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Vom Couch-Potatoe zum Coach-Potentaten

Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner! [Bildquelle: sxc.hu, Autor: intuitives]

Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner! [Bildquelle: sxc.hu, Autor: intuitives]


Die Szene erinnert an Filme von Woody Allen. Eine erfolgreiche Managerin in New York. Sie hat einen tollen Job mit besten Berufsaussichten und Top-Verdienst. Alle bewundern sie. Doch ihr einziger Traum ist, auf dem Weg zur Arbeit von einem Auto angefahren zu werden. Denn im Grunde ihres Herzens hasst sie ihren Job. Das ist kein Film, sondern das durchlebte Talane Miedaner in ihrer beruflichen Anfangszeit.

Ein Coach - ein notwendiger Luxus
Aber New York wäre nicht New York, ließe sich nicht auch aus Krisen etwas machen. Miedaner schmeißt ihren Job hin und hilft fortan anderen, sich selbst zu helfen - als Coach. Seither hat sie zahlreiche Menschen beraten. Ihre Eigenwerbung lautet: "Ein Coach ist nicht wirklich lebensnotwendig, sondern reiner Luxus. Wenn Sie jedoch wie ein Spitzensportler Ihr Bestes geben wollen, dann sollten Sie sich diesen Luxus gönnen." Dieses Argument in der Einleitung ist so überzeugend, dass man mit Neugierde weiterliest.

Act up! Im Handeln liegt der Erfolg
Ganze 101 Tipps hat Miedaner zusammengestellt und verspricht, mit ihnen berufliche und private Ziele verwirklichen zu können. Mit durchschnittlich anderthalb Seiten Länge sind die Tipps recht kurz gehalten. Jeweils zehn Kapitel sind zu einem "Teil" zusammengefasst, der unter einem bestimmten Motto steht. Von "Steigern Sie Ihre natürliche Energie" bis "Müheloser Erfolg". Dazwischen liegt viel anstrengende und umfangreiche, aber auch anschauliche und kurzweilige Lesearbeit. Das Prinzip Miedaner lautet: Die Dinge kurz und knackig auf den Punkt bringen. So schafft sie es, den Leser nicht mit Selbstfindungspalaver zu langweilen, sondern ihn vor allem zu einem aufzufordern: zum Handeln.

Höhere Ansprüche an sich selbst stellen
Im ersten Teil lernt der gestresste Leser, seine Krallen zu schärfen, um sich gegen Angriffe im Berufs- und Privatleben zu wehren. "Lassen Sie sich nichts gefallen!", faucht Miedaner und unterstreicht ihre Thesen mit Beispielen von Menschen, die sie selbst erfolgreich gecoacht hat. Die Alltagsbeispiele wirken bisweilen etwas zu einfach. Oder ist es wirklich so, dass eine Angestellte, die über Jahre hinweg von ihrer Chefin regelmäßig angeschrien wurde, sich nur einmal zu wehren braucht, um fortan Ruhe zu haben und sogar befördert zu werden? Miedaner scheint das tatsächlich zu glauben. Ob die Dinge sich im Einzelnen wirklich so ereignet haben, ist aber auch nebensächlich. Denn Miedaner hat im Prinzip Recht, wenn sie Eleanor Roosevelt treffend zitiert: "Niemand kann dich ohne dein Einverständnis dazu bringen, dich minderwertig zu fühlen."

Das eigene Leben aufräumen
Nachdem sie das Selbstbewusstsein des Lesers geschärft hat, geht sie systematisch an den Aufbau des eigenen Erfolgs. Wer den zweiten Teil "Schaffen Sie Ordnung" gelesen hat, wünscht sich am Ende nichts mehr als eine Putzfrau. Denn Miedaner motiviert dazu, seine Zeit mit Dingen zu füllen, die einen erholen oder weiterbringen anstatt sie mit eintöniger Alltagsarbeit zu verschwenden. Auch wenn das Geld kostet, so investiert man hier doch in den eigenen Erfolg. "Sie können natürlich Ihr ganzes Leben lang putzen und aufräumen. Aber dann werden Sie nie die Zeit finden, um endlich das Buch zu schreiben, von dem Sie träumen, Segeln zu lernen oder sich regelmäßig mit Ihren Freunden und Ihrer Familie zu treffen." Auch hier hat sie einfach Recht.

Geld für sich arbeiten lassen
Wer regelmäßig sein Konto überzieht oder nicht mehr für sein Geld arbeiten, sondern Geld für sich arbeiten lassen will, dem sei Teil 3 empfohlen. Auch wenn man das Gefühl nicht los wird, alle Spartipps des Kapitels schon seit Jahren zu befolgen und doch noch nicht Millionär zu sein. Trotzdem will Miedaner, dass man 20 Prozent seines Einkommens regelmäßig spart. Andererseits erklärt sie auch, wie man zu mehr Geld kommt, finanziell unabhängig wird und den eigenen, auch finanziellen Wert beim Arbeitgeber richtig einzuschätzen lernt. Ein Leitspruch dieses Kapitels: "Ich war arm und ich war reich. Glaub mir, reich sein ist besser." Und wiederum hat sie Recht.

