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Die Mischung macht’s

Duales Studium (© Fotolia - Gerhard Seybert)

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Das duale Studium könnte neue Studentengruppen ansprechen – wenn die Qualität stimmt.

Elf Wochen an der Hochschule, im Schnitt mit acht Unterrichtsstunden am Tag, in der zwölften Woche die Prüfungen. Dann drei Monate Arbeit im Unternehmen, bevor es wieder an die Hochschule geht. Christian Urban hat sich bewusst für den Mix aus Theorie und Praxis entschieden, auch wenn das Studium "durchgetaktet" ist. "Wenn man abends und am Wochenende dabei bleibt, ist es gut machbar", sagt der Maschinenbaustudent, der im sechsten Semester an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) eingeschrieben und beim Autobauer Daimler in Stuttgart angestellt ist.

Wer sich für das Studium an der DHBW entscheidet, muss belastbar sein, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Denn das heißt: in drei Jahren den Bachelorabschluss machen und dabei eineinhalb Jahre arbeiten. Etwa 34.000 junge Menschen sind derzeit eingeschrieben – das sind mehr als die Hälfte aller dualen Studenten in Deutschland. Dort wie auch im Rest der Republik boomt die Doppelqualifizierung, die Zahl der Studiengänge steigt. Und damit wachsen auch die Qualitätsunterschiede. Zudem könnten sich die Anbieter stärker neuen Zielgruppen öffnen.

Mehr als 900 duale Studiengänge mit Bachelorabschluss gibt es heute in Deutschland. Weil das Etikett "dual" so beliebt ist, wird das Angebot unübersichtlich. Stand die Doppelqualifizierung ursprünglich einmal für eine Kombination aus Ausbildungs- und Studienabschluss, sind die meisten Programme heute nur noch Studiengänge mit integrierten Praxisphasen. "Nicht immer ist dual drin, wo dual draufsteht", sagt Ann-Katrin Schröder-Kralemann, die im Stifterverband den Bereich Hochschule und Wirtschaft leitet. Von einer einheitlichen Definition ist man weit entfernt. "Es gibt hier riesige Widerstände an Hochschulen", sagt sie.

Neben der DHBW werden duale Studiengänge von Fachhochschulen (FHs), privaten Anbietern und nur wenigen Unis angeboten. "Die Universitäten haben so gut wie keine dualen Studienangebote. Viele sind skeptisch, was die Wissenschaftlichkeit der Studiengänge angeht", sagt Hochschulforscher Andrä Wolter von der Humboldt-Universität Berlin, der dazu gerade für die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) eine Studie vorgelegt hat.

Wer dual studiert, hat nahezu eine Garantie, übernommen zu werden, und bekommt ein Gehalt, das meist über dem der staatlichen Studienhilfe Bafög liegt. Zudem wenden die Studenten das in der Hochschule Gelernte direkt im Unternehmen an. Student Christian Urban etwa konnte schon während des Studiums verschiedene Fachabteilungen kennen lernen und im zweiten und dritten Jahr auch an Projekten mitarbeiten.

Doch gerade der Praxistransfer macht Experten Sorgen. "In der Praxis findet der Transfer oft nur in den Köpfen der Studenten statt", sagt Schröder-Kralemann. Auch der Wissenschaftsrat, Deutschlands oberstes Beratergremium in Hochschulfragen, bemängelte das 2013. Das soll sich ändern.

Zudem scheint die wissenschaftliche Qualität hier und da ein Problem zu sein. "Der Praxisbezug darf nicht die Qualität der wissenschaftlichen Ausbildung beeinträchtigen", forderte der Wissenschaftsrat. Es könnte sein, dass damit vor allem jene privaten Akademien gemeint sind, die das Studium als Franchise-Konzept in Kooperation mit einer staatlichen Hochschule anbieten, die den Abschluss vergibt. "Ich beobachte, dass manche Hochschulen die Qualitätssicherung sehr ernst nehmen, sie aber bei anderen eher nachrangig ist. Ich bin skeptisch, was das Franchising angeht", sagt Forscher Wolter. "Hochschulen sollten die komplette Verantwortung für das Studienangebot haben."

Noch immer hängt der Bildungsweg in Deutschland stark vom Elternhaus ab. Doch: "Duale Studiengänge sind sozial etwas offener als ihre Pendants an den Universitäten und Fachhochschulen", sagt Wolter. "Sie könnten aber noch viel offener sein." In der Acatech-Studie haben er und seine Kollegen dargelegt, wie man neue Studentengruppen gewinnen kann – etwa jene, die auf ein Studium verzichtet, weil sie es sich nicht leisten kann. Junge Menschen aus Einwandererfamilien oder Familien, in denen noch niemand studiert hat, zählen oft dazu. Dafür müsse das duale Studium an sich und seine besondere Organisation bekannter werden.

Das duale Studium biete "enorme Entwicklungschancen", sagt DHBW-Präsident Reinhold Geilsdörfer, der auch mehr internationale Studenten gewinnen will. Begrenzt werde das von etwas, das er "Achillesferse" nennt: Die Wirtschaft muss in dem Maße mitmachen:

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