sorgen wollen.

Klischees über Bord werfen
Das Problem von interkulturellen Ratgebern besteht meistens in der Tatsache, dass sie sich zwar um internationale Verständigung bemühen, zugleich aber auch zwangsläufig dazu neigen, zu verallgemeinern und in Klischees abzugleiten. Dieser Falle entgeht auch Oppel in seinem Buch nicht ganz. Zudem gibt er viele Gemeinplätze wieder, etwa wenn er rät: "Nehmen Sie einen Franzosen immer ernst!" oder "Widersprechen Sie keiner Respektsperson, selbst wenn sie einen Fehler macht!" – das alles sind eher kulturübergreifende Anstandsregeln. Doch räumt Oppel dankenswerter Weise auch mit so manchem Klischee auf: Franzosen sprechen inzwischen tatsächlich Englisch und das gar nicht schlecht. Und das Essen in den USA kann durchaus gesund sein und gut schmecken. Die Horrorgerüchte von gemeinsamen Karaoke-Abenden mit Geschäftspartnern in Japan muss er allerdings bestätigen. Zudem kommen in Oppels Buch viele Experten und Manager mit internationaler Erfahrung zu Wort. Das macht ihre Hinweise und Tipps glaubhaft.

Immer an das Guanxi denken!
Am Anfang des Buchs geht Oppel auf die sieben "Todsünden" der Businesskommunikation ein, die für viele Deutsche (nicht alle, denn wir wollen ja nicht verallgemeinern!) ein Problem sind. Etwa, dass Deutsche dazu neigen, sich bei Konferenzen sehr strikt an die Tagesordnung zu halten, was in vielen Ländern nicht üblich ist. Auch neigen sie zur Besserwisserei und zum Maßregeln von Partnern, was international gar nicht goutiert wird. Etwas weniger Direktheit und mehr Vorsicht im Umgang schadet dem deutschen Manager auch nicht. Wo in Deutschland ein deutliches "Nein" zum guten Ton bei knallharten Verhandlungen gehört, empfindet man das in China, Japan, aber auch in vielen europäischen Ländern, allen voran Großbritannien, als ganz schön unhöflich. Auf diese Weise neigen Deutsche in China manchmal dazu, ihr Gesicht zu verlieren, was das für ein Geschäft wesentliche Guanxi, also den Beziehungsaufbau, verhindert.

Deutsche Tugenden in Ehren halten
Kann man denn also gar kein gutes Haar am deutschen Manager lassen? Doch, meint Oppel. Einige Tugenden der Deutschen werden im Ausland sehr geschätzt, allen voran die Pünktlichkeit und die gute Organisation. Das geht sogar so weit, dass man in Indien von Deutschen erwartet, pünktlich zu einem Termin zu erscheinen, während die Inder sich selber gerne eine mehrstündige Verspätung gönnen. Man mag das tausend Mal mit dem Hinduismus begründen, Nerven raubend ist es doch. Oppel rät hier, die vielen Wartezeiten mit Arbeit zu überbrücken – ein leistungsstarker Akku fürs Laptop gehöre in Indien in jedes Managergepäck.

Wenn die Korruption lauert
Oppel geht neben allem Knigge auch auf ein wichtiges Thema ein, dass in anderen Ländern sehr verbreitet ist, nämlich Korruption. Welche Strategien gibt es gegen Bestechungsversuche? Wie geht man mit wertvollen Geschenken um? Ein Interview mit Jermyn P. Brooks, Vorstand bei Transparency International, gibt hier nützliche Tipps. Wer von Anfang an hartnäckig bleibe und betone, dass Bestechung in Deutschland hart bestraft wird, sei gut gewappnet. Teure Geschenke solle man aus Höflichkeit annehmen. Aber nur, um diese dann sofort dem Unternehmen zu geben, das die Geschenke für wohltätige Zwecke versteigern solle.

Immer freundlich bleiben
Allgemeine Regeln fürs internationale Business-Parkett folgen im letzten Kapitel. Die sollte man aber bitte nicht als starres Regelwerk verstehen. Sondern als Liste von gut gemeinten Tipps. Und wenn man dann doch einmal aus Versehen eine US-amerikanische Geschäftspartnerin berühren sollte, so muss man nicht gleich eine Millionenklage wegen sexueller Belästigung fürchten. Ein nettes Lächeln und ein ehrliches "I am so sorry!" tut es vielleicht auch.

 

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