Eine gehörige Portion Optimismus
Mit solchen simplen wie einleuchtenden Argumenten macht sich Miedaner weiter daran, das Leben des Lesers umzukrempeln. Um mehr Zeit zu bekommen lernt er, den Fernseher links liegen zu lassen und seine Arbeit in der Hälfte der Zeit zu erledigen. Ein amerikanisches Buch im besten Sinne. Um ein Netzwerk aus Freunden zu knüpfen, rät Miedaner, doch einfach einen Verein zu gründen. Überhaupt läuft vieles bei ihr so leicht und einfach. Das ist es in der Realität natürlich nicht. Trotzdem kann Miedaner etwas vermitteln, was durchaus die Grundlage für ein erfolgreiches Leben ist. Nämlich eine gehörige Portion Optimismus.

Punkt für Punkt "weitercoachen"
Nach fast jedem Kapitel muss man sich etwas vornehmen. Immer aktiv sein, sich alles immer aufschreiben und sich Gedanken über sich selbst machen. Daneben soll man sich auch noch Raum und Zeit schaffen, sich zu erholen. Das klingt verdammt anstrengend und lässt ahnen: Von heute auf morgen ist der große Durchbruch im Leben nicht zu haben. Bei der ersten Lektüre reicht es jedoch, sich den einen Punkt heraus zu picken, den man am nötigsten bearbeiten muss. Ist der geschafft, kann man sich Punkt für Punkt selbst "weitercoachen". Die Kapitel des Buches stehen in keiner chronologischen oder hierarchischen Ordnung, so dass sie problemlos einzeln gelesen werden können.

Verwöhnprogramm mit kleinem Budget
Die prominenten Leitsprüche der Kapitel lassen es an Ironie nicht fehlen: "Nehmen Sie das Leben nicht zu ernst. Sie kommen sowieso nicht lebend heraus." So gibt Miedaner auch Tipps, wie man sich das Leben ohne viel Geld luxuriös gestalten kann. Zum Verwöhnprogramm mit minimalem Budget gehören neben einem Museumsbesuch auch eine Tasse Tee in einem noblen Restaurant – wohl der netten Atmosphäre wegen – und schließlich ein Wochenende in einem Kloster, das keine Übernachtungsgebühren verlangt.

Die Kraft der Autosuggestion
Neben dem Vergnügen lässt Miedaner die Arbeit nicht zu kurz kommen. So solle man sich seine Ziele und Wünsche mindestens fünfzehnmal am Tag aufschreiben. Dies spreche die Kraft des Unterbewussten an. Das akzeptiert mehrmals wiederholte Aussagen angeblich als Tatsache. Ihr Beispiel: Amerikas populärer Cartoonist und Erfinder der Figur "Dilbert", Scott Adams. Er notierte sich täglich: "Ich werde der beste Cartoonist der Welt sein." Dann zogen sich seine Hauptkonkurrenten überraschend aus dem Berufsleben zurück und die Bahn war frei für ihn. Ähnliches versuchte er bei einem Eignungstest für eine Wirtschaftsschule und sogar bei der Suche nach einer Frau. Es klappte, auch wenn er für seine Ziele hart arbeiten musste. Nicht immer wird man das Ersehnte voll erreichen. Zum (Über-)Lebensrezept der Talane Miedaner gehört daher, dass man immer ein weiteres Ass im Ärmel hat. Wer sich Alternativen schafft, ist nicht von einer einzigen Sache abhängig. Das macht lockerer. Und sobald man eine Sache nicht mehr unbedingt braucht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man sie doch bekommt.

Du bist großartig, mach' was daraus!
So lautet das letzte Kapitel: "Sie sind großartig!". Es endet mit den Worten "Ich habe Ihnen nun alle Tipps und Ratschläge gegeben, die Sie benötigen, um brilliant, hinreißend, kompetent und einfach großartig zu sein. Der Rest ist Ihre Aufgabe." Das Buch schafft es schließlich wirklich, eine positive Einstellung zum eigenen Leben zu vermitteln. Man glaubt mehr an sich und seine Kraft, ja man strotzt geradezu vor Energie. Bleibt nur zu hoffen, dass einen diese Energie nicht leichtsinnig macht. Sonst könnte es passieren, dass man tatsächlich im Überschwang des Selbstbewusstseins nicht auf den Verkehr achtet und doch noch unter die Räder gerät.

 

 

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